Bernard Cornwell – Schwertgesang

AutorBernard Cornwell
TitelSchwertgesang
OriginaltitelSwordsong
ÜbersetzerKarolina Fell
SerieSaxon Chronicles Band 4
Seitenzahl479
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-24802-3
Bewertung

Inhalt
Mercien, 885: Im Auftrag König Alfreds kämpft Uhtred gegen die Dänen, die Wessex bedrohen, sowohl zu Lande als auch zu Wasser. Dennoch will der König Uhtred nicht völlig vertrauen, denn dieser ist kein Christ, sondern hängt dem alten Glauben an.
Als Alfreds Neffe Aethelwold Uhtred erzählt, dass ein Toter, aus dem Grab auferstanden, ihnen eine Zukunft als König weissagt, wird er hellhörig und möchte mehr erfahren. Und so trifft er auf die Besatzer Lundenes, die Norweger Sigefrid und Eric.
Doch schon bald muss er erkennen, dass er einem Betrug aufgesessen ist. Und so bleibt er weiterhin Alfred treu, in dessen Auftrag er Lundene und somit den Zugang zur Themse befreien soll…

Meine Meinung
Schwertgesang ist der vierte Band der Reihe um den angelsächsischen Krieger Uhtred. Und auch dieses Mal führt Bernard Cornwell sein bewährtes Rezept fort und bietet dem Leser einen kleinen Abschnitt englische Geschichte, eingebettet in viele Kämpfe.
Wieder einmal ist dieses Ereignis, von dem Cornwell hier berichtet, nämlich die Eroberung Londons unter König Alfred, zwar überliefert, man weiß aber fast nichts darüber, selbst über das Jahr ist man sich nicht sicher, so dass dem Autor viele Freiheiten bleiben, eine spannende Geschichte zu verfassen. Somit ist ein großer Teil der Romanhandlung fiktiv, was aber der Glaubwürdigkeit keinen Abbruch tut, denn man kann sich gut vorstellen, dass es so oder ähnlich durchaus hätte passiert sein können. Doch man erfährt auch genügend Details, die sich tatsächlich ereignet haben. So wird berichtet, wie Alfred eine große Anzahl Orte im Land befestigen lässt, und auch Æthelflaeds Ehe mit Æthelred, im Roman Uhtreds Cousin, spielt eine wichtige Rolle.
Man merkt Uhtred an, dass er, inzwischen rund dreißig Jahre alt, kein ganz junger Spund mehr ist. Noch immer ist er ein großartiger Kämpfer, der zunächst an sich denkt, der auch nicht davor zurückschreckt, Gewalt anzuwenden, um seinen Standpunkt zu bekräftigen und seine Wünsche durchzusetzen. Seine Ehre ist ihm aber sehr wichtig, und so nimmt er einmal gesprochene Eide sehr ernst.
Doch ist er auch zu einem Familienmenschen geworden, der zwei Kinder hat und sich um seine Frau sorgt. Auch um Æthelflaed, die Tochter König Alfreds, empfindet der Krieger viel, liebt er sich doch wie eine Tochter. Somit erscheint Uhtred hier deutlich menschlicher als noch in den vorherigen Bänden, in denen über zartere Gefühle kaum ein Wort verloren wurde.
Dennoch liegt der Schwerpunkt weiterhin auf diversen Kämpfen, von kleinen Scharmützeln, wie sie direkt im Prolog beschrieben werden, bis hin zu Großereignissen. Spannend sind sie alle, aber manche sind eher oberflächlich gehalten, andere schon deutlicher bis in alle brutale Einzelheiten. Insgesamt lässt sich die Handlung in zwei große Spannungsbögen einteilen, die zusammengenommen eine runde Geschichte ergeben. Diese deckt aber nur eine sehr kurze Zeitspanne von wenigen Monaten ab, während es in vorherigen Bänden meist mehrere Jahre waren.
Viele Weggefährten Uhtreds, Freunde wie Feinde, haben in diesem Roman einen weiteren Auftritt, manche nur kurz, andere sind als Krieger in Uhtreds Reihen ständig präsent. Da diese hier nur mit wenigen Worten vorgestellt werden, empfiehlt es sich sehr, die Reihe von Beginn an zu lesen und die Einzelbände nicht für sich zu lesen.
Vielen Autoren scheint es schwer zu fallen, bei Ich-Erzählungen auch die Nebencharaktere lebendig werden zu lassen. Damit hat Cornwell jedoch keine Probleme, denn auch wenn einige wie Bischof Asser sehr einseitig beschrieben werden, kann man sie sich doch sehr gut vorstellen, sie sind mehr als nur eine Ansammlung von Namen auf dem Papier. Auch die Antagonisten, die in diesem Roman auftreten, nämlich die Norweger Sigefrid und Erik, werden hier gekonnt dargestellt. Dabei gelingt der Spagat, Gegenspieler Uhtreds nicht einseitig, sondern durchaus auch mit ihren sympathischen Seiten darzustellen.
Der Schreibstil ist, wie man es von Cornwell gewohnt ist, sehr gut verständlich und zudem so bildlich, dass sich bei mir ein sehr gutes Kopfkino einstellt. Die Ortsnamen sind auch dieses Mal an der damaligen Schreibweise orientiert, eine Auflistung zu Beginn des Buches erleichtert die Orientierung. Daneben gibt es noch eine Karte, die die Gegend um London sowie eine schematische Darstellung der Stadt selbst zeigt. Diese sind für das Verständnis der Beschreibungen im Roman sehr hilfreich. Auch ein Nachwort darf natürlich nicht fehlen.

Fazit
Schwertgesang bietet, wie man es von Bernard Cornwell gewohnt ist, eine spannende Handlung eingebettet in ein Stück englische Geschichte. Für Fans der Reihe absolut lesenswert!

Jan Guillou – Aufbruch

AutorJan Guillou
TitelAufbruch
OriginaltitelVägen till Jerusalem
ÜbersetzerHans-Joachim Maass
SerieDer Kreuzritter Band 1
Seitenzahl510
VerlagHeyne
ISBN978-3-453-47096-5
Bewertung

Inhalt
Westliches Götaland, 1150: Während der Weihe des Doms zu Skara hat Frau Sigrid eine Vision: Sie soll ihr Land Varnhem den Mönchen von Lurö stiften, auf dass diese dort ein neues Kloster gründen können.
Ihr Mann Magnus ist von dieser Idee zunächst nicht begeistert, erkennt jedoch bald die Vorteile, die sich seiner Familie dadurch ergeben. So bringen die Mönche, die aus dem fernen Frankenland stammen, neue Technologien mit, die sie Frau Sigrid und ihren Leibeigenen beibringen.
Als einige Jahre später Sigrids Sohn Arn einen schweren Sturz überlebt, weihen seine Eltern ihn der Arbeit Gottes. Und so beginnt seine Erziehung im Kloster Varnhem…

Meine Meinung
Der Roman Aufbruch ist der erste Band einer Trilogie, die sich mit dem fiktiven Tempelritter Arn Magnusson beschäftigt und die auch verfilmt wurde. Dabei ist zu bemerken, dass der Roman zuvor im Piper-Verlag unter dem Titel Die Frauen von Götaland veröffentlicht wurde. Der neue Titel ist da schon deutlich passender gewählt und auch dichter am schwedischen Original, schürt aber Erwartungen, die mit diesem Band noch nicht ganz erfüllt werden können, da die Hauptperson hier noch gar kein Kreuzritter ist.
Im Zentrum des Romans steht der Junge Arn, der im Kloster erzogen wird. Doch Arn wird nicht nur in Bereichen unterwiesen, die man im einem Kloster erwarten würde, sondern bekommt zudem von einem ehemaligen Tempelritter Unterricht in Bogenschießen und Schwertkampf.
Doch nahezu gleichberechtigt neben den Berichten über Arns Erziehung wird über die politischen Konflikte im westlichen und östlichen Götaland sowie dem Land der Svear berichtet, über König Sverker, Erik Jedwardson, Mord und Intrigen. Eigentlich ist dieses Thema sehr spannend, führen diese politischen Ereignisse doch etliche Jahrzehnte später zur Gründung Schwedens, doch leider war es sehr ermüdend, diesen Schilderungen zu folgen.
Dies liegt vor allen Dingen an Jan Guillous Schreibstil. Anstatt den Leser anwesend sein zu lassen, wird über die meisten Ereignisse des Romans rückblickend erzählt, und das in einer recht nüchternen Art und Weise. Es passiert dies, dann jenes, selbst Gespräche werden oft nur über die indirekte Rede vermittelt, doch wirklich nah am Geschehen ist der Leser nur gelegentlich für kurze Zeit. Dadurch wird sehr viel Potenzial verschenkt, denn Spannung kommt so kaum auf, und auch die Personen gehen einem nicht nahe, da zwar erzählt wird, welche Charakterzüge sie haben sollen, man diese aber kaum erfährt.
Deshalb fällt es mir auch recht schwer, Arn selbst zu verstehen, selbst zu einem Zeitpunkt, zu dem er als erwachsen gilt. Naiv ist hier das erste Wort, das mir zu ihm einfällt, denn über die Welt außerhalb des Klosters weiß der junge Mann überhaupt nichts. Er ist völlig selbstlos und versteht nicht, dass andere Menschen zunächst an sich denken, sei es, dass sie ihn bestehlen oder belügen, und auch Gier ist für ihn unverständlich. Und so gerät er unwillentlich in diverse Situationen, die geradezu lächerlich erscheinen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der Zugang zu so viel Lektüre hat, die Menschen nicht versteht, denn selbst in der Bibel gibt es genügend Beispiele über die Abgründe der Menschen.
Neben Arn gibt es eine ganze Reihe weiterer Charaktere. Viele davon sind fiktiv, andere basieren auf realen Personen, doch zu vielen, die tatsächlich existiert haben, weiß man kaum mehr als den Namen, so dass Guillou hier Beziehungen ehrstellen konnte, die es möglicherweise gegeben hat, möglicherweise auch nicht. In der Darstellung dieser Nebenacharaktere macht Guillou keinen Unterschied, denn fiktive wie reale verharren in der schablonenhaften Darstellung, Sigrid ist schlau, ihr Mann Magnus geschickt mit allem, was mit Geld zu tun hat, Bruder Guilbert ist Arns strenger Lehrer im Bereich der Kampfkünste und Pater Henri der nachsichtige, liebende Prior. Wesentlich mehr erfährt man hier über diese Personen kaum. Und selbst die Liebe, die doch eine so wichtige Rolle für Arns weiteren Lebensweg spielt, ist urplötzlich da, dabei haben sich die jungen Leute gerade erst ein paar Sätze zuvor kennen gelernt. Von Romantik oder Anziehung wurde berichtet, aber zu spüren war sie nicht. Zumindest diese Schlüsselszenen hätten hier besser vermittelt werden können.
Dem Buch vorangestellt ist eine Karte des westlichen Götalands, welche allerdings nicht ganz einfach zu deuten ist. Desweiteren existiert eine Auflistung und Beschreibung der wichtigsten Handlungsorte sowie ein Nachwort, in dem der Autor darlegt, wie er auf die Idee zu diesem Roman gekommen ist und wie der Plan für die Folgeromane aussieht. Auf die tatsächlichen historischen Ereignisse wird nur nebenbei eingegangen. Auch eine kurze Bemerkung des Regisseurs des Films zum Inhalt der kompletten Reihe ist im Anhang zu finden.

Fazit
Selten ist es mir so schwer gefallen, ein Buch zu bewerten, denn während es recht interessant war, Arns Erziehung zu verfolgen, waren die politischen Schilderungen doch eher ermüdend. Die Geschichte hat so viel Potenzial, welches jedoch durch die flachen Charaktere und die erzählende Schreibweise verschenkt wird.

James Aitcheson – Die Ritter des Nordens

AutorJames Aitcheson
TitelDie Ritter des Nordens
OriginaltitelThe Splintered Kingdom
ÜbersetzerBernhard Weber
SerieConquest Band 2
Seitenzahl540
VerlagGoldmann
ISBN978-3-442-47975-7
Bewertung

Inhalt
England, 1070: Nachdem der junge Ritter Tancred a Dinant Ruhm in Eoferwic erworben hat, wird er mit einem kleinen Gut an der Grenze zu Wales belehnt. In letzter Zeit mehren sich die Angriffe der Waliser auf seine neue Heimat, so dass sich Tancred immer öfter zur Wehr setzen muss.
Schon bald benachrichtigt ihn sein Lehnsherr, dass sich die Waliser und die Angelsachsen gegen die Normannen verbündet haben und einen Angriff planen, während gleichzeitig die Küsten von den Nordmännern bedroht werden. Und so bleibt Tancred nichts anderes übrig, als erneut in den Kampf zu ziehen…

Meine Meinung
Bei Die Ritter des Nordens handelt es sich um den zweiten Band einer Trilogie um den fiktiven bretonisch-normannischen Ritter Tancred a Dinant. Kernpunkt des Romans sind die Schwierigkeiten, denen sich die Normannen in England in den Jahren nach der Eroberung ausgesetzt sehen, und die Maßnahmen, die dagegen ergriffen werden. Der deutsche Titel erschließt sich mir hier nicht, er scheint völlig willkürlich gewählt zu sein, denn Ritter aus dem Norden gibt es hier nicht. Der Originaltitel The Splintered Kingdom, zu Deutsch in etwa „Das zersplitterte Königreich“, drückt dagegen treffend aus, worum es geht, nämlich um das von von vielen Splittergruppen bedrängte normannische Reich.
Im Verlauf des Romans wird immer wieder auf vergangene Ereignisse Bezug genommen, ohne dass jedoch explizit zusammengefasst wird, was im ersten Band, Der Pakt der Schwerter, geschehen ist. Aus diesem Grund empfiehlt es sich nicht, diesen zweiten Band für sich oder mit einem großen zeitlichen Abstand zum ersten zu lesen, da einem sonst zu viel entgeht.
Zwischen dem Ende des ersten und dem Beginn des zweiten Bandes liegt etwa ein Jahr, über das der Leser nicht allzu viel erfährt, das aber auch nicht allzu ereignisreich gewesen sein dürfte.
Tancred ist inzwischen in Earnford nahe der walisischen Grenze heimisch geworden. Er hat seine eigenen Ritter, zudem lernt er die englische Sprache, um sich mit seinen Untergebenen verständigen zu können. Und er hat eine Geliebte, die sein Kind erwartet. Doch als sein Lehnsherr ihn ruft, muss der Ritter in den Krieg ziehen.
Als Ich-Erzähler lässt Tancred einen daran teilhaben, wie er diese schwierige Zeit erlebt. Das Warten, die strategische Planung, kleinere Konflikte, die sich aufbauschen und gefährliche Ausmaße annehmen, all das erfährt der Leser aus erster Hand.
Dabei ist Tancred doch sehr von sich selbst eingenommen, obwohl er doch nur ein kleiner Ritter ist. Als großer, starker Mann, der geschickt im Kampf ist und gut taktieren kann, hat er sich einen gewissen Ruf erworben, den es immer wieder zu verteidigen gilt.
Und so verwundert es wohl kaum, dass sich der Roman weitestgehend mit Kämpfen beschäftigt. Er beginnt mit einem kleinen Feldzug gegen walisische Räuber und Plünderer, beschreibt hier einen kleinen Kampf unter wenigen Personen, dann einen großen Kriegszug, einen Überfall hier, eine Kriegslist dort.
Ein wenig erscheint Tancred als Übermensch, dass er so viele große und kleine Kämpfe nahezu unverletzt übersteht, jedoch wird schon deutlich, dass es sich nicht um harmlose Scharmützel handelt.
Dennoch gibt es auch zartere Themen. Zwar nimmt die Liebe keine zentrale Rolle ein, dennoch gibt es hier zwei Frauen, denen Tancred Zuneigung entgegenbringt, und das auf eine verständliche Art und Weise, nicht übertrieben stark, aber auch nicht so, als wäre dieser Aspekt der Handlung völlig unwichtig.
Auch die eine oder andere interessante Wendung darf man hier erwarten, die ich so nicht vorhergesehen hätte, die aber der Handlung gut tut.
Während Tancreds Charakter recht gut dargestellt wird, bleiben nahezu alle anderen Figuren blass oder erscheinen schablonenhaft, insbesondere die Freunde und Untergebenen Tancreds sind absolut austauschbar und sind kaum mehr als Namen auf dem Papier. Manche von ihnen werden im Verlauf des Romans etwas genauer beschrieben, was aber kaum hilft, wenn sie schon über mehrere hundert Seiten gesichtslose Kämpfer nicht näher beschriebenen Alters waren. Dies wird durch die Ich-Erzählung begünstigt, da so einzig Tancreds Sicht berücksichtigt wird. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen, was der Geschichte gut getan hätte.
Für eine Ich-Erzählung ist der Schreibstil zudem vergleichsweise nüchtern. Zwar sind die Beschreibungen sehr bildlich, man kann sich die Umgebung oder die Handlungen recht gut vorstellen, diese Erzählperspektive lässt aber auch zu, dass der Erzähler Einfluss auf die Stimmung seiner Geschichte nimmt und die Handlung dadurch emotional einfärbt. Und dies fehlt mir hier doch ein wenig, um wirklich mit Tancred mitfiebern zu können.
Während also die Handlung grundsätzlich viel Spannung aufweist, wird durch die sehr blassen Charaktere viel Potenzial verschenkt.
Um den Leser ein wenig stärker in die Zeit vor knapp tausend Jahren zurückzuführen, hat sich James Aitcheson dazu entschieden, die Ortsnamen in zeitgenössischer Schreibweise zu verwenden. Dazu findet sich auch eine Erklärung im Buch.
Als weiteres Zusatzmaterial gibt es eine Karte Englands sowie ein Nachwort, in dem auf die historischen Ereignisse eingegangen wird.

Fazit
Ein eigentlich spannender zweiter Band einer Trilogie, der sehr auf Kämpfe fokussiert ist, dessen blasse Charaktere aber den Lesespaß deutlich mindern.

Andrea Schacht – Der Lilienring

AutorAndrea Schacht
TitelDer Lilienring
SerieRing-Trilogie Band 3
Seitenzahl476
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36034-5
Bewertung

Inhalt
Köln, 2002: Endlich weiß Anita, wie sie ihren Valerius finden kann. Doch dann werden die Ermittlungen zum Unfalltod ihres Vaters wieder aufgenommen und Anita und Rose geraten in Verdacht, etwas damit zu tun zu haben, so dass Valerius sich zurückzieht. Und so überbrücken die beiden jungen Frauen die Zeit bis zum Ende der Ermittlungen mit der Analyse von alten Tagebüchern aus dem 19. Jahrhundert.
Köln, 1810: Marie-Anna hat die Wahl, ins Gefängnis zu gehen oder für den Sous-Préfet Romain Faucon in Erfahrung zu bringen, wer Schmuckstücke aus dem Bestand des Händlers Valerian Raabe stiehlt, um damit die revolutionären Strömungen zu unterstützen. Und so nimmt die gebildete Frau eine Stelle als Hauslehrerin an. Der Hausherr ist ihr aber ein großes Rätsel…

Meine Meinung
Der Lilienring ist der abschließende Band der Ring-Trilogie von Andrea Schacht. Wie schon die Vorgänger habe ich auch diesen Roman in den letzten gut fünfzehn Jahren mehrfach zur Hand genommen und das Lesen jedes Mal aufs Neue genossen.
Auch hier gibt es wieder eine Geschichte aus der Vergangenheit, die in eine Rahmenhandlung aus der Gegenwart eingebettet ist. Diese Rahmenhandlung schießt auch hier direkt an das Ende des zweiten Bandes an. Es gibt immer wieder mal mehr, mal weniger ausführliche Informationen darüber, was in den vorherigen Bänden passiert ist, dennoch würde ich auch weiterhin empfehlen, diesen dritten Band nur dann zu lesen, wenn man auch die Vorgänger kennt, denn es wird längst nicht alles erklärt. Liest man alle Bücher am Stück, wird man sich vielleicht an den Rückschauen stören, um die Erinnerung nach einer längeren Pause aufzufrischen sind sie jedoch genau richtig.
Im Vergleich zu den Vorgängern ist die Rahmenhandlung deutlich umfangreicher, denn in Anitas und Roses Leben passiert recht viel. Nicht nur wird der Fall um den Unfalltod des Vaters neu aufgerollt, auch in Liebesdingen wird hier geplant, und dieses Mal sind es handfeste Dokumente aus der napoleonischen Zeit, aus denen sich die Geschichte der Vergangenheit zusammensetzt.
Hier geht es um Marie-Anna de Kerjean, eine junge Bretonin niederen Adels, die eine hohe Bildung aufweist, durch die Umstände aber auf eine schiefe Bahn gerät. Als sie in eine Schlägerei verwickelt wird, wird sie gefasst, doch anstatt durch Haft bestraft zu werden, soll sie dem Sous-Préfet bei einem schwierigen Fall helfen.
Während die ersten beiden Ring-Geschichten eher vor sich hin plätschern und kaum echte Spannung aufkommt, geht es hier immerhin um die Aufklärung von Anschlägen, ein für sich genommen spannendes Thema. Und auch wenn sich ein Großteil der Handlung mit dem Alltag Marie-Annas sowie der anderen Frauen im Haushalt beschäftigt, so ist diese Spannung unterschwellig immer vorhanden: Wer hat die Schmuckstücke entwendet und aus welchem Grund, und ist der Dieb auch gleichzeitig derjenige, der die Anschläge in Auftrag gibt?
Die Seelenwanderung oder Wiedergeburt ist weiterhin ein zentrales Thema, wobei jedoch oft nicht ganz klar ist, wie sehr die Beteiligten nun daran glauben oder alles auf Zufall oder Schicksal schieben, doch wird es hier auch in den Passagen aus der Vergangenheit aufgegriffen.
Sprachlich kann auch dieser Roman an die Vorgänger anschließen. In der Gegenwart ist der Schreibstil weiterhin sehr locker, die Charaktere reagieren schlagfertig, auch die wörtliche Rede ist weiterhin sehr dominant vertreten, und manches Mal muss man sich schon sehr konzentrieren, um den Überblick darüber zu behalten, wer nun gerade spricht. Dies trifft weitestgehend auch auf die Vergangenheit zu, allerdings ist hier die wörtliche Rede um einiges steifer, was an den sprachlichen Gepflogenheiten dieser Zeit liegt: Es wird regelmäßig gesiezt, generell herrscht ein sehr formaler Umgangston, zudem finden sehr viele französische Begriffe Verwendung, wie es damals wohl üblich war, den Eindruck der distanzierten Sprache aber noch einmal verschärft.
Wer sich das Personenregister anschaut, kann erkennen, dass es wieder einmal Entsprechungen der Charaktere aus der Vergangenheit zu denen der Gegenwart gibt. Wieder sind die Charaktere nicht direkt übernommen, es gibt Unterschiede in Alter, Aussehen, Beziehungen zueinander, ihre Rolle ist jedoch immer recht ähnlich. Wer die ersten Bände kennt, wird hier Parallelen zu den Handlungen der früheren Zeitebenen beider Romane finden, insbesondere gegen Ende hin, diese zeigen jedoch genügend Unterschiede zu den vorhergegangenen Geschichten auf, um nicht langweilig zu werden.
Wie schon zuvor gibt es leider wenig Zusatzmaterial, einzig ein kurzes Vorwort und ein amüsant verfasstes Personenregister.

Fazit
Ein würdiger Abschluss der Trilogie, der den Kreis schließt. Dabei weist er in beiden Zeitebenen mehr Spannung auf als der Vorgängerband, ist aber in den Abschnitten, die in der Vergangenheit spielen, durch die sprachlichen Gepflogenheiten im 19. Jahrhundert doch deutlich steifer.

Andrea Schacht – Der Bernsteinring

AutorAndrea Schacht
TitelDer Bernsteinring
SerieRing-Trilogie Band 2
Seitenzahl445
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36033-8
Bewertung

Inhalt
Köln, ca. 2002: Nachdem Anahita Kaiser und ihre Halbschwester Rose die Geschichte der Keltin Annik zusammen gesetzt haben, die ihr Vater ihnen episodenhaft erzählt hat, müssen sie erkennen, dass diese sehr viele Parallelen zu ihrem eigenen Leben bereit hält. Und so hält Anita die Augen offen, in der Hoffnung, dem mysteriösen Valerius wieder zu begegnen.
In der Zwischenzeit analysieren die jungen Frauen ein Stundenbuch, das über Umwege in den Besitz ihres Vaters gelangt ist und das ebenfalls irgendwie in Verbindung zu ihnen zu stehen scheint.
Köln, 1486: Anna Dennes ist als Tochter einer Kurtisane ohne große Zukunftsaussichten. Doch durch die Hilfe eines Gönners wird sie in einem Damenstift aufgenommen. Ihre Liebe zu dem älteren Mann bleibt allerdings unerwidert…

Meine Meinung
Als ich vor vielen Jahren auf die Ring-Trilogie von Andrea Schacht gestoßen bin, habe ich mir alle drei Bände sofort gekauft und diesen Kauf nie bereut. Inzwischen habe ich die kurzweilige Reihe mehrfach gelesen und jedes Mal genossen.
Dieser zweite Band schließt mit der Rahmenhandlung der Gegenwart direkt an die des ersten Bandes an. Zwar gibt es eine kurze Zusammenfassung über die Ereignisse aus dem ersten Band, über weitere Details wird man nach und nach informiert, nämlich immer dann, wenn es für die weitere Handlung nötig ist. Dennoch würde ich nicht empfehlen, den zweiten Band zu lesen, ohne den ersten zu kennen, auch wenn die Handlung der Vergangenheit, die den Großteil des Romans ausmacht, in sich abgeschlossen ist, denn dann verpasst man einfach zu viel.
Die Handlung in der Vergangenheit ist dagegen in sich abgeschlossen und beschreibt das Leben einer jungen Frau Ende des 15. Jahrhunderts in Köln. Anna Dennes würde gerne einem Damenstift beitreten, wo sie ein ruhiges Leben führen, zeichnen und lesen kann. Als Tochter einer Kurtisane steht ihr dieser Weg jedoch nicht offen. Doch dann findet sich plötzlich ein reicher Gönner, der eine Geschichte erfindet, die Anna dennoch ein solches Leben ermöglicht.
Die Geschichte verläuft eher gemächlich, tatsächliche Spannung entwickelt sich erst gegen Ende hin. Dennoch weiß der historische Teil des Romans zu fesseln, gibt es doch so manche Wendung, die überraschen kann. Zudem ist es spannend, zu sehen, wie die Charaktere, die denen der Gegenwart wie auch denen aus dem ersten Band entsprechen, hier in die Geschichte eingebunden werden, dabei aber doch immer wieder deutliche Unterschiede in Alter, Verwandtschaftsbeziehung, dem äußeren Erscheinungsbild oder der Herkunft zeigen.
Beschrieben wird ein Zeitraum von rund zwölf Jahren. Dabei wird das Leben in der Stadt Köln sehr anschaulich dargestellt, der Umbruch vom Mittelalter zur Renaissance ist deutlich spürbar, und auch die Entdeckung der Neuen Welt spielt zumindest nebensächlich eine Rolle. Dennoch sollte man nicht erwarten, viel über historische Großereignisse zu erfahren, dafür ist aber der Alltag umso bildlicher beschrieben.
Diese Geschichte aus der Vergangenheit wird immer wieder durch die Rahmenhandlung der Gegenwart unterbrochen, in der berichtet wird, wie sich die jungen Frauen Rose und Anita mit einem geheimnisvollen Stundenbuch beschäftigen, kräftig unterstützt durch Roses Halbschwester Cilly. Daneben versucht Anita, Informationen über den geheimnisvollen Valerius zu erhalten, der kurzzeitig in ihr Leben getreten, dann aber wieder verschwunden ist. Und auch das Leben nach den Operationen, die nach Anitas schrecklichen Unfall nötig sind, will geplant werden…
Die Rahmenhandlung beschreibt einen Zeitraum von einigen Monaten, wobei immer wieder längere Passagen ausgelassen oder nachträglich zusammengefasst werden. Sie ist sehr kurzweilig beschrieben. Aus der Ich-Perspektive wird erzählt, welche Fortschritte Anita in jedem der oben erwähnten Bereiche macht. Dabei ist die junge Frau nicht auf den Mund gefallen, nicht selten haben mich ihre Aussagen zum Schmunzeln gebracht.
Nicht ganz offensichtlich ist, wie die jungen Frauen nur anhand einiger Bilder und Sprüche aus einem Stundenbuch, eines Rings sowie weniger Träume eine Geschichte entwickeln können, die nicht nur ihrer Phantasie entspricht, aber dies ist ein eher kleiner Kritikpunkt.
Gestört hat mich dagegen ein wenig, wie schnell Anita, Rose und Cilly die mystischen Aspekte ihres Lebens akzeptieren. Egal ob Horoskope oder eben die Tatsache, dass sie möglicherweise schon einmal gelebt haben, alles wird sehr schnell als gegeben hingenommen und darauf aufgebaut. Dabei spielt dieser Aspekt eine größere Rolle als noch im ersten Band.
Die Charaktere der Vergangenheit wie auch der Gegenwart sind sehr vielschichtig beschrieben, manche sind sympathischer, andere weniger, die meisten zeigen verschiedene Facetten, so dass hier keine starre Schwarz-Weiß-Malerei festzustellen ist.
Die Liebe spielt in beiden Handlungssträngen eine nicht unwichtige Rolle, ist jedoch nie dominant. Auf Sexszenen wird nicht völlig verzichtet, sie sind jedoch alles andere als explizit.
Sprachlich ist auffällig, dass hier, wie schon beim Vorgänger, in beiden Zeitebenen sehr viel mit wörtlicher Rede gearbeitet wird, manchmal mehrere Seiten am Stück, nur sehr selten unterbrochen durch ergänzende Sätze. Gelegentlich kann man da schon mal den Überblick darüber verlieren, wer nun gerade spricht, abgesehen davon sorgt dies aber für eine hohe Lebendigkeit der Geschichte, so dass man geradezu durch die Seiten fliegen kann.
Die Sprache ist modern gehalten, was in der Gegenwart nicht weiter auffällt, in den historischen Passagen aber eher ungewohnt ist.
Auf Zusatzmaterial muss man weitestgehend verzichten, einzig ein amüsantes Personenregister ist neben einem kurzen Vorwort vorhanden.

Fazit
Auch der zweite Band der Trilogie ist wieder sehr unterhaltsam und durch die lockere Schreibweise sehr gut und flüssig zu lesen, so dass das Lesen an sich einfach Spaß macht. Leider ist die Handlung der früheren Zeitebene doch recht unscheinbar und wenig spannend. Im Rahmen der Trilogie ist dieser Roman auf jeden Fall lesenswert, als Einzelband würde ich ihn nicht empfehlen.