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Ruben Laurin – Die Kathedrale des Lichts

AutorRuben Laurin
TitelDie Kathedrale des Lichts
Seitenzahl591
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-17636-6
Bewertung

Inhalt
1227: Nach der Vollendung eines Auftrags in Maulbronn will der Baumeister Bohnsack mit seiner Tochter nach Magdeburg ziehen, um dort am Neubau der Kathedrale mitzuwirken, doch Helena ist von dieser Aussicht gar nicht begeistert.
Der Ritter Ansgar von Lund muss aus Prag fliehen, nachdem er in flagranti erwischt wurde. Unterwegs trifft er auf die wunderhübsche Tochter des Baumeisters.
Moritz besitzt ein großes Talent für die Bildhauerei, doch er ist ein Sklave und arbeitet im Steinbruch. Regelmäßig wiederkehrende Anfälle, während denen er Menschen in seiner Nähe angreift, lassen ihn viel Ablehnung erfahren. Als er auf eine Verurteilung nach einem solchen Anfall wartet, treffen Reisende auf der Burg ein…

Meine Meinung
Wenn es um Romane geht, in denen der Bau einer Kathedrale thematisiert wird, werde ich schon hellhörig. Wenn diese Romane dann auch noch von Autoren stammen, die mich bisher nicht enttäuscht haben, muss ich sie unbedingt lesen.
So auch hier, denn sobald ich erfahren hatte, dass sich hinter dem Pseudonym der Autor Thomas Ziebula verbirgt, dessen Romane über den Dreißigjährigen Krieg mir sehr gefallen haben, ist das Buch nach ganz oben auf der Prioritätenliste gewandert.
Den geschichtlichen Hintergrund des Romans bildet, wie schon erwähnt, der Neubau der Kathedrale zu Magdeburg sowie die Entstehung der bekanntesten Skulpturen, die dort zu finden sind, allen voran die der Skulptur des Heiligen Mauritius. Da über die Künstler jedoch nahezu nichts bekannt ist, hat der Autor hier große Freiheiten, seine eigene Geschichte um deren Entstehung zu spinnen.
Im Zentrum der Geschichte steht die schöne Helena, Tochter des Bauherren Bohnsack, von Vielen verehrt, aber noch unverheiratet, die nicht weiß, was und wen sie will und von ihrem Vater auch nicht gerade in die Ehe gedrängt wird.
Bewerber um ihre Hand sind unter anderem der Ritter Ansgar, der sich Aufgrund seiner früheren Liebschaften an vielen Orten Europas nicht mehr blicken lassen kann, der Bildhauer Gotthart, der ein dunkles Geheimnis in sich trägt, sowie der wendische Waisenjunge Moritz, ehemaliger Sklave und ebenfalls Bildhauer mit großem Talent, der den Mord an seinen Eltern rächen will.
Eine weitere wichtige Person ist Mechthild, eine junge, fromme Frau, die viel Zeit auf dem Baustellengelände verbringt, immer ins Gebet vertieft.
Der Autor nimmt sich sehr viel Zeit, etwa zwei Drittel des gesamten Buches, die Vorgeschichte seiner Figuren zu erzählen. Man erfährt, was ihre Wünsche und Ängste sind, und so nach und nach führen die Wege Aller nach Magdeburg.
Ab hier jedoch wird die Zeit schon mal sehr gerafft, und je mehr sich der Roman dem Ende nähert, umso länger sind die Zeiten, die übersprungen werden. Hier ging es mir dann doch oft einfach zu schnell, und es passte vom Tempo einfach nicht zum Beginn der Geschichte. So sind die Charaktere zu Beginn noch recht gut ausgebaut, je weiter die Geschichte fortschreitet, umso stärker werden sie auf wenige Eigenschaften reduziert.
Auch gibt es einige Szenen, die mir etwas weit her geholt waren und von denen ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie so hätten passieren können. So hatte ich beispielsweise meine Probleme damit, wenn Moritz innerhalb kurzer Zeit den Umgang mit Waffen erlernt und sich gestandenen Rittern gegenüber im Kampf behaupten kann, auch wenn er zuvor schon ein guter Faustkämpfer ist. Und auch der Umgang mit „Unzucht“, ein Thema, das hier, insbesondere gegen Ende, immer wieder vorkommt und dann auch näher erläutert wird, erschien mir nicht ganz schlüssig.
Gut dagegen fand ich, dass der Autor sich nicht davor scheut, selbst Hauptcharaktere recht früh ableben zu lassen. Zudem treffen einige der Figuren auch schon mal Entscheidungen, die sie im Nachhinein bereuen. So bleibt zumindest ein gewisser Teil an Spannung enthalten, während andere Entwicklungen schon recht früh zu erahnen sind.
Ein zweiter Handlungsstrang spielt im Jahr 285 und erklärt, wer denn der Heilige Mauritius eigentlich ist. Leider wird hier nur die Heiligenlegende nacherzählt, dabei aber auch im Nachwort außen vor gelassen, dass es sich eben nur um eine Legende handelt und dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass sich das Beschriebene tatsächlich so abgespielt hat.
Der Erzählstil ist weitestgehend einfach gehalten und gut lesbar. Jedoch hat es mich schon sehr irritiert, dass der Handlungsstrang über Mauritius rückblickend erzählt wurde, mit dem Wissen von heute. Ich möchte eigentlich nicht im Romantext lesen, dass ein Fluss heute anders heißt als damals oder dass erst nachfolgende Generationen etwas mit einer Prophezeiung anfangen konnten. Doch auch in den Kapiteln der Haupthandlung fällt der Autor schon mal aus der Zeit.
Ergänzt wird der Roman durch ein Personenverzeichnis, eine Zeittafel, ein Glossar sowie ein Nachwort zum historischen Kontext und ist somit recht gut ausgestattet, auch wenn ich, wie schon erwähnt, mehr Informationen zu Mauritius erwartet hätte.

Fazit
Dieser Roman sollte ein Neuanfang werden, doch ist dieser in meinen Augen nicht ganz geglückt. Eine Fortsetzung des Stils der ersten historischen Romane Ziebulas hätte mir wohl eher zugesagt.

Elizabeth Chadwick – Das Herz der Königin

AutorElizabeth Chadwick
TitelDas Herz der Königin
OriginaltitelThe Winter Crown
ÜbersetzerNina Bader
SerieAlienor von Aquitanien Band 2
Seitenzahl672
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-7341-0151-9
Bewertung

Inhalt
London, 1154: An der Seite ihres Mannes, Henry Plantagenet, wird Alienor, Herzogin von Aquitanien, zur Königin Englands gekrönt – ein Triumph für die ehemalige Königin Frankreichs. Sie hofft, ihrem Mann eine ebenbürtige Partnerin zu sein, ist sie doch dazu erzogen worden, selbst zu regieren. Sie will nicht nur Zuchtstute und Mutter der legitimen Kinder ihres Mannes sein.
Doch Henry hat andere Pläne. Schenkt er ihr zu Beginn ihrer Ehe noch sein Gehör, sind es insbesondere die Zeiten ihrer Schwangerschaften, in denen er ihr rationales Denken abspricht. Stattdessen schenkt er sein Vertrauen seinem Kanzler Thomas Becket. Alienor bezweifelt, dass dies eine weise Entscheidung ist…

Meine Meinung
Das Leben Alienors von Aquitanien ist so ausgefüllt von Ereignissen, dass man diese kaum in einem Buch zusammenfassen kann. Aus diesem Grund hat sich Elizabeth Chadwick dazu entschieden, drei Romane über diese großartige Frau zu schreiben. Das Herz der Königin ist der zweite Teil, der etwa zwanzig Jahre umfasst, vom Zeitpunkt ihrer Krönung zur Königin Englands im Jahr 1154 bis zu ihrer Haft in Sarum im Jahr 1174.
Die erste Hälfte des Romans wird stark dominiert von ihrer Rolle als Mutter, in die sie von Henry gedrängt wird, und ihrem Wunsch, mehr Einfluss in politische Entscheidungen zu haben. Diesen Abschnitt ihres Lebens fand ich, obwohl nicht langweilig erzählt, aufgrund ihrer oft erzwungenen Passivität längst nicht so spannend wie etwa die zweite Hälfte des Buches, in der es vorrangig darum geht, wie Alienor die Ansprüche ihrer Söhne unterstützt.
Dabei orientiert sich die Handlung sehr stark an dem, was heute noch über diese Zeit in Erfahrung zu bringen ist. Die Personen, allen voran natürlich Alienor und Henry, aber auch Thomas Becket, dessen Rolle hier sehr dominant betrachtet wird, und im späteren Verlauf die Prinzen, sind glaubwürdig beschrieben, niemand zeigt nur gute oder nur schlechte Seiten, und auch die Entwicklung der Charaktere ist sehr gut erkennbar und natürlich gestaltet. Allerdings bleiben im Kontrast dazu einzelne Nebencharaktere wie Alienors Töchter leider sehr blass und erhalten kaum eigene Persönlichkeit.
Alienor ist wie schon im ersten Band der Trilogie eine starke Frau, die weiß, was sie will. Dass sie hier von ihrem Mann oftmals nicht ernst genommen wird, frustriert sie doch sehr. Meistens war sie mir sehr sympathisch, konnte ich ihren Frust doch aus heutiger Sicht gut verstehen, in anderen Situationen musste ich mir jedoch gezielt bewusst machen, welche Rolle sie inne hatte und in welcher Zeit wir uns befinden, um ihre Entscheidungen nachvollziehen zu können.
Auch Henry ist eine faszinierende Gestalt, die in der Darstellung denen aus diversen anderen Romanen, die ich bisher gelesen habe, entspricht. Er legt wenig Wert auf Äußerlichkeiten und gibt ungern die Zügel aus der Hand, dazu ist er ein Frauenheld, der seiner Königin zu keinem Zeitpunkt treu ist. Auch seine Haltung ist in Anbetracht seiner Position und seiner Zeit verständlich.
Die politischen Ver- und Entwicklungen sind nicht immer leicht zu durchschauen, weshalb man mit einer gewissen Aufmerksamkeit lesen sollte, doch Informationen und Details über diese Zeit fließen wie beiläufig in den Text ein, so dass ich nie den Eindruck hatte, von ihnen erschlagen zu werden. Dem gegenüber steht ein etwas trockener, schnörkelloser Schreibstil, doch Elizabeth Chadwick war mir bisher nie als besonders emotionale Autorin aufgefallen, so dass dies nicht unbedingt negativ zu sehen ist. Zudem ist der Roman so gut lesbar und leicht verständlich.
Wie schon im Vorgängerroman wurden hier die Namen, wie sie die Autorin verwendet hat, beibehalten und nicht mit übersetzt. Dies hat den Vorteil, dass gezielt gewählte Spitznamen oder Abweichungen von der offiziellen Schreibweise wie beispielsweise Harry für den jungen König oder Jeoffrey für Henrys illegitimen Sohn das Lesen stark erleichtern, ohne einen Bruch darzustellen.
Ein Personenregister als solches ist nicht vorhanden, dafür kann man im Anhang drei Stammbäume finden, die einem die Zuordnung mancher Personen erleichtern. Zudem gibt es, wie von Chadwick gewohnt, ein recht ausführliches Nachwort, in dem noch einmal auf bestimmte Personen näher eingegangen wird.

Fazit
Ein guter zweiter Teil, der durch viele häusliche Szenen nicht ganz so spannend ist wie der erste Band, der aber trotzdem sehr lesenswert ist und viele Informationen über diese faszinierende Frau beinhaltet.

Mac P. Lorne – Der Herr der Bogenschützen

AutorMac P. Lorne
TitelDer Herr der Bogenschützen
Seitenzahl703
VerlagKnaur
ISBN978-3-426-52082-6
Bewertung

Inhalt
England, 1400: Nach einem fehlgeschlagenen Versuch, König Henry Bollingbroke zu stürzen, wird John Holland, ehemaliger Duke of Exeter, als Verräter enthauptet. Seine Söhne, unter ihnen der sechsjährige John, werden von ihrer Mutter getrennt und nach Upholland gebracht, dem ehemaligen Stammsitz der Hollands, wo sie für ihren Lebensunterhalt niedere Arbeiten verrichten sollen.
Als Richard, Johns älterer Bruder, bald darauf im Sterben liegt, nimmt er John den Schwur ab, sich für den Tod des Vaters zu rächen und alles daran zu setzen, die Familienehre wiederherzustellen und die entzogenen Besitztümer zurück zu erhalten.
Wird John es schaffen, diesen Schwur zu erfüllen?

Meine Meinung
In Der Herr der Bogenschützen beschäftigt sich Mac P. Lorne mit John Holland, der, obwohl er Neffe zweier Könige ist, in vielen Romanen über den Hundertjährigen Krieg eher als Randfigur erscheint. Entsprechend war mein Interesse groß, mehr über diesen Mann zu erfahren, der alles verloren hat und sich von unten hoch arbeiten musste.
Über die Jugendjahre John Hollands ist so gut wie nichts bekannt, so dass Mac P. Lorne sich hier die Freiheit nimmt, John und seine Brüder wirklich nach ganz unten zu stoßen. Ich bezweifle, dass dies so hätte geschehen können, schließlich handelt es sich hier um die Söhne eines der höchsten Adligen des Landes, aber so wird natürlich der Aufstieg umso herausragender.
John ist schon ein erstaunlicher junger Mann. Obwohl so stark gedemütigt, lässt er sich nicht unterkriegen. Er lernt Lesen und Schreiben, durch seine Arbeit in der Ziegelei erlangt er eine große Kraft, doch seine Leidenschaft ist das Bogenschießen. Er ist edel, wie es sein gebürtiger Stand verlangt, aber er achtet auch das niedere Volk, er denkt in großen Dimensionen und hat in vielen Situationen doch sehr viel Glück. Er wird hier als Romanheld dargestellt, der Sympathien erweckt, dadurch aber leider doch ein wenig zu unglaubwürdig daher kommt.
Eine zweite wichtige Person ist Jehanne Darc, die später als Jeanne D’Arc oder als Jungfrau von Orléans große Berühmtheit erlangen wird. In meist recht kurzen Kapiteln erfahren wir, oft in Gesprächen über sie, dass sie schon in jungen Jahren sehr fromm, ja geradezu fanatisch ist und von ihrer Mutter und dem Dorfpfarrer im Glauben bestärkt wird. Auch ihre Stimmen, die sie letzten Endes in den Kampf treiben, gehören mit dazu, und auch wenn versucht wird, ihre Visionen zu erklären, so kommt Jehanne doch nicht besonders gut dabei weg, ihre Darstellung ist doch eher negativ zu sehen.
Die Geschichte selbst bietet jemandem, der schon den einen oder anderen Roman über den Hundertjährigen Krieg gelesen hat, wenig Neues, denn die Eckpunkte sind bekannt. Jedoch schafft es Mac P. Lorne, Johns Geschichte so fesselnd zu erzählen, dass ich gespannt war, was er als nächstes erleben wird.
Die Recherche Lornes ist ausgezeichnet, das Leben zu dieser Zeit wird lebhaft und authentisch dargestellt, soweit ich das beurteilen kann. Leider gibt es hier auch einen kleinen Wermutstropfen, denn viele Informationen werden nicht einfach so nebenbei vermittelt, sondern in Informationsblöcken, die sich für mich nicht homogen eingebunden, sondern wie Fremdkörper anfühlten. Und gelegentlich sind diese Informationen noch nicht einmal relevant, beispielsweise wenn es über mehrere Absätze um die Geschichte der Abtei Fontevrault geht.
Ein weiterer Aspekt, der mir in diesem Roman leider nicht gefallen hat, sind die Sexszenen. Egal ob einvernehmlich oder nicht, für mich waren sie weder romantisch noch erschreckend, je nach Zusammenhang, sondern einfach unpassend und aufgesetzt. Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen.
Ein Erzählkniff, den der Autor gerne anwendet, ist, in der Zeit vorzugreifen und anzudeuten, dass demnächst etwas geschehen wird. Dies soll wohl die Spannung erhöhen. Sparsam angewendet ist dies auch tatsächlich der Fall, hier kommt es jedoch so häufig vor, dass es nicht nur auffällig ist, sondern mich ab einem bestimmten Punkt nur noch genervt hat.
Neben historischen Nachbemerkungen findet man in dem Buch noch eine Zeittafel, ein Personenregister sowie eine Karte Englands und Frankreichs, die eine grobe Orientierung ermöglicht.

Fazit
„Der Herr der Bogenschützen“ ist eigentlich ein spannender Roman über eine interessante Person, leider haben stilistische Entscheidungen meine Lesespaß doch sehr getrübt und sind am Ende stärker in Erinnerung geblieben als der Inhalt. Wer darüber hinwegsehen kann, wird viel Freude mit dem Buch haben.

Peter Prange – Ich, Maximilian, Kaiser der Welt

AutorPeter Prange
TitelIch, Maximilian, Kaiser der Welt
Seitenzahl677
VerlagFischer
ISBN978-3-596-19819-1
Bewertung

Inhalt
Wien, 1473: Der vierzehnjährige Maximilian von Habsburg brennt vor Liebe zu der zwei Jahre älteren Rosina von Kraig, doch sein Vater, der Kaiser, hat andere Pläne mit ihm: Er soll zum Wohle des Heiligen Römischen Reiches Marie von Burgund heiraten, eine der begehrtesten Erbinnen Europas, die ein Vermögen mit in die Ehe bringen würde, noch dazu soll sie wunderschön sein.
Marie steht Heiratsplänen ebenfalls sehr skeptisch gegenüber, befürchtet sie doch, nach der Eheschließung in ihrer Freiheit stark eingeschränkt zu sein. Sie wünscht sich einen gebildeten Mann, mit dem sie disputieren, Büchern genießen und auch gemeinsam ausreiten kann. Wird Maximilian dieser Mann sein?

Meine Meinung
Während ich mich mit der englischen Geschichte des ausgehenden Mittelalters recht gut auskenne, kann man dies nicht von der Geschichte Deutschlands sagen. Diese Wissenslücke wollte ich mit diesem Roman ein wenig schließen.
Den Titel des Buches finde ich dabei ein wenig irreführend, denn der Roman beschreibt Maximilians Weg bis zur Kaiserkrönung, aber nicht darüber hinaus, über sein Wirken als Kaiser selbst erfährt man also gar nichts. Doch auch die jungen Jahre Maximilians bieten genügend Material für einen Roman, hat er doch in dieser Zeit recht viel erlebt und sich selbst weiter entwickelt.
Maximilian von Habsburg ist der Sohn des Kaisers und selten mit dessen Entscheidungen einverstanden. Er wird von seinem Vater nicht respektiert und oft sogar erniedrigt, was Max sehr stark prägt, will er doch auf keinen Fall so werden wie sein Vater, der als Bettelkaiser verlacht wird.
Rosina von Kraig ist schon seit ihrer Jugend die Geliebte Maximilians. Obwohl sie keine standesgemäße Partie ist, will Max sie unbedingt heiraten. Sie ist heißblütig und ist eine der wenigen, die es wagt, dem jungen Habsburger schon mal den Kopf zu waschen.
Eine weitere sehr wichtige Person ist Kunz von der Rosen, Zwerg und Hofnarr zu Burgund, ein Vertrauter von Max, oft als Botschafter, gelegentlich auch als Spion oder Verschwörer tätig, mit dem Ziel, aus seinem Leben etwas zu machen.
Leider hatte ich mit der Darstellung vieler Personen meine Schwierigkeiten. Nicht nur die Darstellung von Charles, dem französischen Dauphin, als dümmliches Kind mit Wasserkopf und Buckel fand ich sehr übertrieben, auch die intriganten Pläne von Philippe de Commynes sind doch sehr darauf angelegt, ihn zum Bösewicht zu machen. Richtig ärgerlich finde ich aber, wie Peter Prange den Hofnarren Kunz von der Rosen dargestellt hat. Dieser intrigiert hier immer wieder gegen Max, und das nicht unbedingt heimlich, doch wird seine Einmischung nie bekannt. Nie wird erwähnt, was Kunz Schlimmes getan hat, stattdessen wird er immer weiter mit wichtigen Aufgaben betraut und für seine Dienste belohnt. Er gerät nicht ein einziges Mal in Verdacht, sein Name wird nie mit Missetaten in Verbindung gebracht, obwohl Menschen aus Maximilians direktem Umfeld Zeuge seiner Beteiligung sind. Das ist sehr schade, denn durch diese sehr flachen und wohl zum Teil auch historisch falschen Darstellungen der doch so wichtigen Personen verliert der Roman einen Großteil seiner Glaubwürdigkeit.
Ebenfalls als abwegig empfinde ich die Wendung, die Rosina von Kraig betrifft – dies hätte ich eher in einem Roman im Stil von Iny Lorentz erwartet.
Inhaltlich geht es hier sehr politisch zu. Es geht immer wieder um Krieg oder Kriegserklärungen, mal mit Frankreich, mal mit den Türken, dann gibt es erfüllte Verträge hier, gebrochene Versprechen dort, die Ständevertreter Burgunds spielen ebenso eine Rolle wie die Fürsten des Heiligen Römischen Reiches, und immer wieder ist Geld ein Thema. Nun lese ich gerne Romane, die politische Entscheidungen auch schon mal stärker gewichten und sie nicht nur am Rande erwähnen – dies wäre bei diesem Thema wohl auch kaum möglich gewesen -, jedoch habe auch ich hier gelegentlich den Überblick verloren. Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen, dass dies für den einen oder anderen Leser zu viel sein wird.
Ein weiterer Schwerpunkt des Romans, insbesondere in der ersten Hälfte, ist die Liebe. Erst zu Rosina, später zu Marie. Die Beschreibung dessen, wie Max zu den beiden Frauen steht, um sie wirbt, ihnen seine Liebe beteuert und sich der einen Frau annähert, der anderen entfremdet und anders herum, ist so ausführlich, dass andere Ereignisse dadurch in den Schatten gestellt werden.
Neben einem sehr kurz gehaltenen Nachwort zur Historie, einer Karte, einem Stammbaum und einem Personenregister gibt es noch eine mehrere Seiten umfassende Zeittafel, die zwar nur gesicherte Ereignisse auflistet, aber die wesentliche Handlung des Romans noch einmal zusammenfasst.

Fazit
Ein kleiner Einblick in das Leben des letzten Ritters, der mich aber weitestgehend enttäuscht zurückgelassen hat.

Elizabeth Chadwick – Die Rose von Windsor

AutorElizabeth Chadwick
TitelDie Rose von Windsor
OriginaltitelThe Time of Singing
ÜbersetzerNina Bader
SerieBigod Band 1
Seitenzahl573
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-37707-7
Bewertung

Inhalt
Franglingham Castle, England, 1173: Roger Bigod ist der erstgeborene Sohn des Earl of Norfolk. Doch dieser erkennt die Leistungen seines Sohnes nicht an, demütigt ihn immer wieder. Als Roger den Auftrag erhält, eine Abtei zu plündern, um den Kampf des jungen Königs zu unterstützen, widersetzt er sich dem Befehl und läuft zur Partei Henrys II. über. Als sein Vater allerdings wenige Jahre später besiegt und gedemütigt stirbt, beginnt ein langwieriger Streit ums Erbe.
1176: Ida de Tosney ist ein Mündel der Krone. Als sie Henry das erste Mal begegnet, ist dieser von ihrer Unschuld fasziniert und macht sie zu seiner Mätresse und Mutter seines Bastardsohnes. Doch Ida schämt sich ihrer Position und wünscht sich eine richtige Familie…

Meine Meinung
In Die Rose von Windsor erzählt Elizabeth Chadwick einen Teil der Lebensgeschichte von Roger Bigod und Ida de Tosney, Zeitgenossen und Freunden von William Marshal.
Während William Marshal allerdings als größter aller Ritter in die Geschichte einging, ist Roger Bigod eher eine Randfigur. Er ist immer mal wieder dabei, wenn Geschichte geschrieben wird, aber selten als Entscheidungsträger. Das wird umso deutlicher, als sein Freund gelegentlich durchs Bild läuft und Roger die Show stiehlt, weil er die wichtigere Position inne hat oder etwas miterlebt, von dem Roger nur nachträglich erfährt. Da politisch gesehen ähnliche Themen angesprochen werden, lernt man auch hier wenig Neues, wenn man die Marshal-Bände bereits kennt.
Die Romanhandlung beschreibt weitestgehend Rogers Bemühungen, sein Erbe zu erhalten, und die emotionalen Folgen, die Ida durch ihre frühere Beziehung zu Henry zu tragen hat. Große Spannung sollte man hier nicht erwarten, und auch große Höhepunkte gibt es eher wenige. Zudem spielt sich ein nicht geringer Teil der Geschichte im häuslichen Bereich ab, die Anspannungen, die durch Idas Vorleben entstehen, ziehen sich durch weite Teile des Romans, und die Liebesgeschichte ist schon sehr dominant.
Trotzdem ist es nicht uninteressant, die Ereignisse mal von einer anderen Perspektive zu sehen und eben ganz andere bedeutsame Persönlichkeiten dieser Zeit kennenzulernen. Allerdings würde ich empfehlen, diesen Roman nicht direkt im Anschluss an die Marshal-Bücher zu lesen. Auch sollte man sich wirklich für diese Zeit interessieren, Vorkenntnisse schaden nicht, da es insbesondere im späteren Verlauf des Romans große zeitliche Sprünge gibt und viele Ereignisse nur am Rande angesprochen werden.
Die Charaktere sind, wie von Chadwick gewohnt, liebevoll ausgearbeitet. Ida ist eine sehr starke Frau, die es schafft, sich aus dem Einfluss des Königs zu lösen. Einzig in Bezug auf ihren Erstgeborenen sowie ihre frühere Stellung bei Hofe reagiert sie sehr emotional, was man ihr nicht verdenken mag. Roger ist dagegen der starke Stratege, dem es schwer fällt, Gefühle zu zeigen. Er ist juristisch bewandert, verfügt aber auch über kämpferische Fähigkeiten. Leider sehen wir beide Seiten kaum in Aktion, sondern meist nur erwähnt oder in kurzen Beschreibungen. Auch andere Charaktere sind sehr lebendig beschrieben. Nur Huon, Rogers Halbbruder, kam mir ein wenig zu einseitig vor, aber damit kann ich gut leben.
Seit diesem Roman stammen die Übersetzungen der Romane von Elizabeth Chadwick von Nina Bader. Dies hat zur Folge, dass endlich die Königsnamen nicht mehr ins Deutsche übertragen werden, einer meiner größten Kritikpunkte an bisherige Romane der Autorin. Auch sonst habe ich an der Übersetzung, die die einfache und klare Sprache Chadwicks gut ins Deutsche transportiert, nichts auszusetzen.
Viel Zusatzmaterial darf man mal wieder nicht erwarten, einzig ein Nachwort ist enthalten, in dem insbesondere auf die Quellenlage eingegangen wird. Eine Karte, um die Position der einzelnen Erbgüter, um die Roger mit seinen Halbbrüdern streitet, wäre allerdings schon hilfreich gewesen.

Fazit
Ein eher leiser Roman, der im Schatten der Marshal-Bücher von Elizabeth Chadwick steht. Ich habe ihn trotzdem gerne gelesen, würde ihn aber nicht als Einstieg in diese Zeit empfehlen.