Daniel Wolf – Der Vasall des Königs

AutorDaniel Wolf
TitelDer Vasall des Königs
SerieVarennes-Saint-Jacques Prequel zu Band 3
Seitenzahl95
VerlagGoldmann
ISBN978-3-641-18079-9
Bewertung

Inhalt
Varennes-Saint-Jaques, Lothringen, 1255: Balian ist das schwarze Schaf der Familie Fleury. Weder ist er geduldig genug für die Kunst der Buchmalerei, sehr zum Verdruss seines Vaters, noch hat er genügend mathematisches Geschick, um ein guter Händler wie sein Bruder zu sein. Daran gewohnt, von allen als Versager gesehen zu werden, sehnt er sich danach, endlich einmal erfolgreich zu sein und zu erleben, dass seine Familie stolz auf ihn ist.
Als König Wilhelm von Holland ein Heer zusammenstellt, um damit gegen die aufständischen Friesen zu ziehen, folgen die Städte Lothringens dem Aufruf nicht. Doch sieht Balian hier eine Chance, Ruhm zu erwerben. Heimlich schließt er sich dem Kriegszug an…

Meine Meinung
Der Vasall des Königs ist eine Novelle von knapp 100 Ebook-Seiten, die als Prequel zu Das Gold des Meeres geschrieben wurde und die Wartezeit auf diesen Roman ein wenig überbrückt hat.
Aufgrund des geringen Umfangs kann man hier keine ausschweifende Handlung erwarten. Das, was hier beschrieben wird, ist jedoch stimmig und spannend.
Den historischen Hintergrund bildet der Friesenfeldzug König Wilhelms von Holland. Wer wie ich noch nie davon gehört hat muss sich aber keiner großen Bildungslücke schuldig bekennen, denn es handelt sich um kein sehr bedeutsames Ereignis.
Für Balian Fleury jedoch handelt es sich um eine wichtige Erfahrung.
Balian ist zweiundzwanzig Jahre alt, hat aber seinen Platz in der Welt noch nicht gefunden. Von seiner Familie wird er in die Position des Händlergehilfen gedrängt, eine Arbeit, die Balian überhaupt nicht liegt, denn mit Zahlen tut er sich schwer. Sprachen dagegen erlernt er im Handumdrehen, und an den Waffen übt er sich regelmäßig, selbst wenn sein Bruder dies nicht gerne sieht.
Während seines Abenteuers trifft er auf diverse Personen, die ihn prägen, und er erlebt Dinge, die er vorher nicht erwartet hätte.
Der Schreibstil ist angenehm, nicht kompliziert, man kann der Handlung leicht folgen. Die Spannung wird dadurch hoch gehalten, dass man zu Beginn wie auch im späteren Verlauf immer wieder mitten in die Geschichte geworfen wird, während längere Handlungspausen übersprungen werden, wodurch sich die Handlung auf ein gutes halbes Jahr streckt. Dennoch wird man nicht im Unklaren darüber gelassen, wie die aktuelle Situation ist, auch Hintergrundinformationen lässt der Autor so einfließen, dass sie nicht aufgesetzt wirken.
An Zusatzmaterial ist dem Ebook einzig eine Leseprobe für den Folgeroman, Das Gold des Meeres, beigefügt, dabei wäre es sicher nicht verkehrt, wenn auch hier eine Karte enthalten wäre.

Fazit
Dieser Kurzroman ist sicher kein Muss, man kann den Roman Das Gold des Meeres auch lesen, ohne diese Kurzgeschichte zu kennen. Jedoch denke ich, dass es einfach eine nette Zusatzgeschichte ist, die Balian als Hauptfigur des Folgeromans sehr gut charakterisiert, weshalb ich die Lektüre dieser interessanten Zusatzepisode empfehlen würde. Ob diese jedoch 1,99€ wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Rebecca Gablé – Teufelskrone

AutorRebecca Gablé
TitelTeufelskrone
SerieWaringham Prequel
Seitenzahl928
VerlagLübbe
ISBN978-3-785-72660-0
Bewertung

Inhalt
England, 1193: König Richard ist in Gefangenschaft geraten! Diese Nachricht muss der Königinmutter so schnell wie möglich überbracht werden, und so reitet Yvain of Waringham, Bruder eines Ritters aus Richards Gefolge, nach Winchester, wo er zudem noch mit dem Meister der Templer reden soll, um seine Aufnahme in den Orden zu erbitten.
Nach der Erfüllung seiner Aufträge trifft der Vierzehnjährige jedoch auf Richards Bruder John, den Mann, der auf gar keinen Fall zu früh von Richards Gefangennahme erfahren darf. Während Yvain noch geschickt Johns Fallen umschifft, kann er nicht ahnen, wie sehr dieses Zusammentreffen sein Leben beeinflussen soll…

Meine Meinung
Auf diesen Roman über König John habe ich mich schon im Vorfeld sehr gefreut, denn Romane über diese Zeit lese ich mit am liebsten. Nun war ich gespannt, wie eine meiner Lieblingsautorinnen die Zeit und insbesondere diesen nicht gerade beliebten König beschreiben würde.
In vielen anderen Romanen und auch in Rebecca Gablés Sachbuch Von Ratlosen und Löwenherzen wird kaum ein gutes Haar an John gelassen, und so war ich überrascht, dass hier doch ein paar positive Seiten von John aufgezeigt werden – die er auch besessen haben muss, denn sonst hätte wohl kaum jemand treu zu ihm stehen können.
Die Hauptperson ist jedoch Yvain of Waringham, zu Beginn knapp fünfzehn Jahre alt und Knappe, zunächst im Haushalt seines Vaters, später dann in Johns Diensten. Wer schon den einen oder anderen Waringham-Roman gelesen hat, erkennt vielleicht etliche Wesenszüge wieder, die auch spätere Generationen in sich tragen. So ist Yvain ziemlich direkt und nimmt kein Blatt vor den Mund, was ihn schon mal in Schwierigkeiten bringt. Er hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn – in Johns Haushalt auch nicht unbedingt gesund – und steht treu zu seinen Freunden. Auch die Pferdeliebe nimmt hier einen wichtigen Punkt ein, denn auch wenn es die Zucht auf Waringham noch nicht gibt, so besitzt Yvain doch die Gabe, die in späteren Generationen gelegentlich auftritt.
Andere wichtige Personen in diesem Roman sind Guillaumes Frau Amabel, in die Yvain seit Jahren verliebt ist, und etliche Knappen aus Johns Haushalt, allen voran William de Braose.
Die meisten wichtigen Charaktere, fiktive wie historische, sind vielschichtig beschrieben. Sie haben positive wie negative Seiten, so dass sie menschlich erscheinen. Einzig zwei Personen stechen für mich da heraus, nämlich Yvain selbst, der der typische, überaus sympathische Gablé-Held ist, sowie Pentecôte FitzHugh, ein anderer Knappe aus Johns Haushalt, der Yvain nicht leiden kann und ihm immer wieder Steine in den Weg legt. Mich hat dies jetzt nicht gestört, jedoch kann ich mir vorstellen, dass dies nicht jedem gefallen mag.
Dieser Roman umfasst rund 23 Jahre, in denen wir den fiktiven Yvain of Waringham an Johns Seite erleben, während sein Bruder Guillaume in König Richards Diensten steht. Es gibt viele spannende Ereignisse, die meisten davon historisch belegt, die einen selbst dann mitfiebern lassen, wenn man schon mehrfach darüber gelesen hat und sie eigentlich nicht mehr überraschen oder schockieren können sollten. Daneben erfahren wir aber auch ein wenig über das Leben in der kleinen Baronie Waringham, was Fans der Reihe besonders freuen dürfte. Man erfährt, warum die Waringhams keinen weiteren Familiennamen haben – was mich in Das Lächeln der Fortuna doch sehr gewundert hat – und bekommt eine Ahnung, wie eine weitere Gabe, nämlich die Kraft der Vorsehung, in die Familie gekommen ist.
Bei einem so langen Handlungszeitraum lassen sich größere Zeitsprünge nicht vermeiden, manchmal von mehreren Wochen und Monaten, gelegentlich aber auch von einigen Jahren.
Auch wenn kriegerische Handlungen im Roman beschrieben werden, so wird doch auf die Ausschmückung grausamer Details verzichtet.
Der Schreibstil ist eher schlicht gehalten, dabei jedoch so temporeich, dass ich auch in diesem Roman nur so durch die Seiten geflogen bin und das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Da es sich um ein Prequel der Waringham-Reihe handelt und etliche Generationen vor Das Lächeln der Fortuna spielt, steht er mehr oder weniger für sich alleine und es ist nicht nötig, einen anderen Roman der Reihe oder überhaupt von der Autorin zu kennen, es nimmt aber auch keine Spannung, sollte man bereits mit den älteren Romanen vertraut sein.
Ein Nachwort über Fakt und Fiktion rundet den Roman perfekt ab, daneben gibt es noch ein Register der wichtigsten Charaktere. In der Hardcover-Ausgabe sind zudem farbige Karten auf den Innenseiten des Covers zu finden.

Fazit
Ja, ich liebe die Romane von Rebecca Gablé! Und das wird sich wohl auch nicht ändern. Da die Autorin ihrem Stil hier treu bleibt, kann ich diesen Roman all denjenigen empfehlen, die schon andere Bücher von ihr mochten, wer jedoch mit ihren Geschichten wenig anzufangen weiß, wird wohl seine Meinung durch diesen Roman kaum ändern.

Sabine Wassermann – Die Teufelsmalerin

AutorSabine Wassermann
TitelDie Teufelsmalerin
Seitenzahl331
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-24491-9
Bewertung

Inhalt
Mainz, 1631: Als ein Apotheker einen Tonklumpen für einen Dämon hält und deshalb die Malerin Henrietta Güntelein als Hexe anzeigt, glaubt sie sich verloren. Doch einige Wochen später erreichen die Schweden Mainz, im Tross den Maler Thomas Hartenberg. Als Sachverständiger hinzugezogen kann er den „Dämon“ benennen und Henrietta so entlasten, doch wird ihr das Malen bei Strafe verboten.
Zu allem Überfluss wird eine Rotte Soldaten bei ihr und ihrem schwer kranken Vater einquartiert. Und da ist auch noch ein Heiligenbild, das sie unbedingt fertig stellen muss…

Meine Meinung
Als ich diesen Roman vor etlichen Jahren das erste Mal gelesen habe, war mir die leider inzwischen verstorbene Autorin Sabine Wassermann noch völlig unbekannt. Doch hat mich dieser Roman genügend gefesselt, um in den folgenden Jahren noch weitere Bücher von ihr zu lesen.
Der Roman spielt im Mainz des Dreißigjährigen Krieges, direkt zu Beginn der Besetzung durch schwedische Truppen. Durch die Pest, die sieben Jahre zuvor gewütet hat, und durch den Krieg, der Geschäfte zum Stillstand gebracht hat, sind viele Menschen abgestumpft, nehmen Dinge als gegeben hin, während andere hier das Wirken von Dämonen und Hexen sehen wollen. Dieser Hintergrund, insbesondere die teils stoische Akzeptanz von Gräueltaten, wird authentisch beschrieben, ohne, dass hier jedoch zu sehr ins Detail gegangen wird, da der Leser über die meisten der besagten Grausamkeiten nur aus zweiter Hand informiert wird oder diese in einem Nebensatz erwähnt werden. Die Atmosphäre ist bedrückend und unglaublich dicht.
In dieser trostlosen Umgebung setzt die Autorin ihre Geschichte an. Diese umfasst, lässt man den Prolog außen vor, gerade einmal zehn Wochen und beschreibt den Kampf einer Malerin um ihre Identität, welcher plötzlich durch sich entwickelnde Gefühle eine andere Wendung nimmt.
Diese Liebesgeschichte ist an keiner Stelle kitschig beschrieben, auch dominiert sie den Roman nicht, sondern ist stimmig eingebunden, beinahe beiläufig beschrieben.
Die Anklage der Hexerei zu Beginn des Romans dient überwiegend als Aufhänger und ist nicht eigentlich Inhalt des Romans, auch wenn die Gefahr einer erneuten Anklage immer wieder im Raum steht. Wer also einen Roman über Hexenprozesse sucht, ist hier falsch bedient.
Nicht nur die Handlung ist eher kompakt gehalten, auch die Anzahl der handelnden Personen ist nicht sehr groß, so dass auf den gerade einmal 331 Seiten genügend Raum bleibt, um sie ausreichend zu charakterisieren. Selbst Nebenfiguren sind gut herausgearbeitet, selbst wenn sie nur mit wenigen Worten skizziert werden. Auch wenn die Sympathien wohl schnell eindeutig verteilt sein sollten, so wird auf platte Klischees verzichtet, auch ist bei einigen Charakteren eine deutliche Entwicklung zu erkennen.
So ist die Protagonistin Henrietta Güntelein sicher kein Unschuldslamm. Mit 23 Jahren ist sie eine alte Jungfer, die sich damit abgefunden hat, keinen Ehemann zu finden. Sie ist nicht gerade zugänglich, hat in der Stadt mehr Feinde als Freunde, doch sie liebt ihren an Syphilis erkrankten Vater und verhindert, dass er ins Siechenhaus abgeschoben wird. Die Kunst ist ihr Leben, alles dreht sich um sie, doch wie kann sie Künstlerin sein, wenn sie weder malen noch zeichnen darf?
In diesen inneren Zwiespalt tritt nun Thomas Hartenberg, der sie als Gehilfin anstellt und ihr so ein geringes Einkommen verschafft. Thomas hat seine Heimat verloren, hat aber das große Glück, dass er im schwedischen Statthalter Sparre einen Förderer gefunden hat. Auch wenn er seine aktuelle Lage als gegeben hinnimmt und weiß, dass er gegen viele Untaten nichts ausrichten kann, so versucht er, zumindest unnötige Grausamkeit zu verhindern.
Sven Persson ist der Anführer der Rotte Schweden, die in Henriettas Haus einquartiert wird. Man kann ihn nicht gerade als liebevoll bezeichnen, er quält Henrietta aber auch nicht. Vielmehr scheint es, als sei er durch den Krieg so weit abgestumpft, dass er manche Dinge als völlig normal sieht, die Besatzer den Bewohner antun, und sieht Gewalt als Mittel zum Zweck, nicht aber als Selbstzweck an. Im Vergleich zu seinem Bruder Ole, der bekannt dafür ist, Frauen zu bedrängen und gerne einen über den Durst zu trinken, ist Sven noch sehr gemäßigt.
Ob es nun die Magd Priska ist, die einarmige Trosshure Jette, der stumme Junge Jörg, man erfährt genügend, um zu erfahren, wieso sie handeln wie beschrieben.
Der Schreibstil ist dem Hintergrund angemessen eher nüchtern gehalten, man findet keine romantische Verklärung der Situation vor, vielmehr wird diese mit knappen Worten treffend beschrieben, so dass die Geschichte ohne Längen erzählt wird. Einzig über Details der Malerei verliert Sabine Wassermann ein paar mehr Worte, was für mich in diesem Zusammenhang völlig in Ordnung ist.
Leider weist der Roman keinerlei Zusatzausstattung auf, über eine Karte der Stadt Mainz oder ein Nachwort zum historischen Kontext hätte ich mich schon gefreut.

Fazit
Ein unglaublich dichter Roman über das Leben und die Liebe zu Kriegszeiten, der keinesfalls kitschig, aber auch nicht übertrieben grausam geschrieben ist.

Bernard Cornwell – Die Herren des Nordens

AutorBernard Cornwell
TitelDie Herren des Nordens
OriginaltitelThe Lords of the North
ÜbersetzerKarolina Fell
SerieSaxon Chronicles Band 3
Seitenzahl476
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-24538-1
Bewertung

Achtung: Rezension enthält Spoiler zu den ersten Bänden der Reihe!

Inhalt
Wessex, Sommer 878: Nur wenige Wochen zuvor hat Uhtred viel geopfert, um Alfreds Königreich zu retten, doch sein Lohn ist ein winziges Stück Land. Und so entschließt sich der enttäuschte Krieger, Wessex und König Alfred den Rücken zu kehren und sein Glück in seiner Heimat Northumbrien zu suchen, um endlich Rache am Tod seines Ziehvaters zu nehmen. Doch schon der Weg dorthin gestaltet sich abenteuerlich, denn nach Alfreds Sieg werden Dänen in dessen gesamtem Königreich gnadenlos verfolgt.
Uhtreds Schicksal ändert sich schlagartig, als er auf Guthred trifft, einen dänischen Sklaven, der behauptet, König von Northumbrien zu sein…

Meine Meinung
Schon die ersten beiden Bände um den Krieger Uhtred, der von Dänen aufgezogen wurde und sein Erbe an seinen Onkel verloren hat, haben mich fesseln können. Dieser dritte Band jedoch hat mich beim Lesen nicht mehr losgelassen.
Basierten die ersten beiden Bände der Reihe noch weitestgehend auf tatsächlichen historischen Ereignissen, so ist über Northumbrien zu dieser Zeit so wenig bekannt, dass Cornwell seiner Fantasie hier freien Lauf lassen konnte. Und dennoch fühlt sich die Geschichte für mich so an, als hätte sie so passieren können – immer aus dem sehr subjektiven Blickwinkel eines Kriegers beschrieben, der aus seinen Vorlieben und Abneigungen keinen Hehl macht.
Der Auftakt der Handlung entspricht völlig dem Bild, das man von Uhtred in den vorherigen Bänden gewinnen konnte: Er fühlt sich ungerecht behandelt, was zumindest zum Teil auch seine Schuld ist, und so kehrt er seinem bisherigen Dienstherr den Rücken und sucht eine neue Herausforderung, die er auf seine Art besteht.
Im Zentrum dieser Herausforderung steht Guthred, dem Uhtred auf einem Sklavenmarkt begegnet und der schwört, König zu sein, ein König für Northumbrier und Dänen, Christen und Heiden gleichermaßen. Fasziniert von diesem recht naiven jungen Mann, der stets frohen Mutes ist und den selten etwas aus der Ruhe bringen kann, begleitet Uhtred ihn nach Eoferwic und tritt in seine Dienste ein, was insbesondere von den Christen an Guthreds Hof skeptisch betrachtet wird. Und dann ist da auch noch Guthreds Schwester Gisela…
Zu Uhtreds Charakter muss hier wohl nicht mehr viel gesagt werden. Als Ich-Erzähler wird er durch seine Taten charakterisiert, und das nicht unbedingt immer positiv. Er lügt und betrügt, und auch Mord ist nicht unter seiner Würde. Und trotzdem ist für ihn Ehre ein sehr wichtiges Konzept, das er achtet und respektiert, an einer zentralen Stelle wird dadurch sogar sein Leben bestimmt. Guthred dagegen wird durch Uhtreds Augen beschrieben, und dieser sieht nicht nur seine positiven Seiten. Dennoch ist schnell klar, dass der junge König ein sehr unsicherer Mann ist, der es allen Parteien recht machen will, weil er geliebt werden will. Dabei kommt er nicht umhin, auch den einen oder anderen Fehler zu machen, was er gelegentlich zu spät einsieht. Er ist liebenswert, sympathisch, ein Gegenpol zu Uhtred, den ich so manches Mal hätte schütteln können.
Die Handlung ist durchgängig spannend erzählt, auch wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt immer mal wieder Monate auf wenigen Seiten zusammengefasst werden. Es gibt hier nicht den einen großen Handlungsbogen, sondern mehrere kleine, die aber zusammengenommen eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Auch wenn diese für sich stehen könnte, würde ich nicht empfehlen, mit diesem Band in die Reihe einzusteigen, sondern von vorn zu beginnen.
Es gibt den einen oder anderen Kampf, kleinere und größere Scharmützel, und mitten drin immer Uhtreds taktischer Verstand. Wer die vorherigen Bände kennt, wird sich nicht wundern, dass es auch hier immer wieder mal blutig wird und Cornwell dies sehr detailverliebt beschreibt.
An Zusatzmaterial findet sich hier wie schon in den vorherigen Bänden eine Liste zu alten und aktuellen Ortsnamen, eine Karte Englands sowie ein Nachwort, in dem der Autor auf Fakt und Fiktion eingeht.

Fazit
Auch der dritte Band über Uhtred konnte mich restlos begeistern, denn selbst wenn die Handlung dieses Mal weitestgehend fiktiv ist, so ist sie doch spannend und glaubwürdig beschrieben.

Andrea Schacht – Der Siegelring

AutorAndrea Schacht
TitelDer Siegelring
SerieRing-Trilogie Band 1
Seitenzahl447
VerlagBlanvalet
ISBN978-3442359905
Bewertung

Inhalt
Köln, Gegenwart: Nach dem Unfalltod ihres Vaters erfährt Anahita Kaiser, genannt Anita, dass sie eine Halbschwester in ihrem Alter hat. Schnell freunden sich die beiden Frauen an. Im Gespräch erfahren sie, dass ihr Vater ihnen in ihrer Kindheit Geschichten erzählt hat, die zusammengesetzt eine Geschichte aus der Römerzeit ergeben.
Colonia Claudia Ara Agrippinensium, 1. Jahrhundert nach Christus: Die gallische Töpferin Annik, die ihre gesamte Familie bei einem Unwetter verloren hat, findet eine Anstellung in der Nähe der Colonia im Haus des Stadtrats Gaius Valerius Corvus, in dessen Frau Ulpia Rosina sie eine gute Freundin findet. Doch die Germanen sind unruhig, ein Aufstand scheint bevorzustehen…

Meine Meinung
Als mir dieser Auftakt einer Trilogie vor etlichen Jahren in die Hände gefallen ist, war mir Andrea Schacht bereits als Autorin kurzweiliger zeitgenössischer Romane mit Fantasyanteil bekannt. Das vorliegende Buch ist einer ihrer ersten Ausflüge in den Bereich der historischen Romane, doch auch hier ist ein mystischer Aspekt enthalten, nämlich die Seelenwanderung oder Wiedergeburt. Man muss nicht daran glauben, um diese Romanreihe genießen zu können, wer aber gar nichts mit dem Thema anfangen kann, sollte sie besser meiden.
Die Rahmenhandlung um Anita und Rose zieht sich über alle drei Bände der Reihe und wird aus der Ich-Perspektive beschrieben. Man erfährt, wie Anita den Alltag neu zu meistern lernt, mit ihren Verletzungen zu kämpfen hat, und wie sie und ihre Halbschwester mehr und mehr in die Geschichte hineingesogen werden.
Mit jedem Band der Trilogie wird jedoch eine andere Geschichte aus der Vergangenheit zusammengetragen, hier ist es eine aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Die Handlung aus der Römerzeit macht einen Großteil des Romans aus, wird jedoch immer wieder durch Szenen aus der Gegenwart unterbrochen.
Den historischen Hintergrund bilden die Konflikte zwischen gallischen und germanischen Stämmen auf der einen und den Römern auf der anderen Seite, und auch einen kleinen Einblick in die politische Lage kann der Leser erhaschen, da der Statthalter Trajan als Kandidat als nächster Kaiser gehandelt wird. Der Schwerpunkt liegt jedoch eher auf alltäglichen Dingen, die zwar nicht sehr ausführlich, aber dennoch erstaunlich bildlich beschrieben werden.
Die Geschichte die hier Stück für Stück zusammengetragen wird, ist eher gemächlicher Art, man kann auch sagen, dass sie so vor sich hin plätschert. Liebesszenen werden nur umschrieben, Spannung ist eher mäßig vorhanden, auch große Überraschungen gibt es wenige. Dazu kommt, dass hier in den Dialogen sehr viel mit Umgangssprache gearbeitet wird, was für einen historischen Roman doch sehr ungewöhnlich ist. Insbesondere Valeria Gratia, ein Mädchen im Teenageralter, spricht und benimmt sich eher so, wie es heutige Teenager tun würden. Und dennoch habe ich dieses Buch recht gerne gelesen, fliegt man durch diese unkomplizierte Erzählweise doch geradezu durch die Seiten.
Auch wenn die meisten Charaktere aus der Gegenwart Entsprechungen in der Vergangenheit haben, handelt es sich nicht um vollständige Spiegelbilder, es gibt genügend Unterschiede in Alter, Verwandtschaftsgrad und Charakter, so dass es schon interessant war, die genauen Verbindungen ausfindig zu machen. Und so sind manche Charaktere, die man meint, zugeordnet zu haben, doch für eine Überraschung gut.
In der Antike beispielsweise ist Annik die verständnisvolle Gallierin vom Ende der Welt, während Ulpia Rosina Äußerlichkeiten zu schätzen weiß und sich von Hässlichem abgestoßen fühlt, in der Gegenwart dagegen ist solch ein negativer Charakterzug bei Rose nicht zu erkennen, Anita jedoch scheint Annik sehr gut zu entsprechen.
Nicht ganz nachvollziehen kann ich, wie schnell sich Anita und Rose angefreundet haben, nachdem sie sich gerade das erste Mal begegnet sind. Aber anders hätte sich die Handlung der Vergangenheit nicht so schnell entwickeln können.
Auch so schon wird recht viel Zeit auf ehe wenigen Seiten abgehandelt. Nicht nur in der Vergangenheit vergehen viele Wochen, ohne dass darüber berichtet wird, auch in der Gegenwart werden immer wieder Wochen übersprungen.
Der Schreibstil ist, wie schon erwähnt, recht locker und sehr leicht zu lesen. In kürzester Zeit habe ich diesen Roman nun zum wiederholten Male gelesen, ich habe kaum bemerkt, wie schnell ich durch die Seiten geflogen bin. Auffällig ist jedoch die häufige Verwendung von wörtlicher Rede, nicht nur über kurze Absätze, sondern teilweise über recht viele Zeilen, die eher spärlich mit Hinweisen darüber bestückt sind, wer gerade redet. In der Regel ist dies offensichtlich, manchmal musste ich aber schon etliche Zeilen wiederholt lesen, weil etwas für mich nicht schlüssig war, bis ich dies wieder sortiert hatte.
Der Lesespaß wird leider etwas durch kleinere Fehler getrübt, wenn beispielsweise mal Anitas rechter, dann wieder der linke Arm verbrannt ist. Das hätte im Lektorat auffallen können.
Zusatzmaterial ist eher spärlich vorhanden, neben einem recht amüsant geschriebenen Personenregister gibt es nur ein winziges Vorwort.

Fazit
Ein netter Roman mit mystischen Bezügen, der keine allzu große Konzentration fordert. Schnelle unterhaltsame Lektüre für zwischendurch, nicht allzu tiefgründig, aber das soll wohl so sein. Zum Abschalten genau das Richtige.