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Peter Prange – Ich, Maximilian, Kaiser der Welt

AutorPeter Prange
TitelIch, Maximilian, Kaiser der Welt
Seitenzahl677
VerlagFischer
ISBN978-3-596-19819-1
Bewertung

Inhalt
Wien, 1473: Der vierzehnjährige Maximilian von Habsburg brennt vor Liebe zu der zwei Jahre älteren Rosina von Kraig, doch sein Vater, der Kaiser, hat andere Pläne mit ihm: Er soll zum Wohle des Heiligen Römischen Reiches Marie von Burgund heiraten, eine der begehrtesten Erbinnen Europas, die ein Vermögen mit in die Ehe bringen würde, noch dazu soll sie wunderschön sein.
Marie steht Heiratsplänen ebenfalls sehr skeptisch gegenüber, befürchtet sie doch, nach der Eheschließung in ihrer Freiheit stark eingeschränkt zu sein. Sie wünscht sich einen gebildeten Mann, mit dem sie disputieren, Büchern genießen und auch gemeinsam ausreiten kann. Wird Maximilian dieser Mann sein?

Meine Meinung
Während ich mich mit der englischen Geschichte des ausgehenden Mittelalters recht gut auskenne, kann man dies nicht von der Geschichte Deutschlands sagen. Diese Wissenslücke wollte ich mit diesem Roman ein wenig schließen.
Den Titel des Buches finde ich dabei ein wenig irreführend, denn der Roman beschreibt Maximilians Weg bis zur Kaiserkrönung, aber nicht darüber hinaus, über sein Wirken als Kaiser selbst erfährt man also gar nichts. Doch auch die jungen Jahre Maximilians bieten genügend Material für einen Roman, hat er doch in dieser Zeit recht viel erlebt und sich selbst weiter entwickelt.
Maximilian von Habsburg ist der Sohn des Kaisers und selten mit dessen Entscheidungen einverstanden. Er wird von seinem Vater nicht respektiert und oft sogar erniedrigt, was Max sehr stark prägt, will er doch auf keinen Fall so werden wie sein Vater, der als Bettelkaiser verlacht wird.
Rosina von Kraig ist schon seit ihrer Jugend die Geliebte Maximilians. Obwohl sie keine standesgemäße Partie ist, will Max sie unbedingt heiraten. Sie ist heißblütig und ist eine der wenigen, die es wagt, dem jungen Habsburger schon mal den Kopf zu waschen.
Eine weitere sehr wichtige Person ist Kunz von der Rosen, Zwerg und Hofnarr zu Burgund, ein Vertrauter von Max, oft als Botschafter, gelegentlich auch als Spion oder Verschwörer tätig, mit dem Ziel, aus seinem Leben etwas zu machen.
Leider hatte ich mit der Darstellung vieler Personen meine Schwierigkeiten. Nicht nur die Darstellung von Charles, dem französischen Dauphin, als dümmliches Kind mit Wasserkopf und Buckel fand ich sehr übertrieben, auch die intriganten Pläne von Philippe de Commynes sind doch sehr darauf angelegt, ihn zum Bösewicht zu machen. Richtig ärgerlich finde ich aber, wie Peter Prange den Hofnarren Kunz von der Rosen dargestellt hat. Dieser intrigiert hier immer wieder gegen Max, und das nicht unbedingt heimlich, doch wird seine Einmischung nie bekannt. Nie wird erwähnt, was Kunz Schlimmes getan hat, stattdessen wird er immer weiter mit wichtigen Aufgaben betraut und für seine Dienste belohnt. Er gerät nicht ein einziges Mal in Verdacht, sein Name wird nie mit Missetaten in Verbindung gebracht, obwohl Menschen aus Maximilians direktem Umfeld Zeuge seiner Beteiligung sind. Das ist sehr schade, denn durch diese sehr flachen und wohl zum Teil auch historisch falschen Darstellungen der doch so wichtigen Personen verliert der Roman einen Großteil seiner Glaubwürdigkeit.
Ebenfalls als abwegig empfinde ich die Wendung, die Rosina von Kraig betrifft – dies hätte ich eher in einem Roman im Stil von Iny Lorentz erwartet.
Inhaltlich geht es hier sehr politisch zu. Es geht immer wieder um Krieg oder Kriegserklärungen, mal mit Frankreich, mal mit den Türken, dann gibt es erfüllte Verträge hier, gebrochene Versprechen dort, die Ständevertreter Burgunds spielen ebenso eine Rolle wie die Fürsten des Heiligen Römischen Reiches, und immer wieder ist Geld ein Thema. Nun lese ich gerne Romane, die politische Entscheidungen auch schon mal stärker gewichten und sie nicht nur am Rande erwähnen – dies wäre bei diesem Thema wohl auch kaum möglich gewesen -, jedoch habe auch ich hier gelegentlich den Überblick verloren. Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen, dass dies für den einen oder anderen Leser zu viel sein wird.
Ein weiterer Schwerpunkt des Romans, insbesondere in der ersten Hälfte, ist die Liebe. Erst zu Rosina, später zu Marie. Die Beschreibung dessen, wie Max zu den beiden Frauen steht, um sie wirbt, ihnen seine Liebe beteuert und sich der einen Frau annähert, der anderen entfremdet und anders herum, ist so ausführlich, dass andere Ereignisse dadurch in den Schatten gestellt werden.
Neben einem sehr kurz gehaltenen Nachwort zur Historie, einer Karte, einem Stammbaum und einem Personenregister gibt es noch eine mehrere Seiten umfassende Zeittafel, die zwar nur gesicherte Ereignisse auflistet, aber die wesentliche Handlung des Romans noch einmal zusammenfasst.

Fazit
Ein kleiner Einblick in das Leben des letzten Ritters, der mich aber weitestgehend enttäuscht zurückgelassen hat.

Elizabeth Chadwick – Die Rose von Windsor

AutorElizabeth Chadwick
TitelDie Rose von Windsor
OriginaltitelThe Time of Singing
ÜbersetzerNina Bader
SerieBigod Band 1
Seitenzahl573
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-37707-7
Bewertung

Inhalt
Franglingham Castle, England, 1173: Roger Bigod ist der erstgeborene Sohn des Earl of Norfolk. Doch dieser erkennt die Leistungen seines Sohnes nicht an, demütigt ihn immer wieder. Als Roger den Auftrag erhält, eine Abtei zu plündern, um den Kampf des jungen Königs zu unterstützen, widersetzt er sich dem Befehl und läuft zur Partei Henrys II. über. Als sein Vater allerdings wenige Jahre später besiegt und gedemütigt stirbt, beginnt ein langwieriger Streit ums Erbe.
1176: Ida de Tosney ist ein Mündel der Krone. Als sie Henry das erste Mal begegnet, ist dieser von ihrer Unschuld fasziniert und macht sie zu seiner Mätresse und Mutter seines Bastardsohnes. Doch Ida schämt sich ihrer Position und wünscht sich eine richtige Familie…

Meine Meinung
In Die Rose von Windsor erzählt Elizabeth Chadwick einen Teil der Lebensgeschichte von Roger Bigod und Ida de Tosney, Zeitgenossen und Freunden von William Marshal.
Während William Marshal allerdings als größter aller Ritter in die Geschichte einging, ist Roger Bigod eher eine Randfigur. Er ist immer mal wieder dabei, wenn Geschichte geschrieben wird, aber selten als Entscheidungsträger. Das wird umso deutlicher, als sein Freund gelegentlich durchs Bild läuft und Roger die Show stiehlt, weil er die wichtigere Position inne hat oder etwas miterlebt, von dem Roger nur nachträglich erfährt. Da politisch gesehen ähnliche Themen angesprochen werden, lernt man auch hier wenig Neues, wenn man die Marshal-Bände bereits kennt.
Die Romanhandlung beschreibt weitestgehend Rogers Bemühungen, sein Erbe zu erhalten, und die emotionalen Folgen, die Ida durch ihre frühere Beziehung zu Henry zu tragen hat. Große Spannung sollte man hier nicht erwarten, und auch große Höhepunkte gibt es eher wenige. Zudem spielt sich ein nicht geringer Teil der Geschichte im häuslichen Bereich ab, die Anspannungen, die durch Idas Vorleben entstehen, ziehen sich durch weite Teile des Romans, und die Liebesgeschichte ist schon sehr dominant.
Trotzdem ist es nicht uninteressant, die Ereignisse mal von einer anderen Perspektive zu sehen und eben ganz andere bedeutsame Persönlichkeiten dieser Zeit kennenzulernen. Allerdings würde ich empfehlen, diesen Roman nicht direkt im Anschluss an die Marshal-Bücher zu lesen. Auch sollte man sich wirklich für diese Zeit interessieren, Vorkenntnisse schaden nicht, da es insbesondere im späteren Verlauf des Romans große zeitliche Sprünge gibt und viele Ereignisse nur am Rande angesprochen werden.
Die Charaktere sind, wie von Chadwick gewohnt, liebevoll ausgearbeitet. Ida ist eine sehr starke Frau, die es schafft, sich aus dem Einfluss des Königs zu lösen. Einzig in Bezug auf ihren Erstgeborenen sowie ihre frühere Stellung bei Hofe reagiert sie sehr emotional, was man ihr nicht verdenken mag. Roger ist dagegen der starke Stratege, dem es schwer fällt, Gefühle zu zeigen. Er ist juristisch bewandert, verfügt aber auch über kämpferische Fähigkeiten. Leider sehen wir beide Seiten kaum in Aktion, sondern meist nur erwähnt oder in kurzen Beschreibungen. Auch andere Charaktere sind sehr lebendig beschrieben. Nur Huon, Rogers Halbbruder, kam mir ein wenig zu einseitig vor, aber damit kann ich gut leben.
Seit diesem Roman stammen die Übersetzungen der Romane von Elizabeth Chadwick von Nina Bader. Dies hat zur Folge, dass endlich die Königsnamen nicht mehr ins Deutsche übertragen werden, einer meiner größten Kritikpunkte an bisherige Romane der Autorin. Auch sonst habe ich an der Übersetzung, die die einfache und klare Sprache Chadwicks gut ins Deutsche transportiert, nichts auszusetzen.
Viel Zusatzmaterial darf man mal wieder nicht erwarten, einzig ein Nachwort ist enthalten, in dem insbesondere auf die Quellenlage eingegangen wird. Eine Karte, um die Position der einzelnen Erbgüter, um die Roger mit seinen Halbbrüdern streitet, wäre allerdings schon hilfreich gewesen.

Fazit
Ein eher leiser Roman, der im Schatten der Marshal-Bücher von Elizabeth Chadwick steht. Ich habe ihn trotzdem gerne gelesen, würde ihn aber nicht als Einstieg in diese Zeit empfehlen.

Elizabeth Chadwick – Die Erbin der Festung

AutorElizabeth Chadwick
TitelDie Erbin der Festung
OriginaltitelShadows and Strongholds
ÜbersetzerNathalie Lemmens
SerieFitzWarin Band 1
Seitenzahl638
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36346-9
Bewertung

Inhalt
England, 1148: Fulke FitzWarin, der von allen nur Brunin genannt wird, wird im Alter von zehn Jahren zur Ausbildung in den Haushalt von Joscelin de Dinan, einem Freund seines Vaters, gegeben, ganz entgegen der Tradition, ist er doch der älteste Sohn und Erbe. Dort erfährt Brunin all das, was er in seiner eigenen Familie nicht bekommt: Anerkennung, Unterstützung und vor allem Liebe.
Doch in England herrscht Krieg, Lords bekämpfen sich untereinander, Allianzen sind unbeständig, und Frieden ist nicht in Sicht – eine Einladung für manchen Ritter, persönliche Fehden auf dem Schlachtfeld auszutragen…

Meine Meinung
Die Erbin der Festung ist einer der ersten Romane Elizabeth Chadwicks, in denen historisch belegte Personen die Hauptrolle spielen. Es handelt sich hierbei um ein Prequel zu dem einige Jahre zuvor erschienenen Roman Die Braut des Ritters, in dem es um Brunins Sohn und Erben geht. Beide Romane basieren auf einem mittelalterlichen Gedicht, das die historische Abfolge und Fakten nicht allzu genau nimmt, doch Mrs Chadwick hat daraus das beste gemacht und eine plausible Geschichte erzählt, die so oder ähnlich geschehen sein könnte.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der junge Fulke FitzWarin, der aufgrund seiner dunklen Haut von allen nur Brunin genannt wird. Es wird beschrieben, wie er, der in seinem eigenen Zuhause nur Ablehnung erfahren hat, sich in seiner Ziehfamilie einlebt, Freundschaften schließt, seine Ausbildung zum Ritter und die erste Liebe erlebt. Auch wenn es die eine oder andere kämpferische Szene gibt, so ist der Roman die meiste Zeit über eher leise gehalten. Gelegentlich wird es ein wenig romantisch, ohne dass es jedoch in irgend einer Form kitschig wird.
Doch auch die Politik wird hier nicht völlig vernachlässigt. Trotz der eher vage gehaltenen zeitlichen Einordnung einzelner Ereignisse sind es doch der Krieg und im späteren Verlauf König Heinrichs Entscheidungen, die die Romanhandlung in gewisse Bahnen lenken, auch wenn sie für weite Teile der Geschichte eher im Hintergrund ablaufen.
Vorwissen über diese Zeit wird nicht benötigt, alles Nötige wird zu gegebener Zeit mitgeteilt und ist klar verständlich, aber wie immer schadet es auch nicht, wenn man sich bereits ein wenig auskennt.
Eine große Stärke des Romans sind die Charakterzeichnungen. Flache, eindimensionale Charaktere sucht man hier vergebens.
Brunin ist ein ruhiger, in sich gekehrter Junge, der es gewohnt ist, von seiner Großmutter beleidigt und von seinen Brüdern, die ihm um das Erstgeborenenrecht beneiden, geärgert zu werden. Hawise, Joscelin de Dinans Tochter, ist das ganze Gegenteil, temperamentvoll, wild und ungestüm und ganz begierig darauf, mit dem neuen Knappen Freundschaft zu schließen. Doch auch Marion, eine Ziehtochter Joscelins, die als Kind stark traumatisiert wurde, spielt eine wichtige Rolle und ist in ihrer verdrehten Art sehr glaubwürdig beschrieben.
Auf Brunins ärgste Gegenspieler trifft man hier schon auf den ersten Seiten, doch auch wenn sie von Beginn an als Antagonisten zu erkennen sind, sind auch sie sehr gut ausgearbeitet. Während Gilbert de Lacy wegen eines Erbstreits gute Gründe hat, Brunin abzulehnen, liegt die Motivation seines Knappen Ernalt in der Freude an der Quälerei Schwächerer.
Wie von Chadwick gewohnt ist an der Sprache nichts auszusetzen, auch die Übersetzung ist gelungen, wenn man von der Übersetzung der Königsnamen absieht.
Außer einem Nachwort zum historischen Kontext gibt es leider kein Zusatzmaterial, was aber für die Zeit der Veröffentlichung nicht ungewöhnlich ist.

Fazit
Eine spannende, überhaupt nicht kitschige Liebesgeschichte zweier historisch belegter Personen vor dem Hintergrund der Anarchy, die ich jedem empfehle, der sich nur im Entferntesten für diese Zeit interessiert.

Daniel Wolf – Das Licht der Welt

AutorDaniel Wolf
TitelDas Licht der Welt
SerieVarennes-Saint-Jacques Band 2
Seitenzahl1152
VerlagGoldmann
ISBN978-3-442-48050-0
Bewertung

Achtung: Rezension enthält Spoiler zu Das Salz der Erde

Inhalt
Varennes-Saint-Jacques, Oberlothringen, 1214: Rémy Fleury kehrt nach Ende seiner Ausbildung in seine Heimatstadt zurück, um dort eine eigene Werkstatt als Schreiber zu eröffnen. Doch damit zieht er sich den Zorn des Abtes von Longchamps zu, der in Rémy einen Konkurrenten sieht, verfügt seine Abtei doch über ein Skriptorium, dessen Dienste sich die Mönche gut bezahlen lassen.
Vier Jahre später: Einige junge Männer Varennes dienen im Heer von König Friedrich II. bei der Belagerung von Amance. Angeführt wird die Schar Freiwilliger von Anseau Lefèvre, der seine Männer für eigenen Ruhm opfert. Als Michel Fleury nach dem Rechten sieht, macht er sich in Lefèvre einen Feind fürs Leben…

Meine Meinung
Wie schon in Das Salz der Erde erzählt Christoph Lode unter dem Pseudonym Daniel Wolf eine Geschichte, die viele Jahre umspannt. Auch wenn zwischen den beiden Romanen einige Jahre liegen, so sind die Verhältnisse doch weitestgehend unverändert, und man trifft auf viele alte Bekannte. Auch wenn es nicht zwingend notwendig ist, den ersten Band der Reihe zu kennen, um die Handlung in Das Licht der Welt zu verstehen, so empfiehlt es sich dennoch, ihn vorher gelesen zu haben.
Dreh- und Angelpunkt des Romans ist mal wieder die fiktive lothringische Stadt Varennes-Saint-Jacques, die sich seit Beginn des ersten Bandes stark verändert hat. Zwar laufen immer mal wieder historische Personen durchs Bild, und reale Ereignisse haben einen Einfluss auf die Stadt, im Großen und Ganzen ist die Handlung aber fiktiv, so dass der Autor große Freiheiten hat, seine Handlung zu gestalten.
War im ersten Roman noch Michel die Hauptperson, nimmt diese Rolle hier Rémy ein, ohne jedoch seinen Vater komplett in den Hintergrund zu drängen.
Wer den ersten Band kennt, ist mit Rémys Persönlichkeit vertraut. Er ist ein Sturkopf, der seinen eigenen Weg geht, der keinen Sinn darin sieht, vor Autoritäten zu buckeln und sich durch seine eigenbrötlerische Art nicht nur Freunde macht. Mit seinem Vater verbindet ihn auch keine innige Liebe. Im Großen und Ganzen ist er dennoch ein liebenswerter Hauptcharakter, der im Gegensatz zu seinem Vater im ersten Band schon seine Ecken und Kanten hat.
Im Vergleich zu Rémy fallen jedoch die meisten anderen Charaktere stark ab. So kann man die meisten mit ihrem ersten Auftreten in Gut und Böse einteilen. Und Böse bedeutet hier nicht nur, gegen Rémy oder Michel eingestellt zu sein. Insbesondere Anseau Lefèvre zeigt geradezu satanische Züge und zögert auch nicht, unbeteiligten Menschen Schaden zuzufügen, solange er einen Nutzen daraus zieht, und wenn es nur dem eigenen vergnügen dient.
Dadurch sind leider Teile der Handlung vorhersehbar. Geschickte Wendungen führen jedoch dazu, dass das Buch spannend bleibt, auch wenn man sie letztlich bereits erwartet. Manche Entwicklungen waren dabei logisch, andere erschienen mir doch recht weit hergeholt.
Die Handlung folgt im Großen und Ganzen einem roten Faden, der sich jedoch gelegentlich in Kleinigkeiten und neuen Handlungssträngen verliert, so dass ich mich schon gelegentlich gefragt habe, worauf das alles hinauslaufen soll.
Die Sprache ist einfach und zweckmäßig, so dass man der Handlung problemlos folgen kann. Auch wenn die Personen mal in deutschen, mal in französischen Gebieten unterwegs sind, so wird doch auf die Verwendung französischer Begriffe weitestgehend verzichtet. Nur in Fällen, in denen es für die Handlung wichtig ist, wird überhaupt auf die Zweisprachigkeit hingewiesen.
Die Taschenbuchausgabe verfügt in der vorderen Klappe über eine farbige Karte der fiktiven Stadt Varennes Saint Jacques sowie einer weiteren Karte der Region Oberlothringen, ein ausführliches Personenregister, ein Glossar sowie ein Nachwort zum historischen Kontext und ist somit sehr gut ausgestattet.

Fazit
Ein spannender Roman, der insbesondere unter den stark stereotypen Charakteren leidet, der mich aber dennoch gut unterhalten konnte. Für Leser von Rebecca Gablé, Ken Follett oder Ildefonso Falcones einen Blick wert, jedoch empfehle ich, vorher den ersten Band der Reihe zu lesen.

Elizabeth Chadwick – Der scharlachrote Löwe

AutorElizabeth Chadwick
TitelDer scharlachrote Löwe
OriginaltitelThe Scarlet Lion
ÜbersetzerMonika Koch
SerieMarshal Band 3
Seitenzahl601
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36904-1
Bewertung

Inhalt
Normandie, 1197: William Marshal, inzwischen etwa 50 Jahre alt, Earl of Pembroke und vierfacher Vater, ist einer der angesehensten Ritter Englands, der schon mehreren Königen treue Dienste erwiesen hat. Auch König Richard steht er stets zur Seite und hat dessen Krone mehrfach gegen Richards rebellierenden Bruder Johann verteidigt. Doch dann stirbt Richard, und Johann wird Englands neuer König – nicht zuletzt durch Williams Hilfe.
Dennoch fällt es dem Earl sehr schwer, Johann seine Treue zu beweisen, egal, was er versucht, ihm werden immer wieder Steine in den Weg gelegt, die es mit viel Diplomatie und Geschick zu umschiffen gilt. Dabei steht ihm seine Frau Isabelle de Clare treu zur Seite.

Meine Meinung
Dies ist Elizabeth Chadwicks zweiter Roman über das Leben William Marshals. Von etwa seinem fünfzigsten Lebensjahr an begleiten wir ihn über 22 Jahre bis zu seinem Tod.
Da es weder Personenregister noch Zeittafel gibt, Elizabeth Chadwick aber weitestgehend darauf verzichtet, Personen, die bereits aus Der Ritter der Königin bekannt sind, nochmal einzuführen und Ereignisse zu wiederholen, ist es empfehlenswert, diesen Band direkt im Anschluss an den Vorgängerband zu lesen, um den Überblick nicht zu verlieren. Und Personen gibt es nicht wenige!
Dabei werden die meisten, wie von der Autorin gewohnt, recht vielschichtig beschrieben. Selbst König Johann, der ja in Literatur und Film oft als der Erzbösewicht dargestellt wird, wird als der Mensch gezeigt, der er möglicherweise tatsächlich gewesen sein könnte. Die Motive für seine Taten, die William ein ums andere Mal in Bedrängnis bringen, sind stets für den Leser erkennbar und aus Johanns Sicht auch nachvollziehbar, auch wenn wenn ich oft über sie den Kopf schütteln musste, weil sie so unsinnig erschienen.
William selbst ist hier wie schon im Vorgängerroman der edle Ritter, der zu seinem einmal gegebenen Wort steht. Immer wieder gerät er durch seine ehrbare Haltung in Schwierigkeiten. Dennoch handelt er nicht nur aus altruistischen Motiven, vielmehr ist es auch sein Ziel, sein Vermögen und seinen Einfluss zu mehren, wenn auch im Gegensatz zu einigen seiner Standesgenossen eben mit meist ehrbaren Mitteln, und das, obwohl er bereits vom mittellosen Ritter zu einem der reichsten und mächtigsten Männer des Landes aufgestiegen ist.
Da William nun Familienvater ist, bleibt es nicht aus, dass es in diesem Roman eben nicht nur um Williams Leben im Dienste der Krone geht, sondern auch seine Familie weiter ins Zentrum rückt, mit all ihren Konflikten, die dies mit sich bringt. Einige seiner Kinder erscheinen dort wichtiger als andere, insbesondere seine Tochter Mahelt, der Chadwick später noch einen eigenen Roman gewidmet hat, sticht dabei heraus, aber auch seine Söhne William und Richard spielen eine wichtige Rolle. Romantik ist enthalten, doch sind William und Isabelle ja kein junges Paar mehr, und je älter sie werden, umso stärker tritt dies in den Hintergrund.
Doch dass das Familienleben einen wichtigen Punkt einnimmt bedeutet nicht, dass dafür die Politik vernachlässigt wird, denn selbst zurückgezogen in Irland gibt es Konflikte, die es zu lösen gilt.
Die Sprache ist weitestgehend beschreibend und einfach gehalten, so dass man der Geschichte gut folgen kann, ohne über die Bedeutung der Worte nachdenken zu müssen, und die Übersetzung ins Deutsche ist dabei gut gelungen – wenn man von der gleichzeitigen Übersetzung der Königsnamen absieht, aber dazu habe ich mich in den vorhergehenden Rezensionen schon zu Genüge ausgelassen.
Wie schon erwähnt enthält das Buch weder Personenregister noch Zeitleiste, dafür ist ein Stammbaum der Marshal-Familie enthalten, so dass man zumindest innerhalb dieser Familie den Überblick nicht verliert. Daneben sind noch drei grobe Karten sowie historische Anmerkungen zu finden.

Fazit
Elizabeth Chadwicks Stil mag nicht so emotional, so mitreißend sein wie der einiger ihrer Kollegen, doch habe ich oft mitgehofft, -gebangt und -gelitten. Der Autorin ist ein großartiges Portrait eines der größten Ritter des Hochmittelalters gelungen! Eine klare Leseempfehlung, jedoch sollte man vorher den ersten Band, Der Ritter der Königin, gelesen haben.