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Axel S. Meyer – Das Buch der Sünden

AutorAxel S. Meyer
TitelDas Buch der Sünden
Seitenzahl780
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-25380-5
Bewertung

Inhalt
Paris, Ostern 845: Als Wikinger die Stadt überfallen, Odos Vater getötet und seine Mutter vergewaltigt und verschleppt wird, schwört der achtjährige Junge Rache an Ragnar Loðbr​œk, dem Anführer der Nordmänner.
Sechzehn Jahre später treffen in dem Kloster, in dem Odo Aufnahme gefunden hat, neue Berichte über die Gräueltaten der Heiden ein, in denen Odo das Wirken des Teufels zu erkennen glaubt. Als ihm dann ein Dokument in die Hände fällt, das ihn in seinem Glauben bekräftigt, zieht Odo nach Haithabu, um dort den Teufel zu bekämpfen.
In Haithabu lebt der siebzehnjährige Helgi, der für die Schmiedearbeit seines Vaters wenig Begeisterung aufbringen kann. Doch dann geschehen schreckliche Dinge…

Meine Meinung
Der Autor Axel S. Meyer hat sich in den letzten Jahren mit seinen Wikingerromanen einen Namen gemacht. Dies ist sein erster Roman.
Nachdem ich den Prolog gelesen hatte, hatte ich eine Vorstellung davon, was mich erwarten würde, nämlich eine Geschichte über den jungen Odo, der als Sympathieträger Rache nehmen will und dabei das eine oder andere Abenteuer erlebt. Ich glaube nicht, dass ich mich je stärker über den Inhalt geirrt habe…
Die ersten hundert Seiten handeln nur von Odo. Zu Beginn, als Kind, das so schlimme Dinge erleben muss, erscheint er tatsächlich noch als Sympathieträger. Doch schon bald entwickelt sich der Roman in eine ganz andere Richtung, durch seine Handlungen wird der junge Mönch, der den Wahn hat, die Welt retten zu müssen, nicht nur immer unsympathischer, sondern sogar immer böser, und ich war mir nicht sicher, ob ich ein Buch mit einer so negativ beschriebenen Hauptperson überhaupt weiterlesen wollte. Doch als dann nach etwa hundert Seiten Helgi auf den Plan trat, der immer mehr die Hauptrolle übernahm, während Odo die Rolle des Antagonisten übernahm, war zumindest mein Interesse wieder geweckt.
Helgi ist ein junger Träumer, der für Rúna, die Sklavin seines Nachbarn schwärmt. Seine Taten haben auch schon mal negative Folgen, auch wenn er nichts Böses im Sinn hat. Grundsätzlich ist er einfach der nette Junge, der mal eben so in eine bedrohliche Situation gerät und mit dem man auch gerne mitfiebert. Ihn umgibt ein Geheimnis, das aber für jeden Leser, der nur ein wenig aufmerksam ist, von Beginn an wenig überraschend sein sollte.
Während Odo nun auf der Suche nach Dämonen ist, versucht Helgi einfach nur, sein Leben zu leben und einen Weg zu finden, Rúna nah zu sein. Doch schon bald entwickeln sich die Dinge ganz anders, als er je erwartet hätte.
Auch mich haben so manche Wendungen überrascht, manche positiv, andere dagegen auf negative Weise, denn nicht alle Teile der Handlung sind in meinen Augen logisch. So hatte ich meine Probleme zum Beispiel mit einem Schmiedewettbewerb zu Beginn von Helgis Geschichte. Der Schmied, der das haltbarste, schärfste Schwert schmiedet, erhält den Auftrag, innerhalb weniger Monate die Waffen für eine ganze Armee herzustellen – eine Aufgabe, die meines Wissens nach von einem einzelnen Schmied gar nicht zu meistern ist und für die man eher ein ganzes Heer von Schmieden benötigt. Dies wäre eigentlich eine Nebensache, über die ich hinweg lesen würde, wäre es für die Handlung nicht ganz so wichtig.
Diese ist, wie man sich vielleicht schon denken kann, eher blutrünstig. Es wird schon mal gekämpft, aber neben den Kampfbeschreibungen gibt es auch weitere brutale Taten, die genauer beschrieben werden.
Der geschichtliche Hintergrund spielt eine eher untergeordnete Rolle. Auch wenn hin und wieder historische Ereignisse oder Personen erwähnt werden, so dienen sie doch weitestgehend nur als Kulisse, vor der die Abenteuer stattfinden.
Meyers Sprache ist nicht zu kompliziert, einzig diverse nordische und slawische Namen hemmen den Lesefluss minimal. Da die Kapitel sehr kurz sind – selten sind sie länger als zehn Seiten, oft sind es sogar nur zwei oder drei – lässt sich der Roman recht schnell und flüssig lesen.
Mit einer Karte und einem historischen Nachwort ist der Roman ausreichend ausgestaltet.

Fazit
Ganz anders, als ich erwartet hatte. Logiklöcher und eine doch eher merkwürdig anmutende Handlung führen dazu, dass mich dieser Roman nicht überzeugen konnte, obwohl der Ansatz mit einem bösen Protagonisten doch recht interessant war.

Bernard Cornwell – Der weiße Reiter

AutorBernard Cornwell
TitelDer weiße Reiter
OriginaltitelThe Pale Horseman
ÜbersetzerMichael Windgassen
SerieSaxon Chronicles Band 2
Seitenzahl510
VerlagRoRoRo
ISBN978-3-499-24283-0
Bewertung

Achtung: Rezension enthält kleinere Spoiler zu Das letzte Königreich

Inhalt
England, 877: Nach der Schlacht bei Cynuit nimmt Uhtred sich die Zeit, um sicherzugehen, dass es seiner Familie gut geht, statt direkt König Alfred von Wessex Bericht zu erstatten. Und so kommt es, dass seine Taten nicht nur nicht gewürdigt werden, sondern Andere den Ruhm einstreichen.
Sein Plan, sich nun den Dänen anzuschließen, scheitert an einem weiteren Waffenstillstand Alfreds, da Uhtreds Freund Ragnar als Geisel dient. Und so zieht sich der junge Krieger auf sein Gut zurück.
Schon bald ergibt sich die Möglichkeit, Reichtümer zu erwerben. Doch wird der Waffenstillstand halten?

Meine Meinung
Der weiße Reiter beginnt genau da, wo der erste Band der Reihe um den Krieger Uhtred endet, nämlich nach der Schlacht von Cynuit. Aus dramaturgischen Gründen hat Cornwell diese Schlacht um ein Jahr vorverlegt, so dass ein neuer Gegenspieler gebraucht wurde, doch dieser fiktive Charakter, auf den der Titel des Romans zurück geht, hätte ebenso damals leben können. Die Änderung der Chronologie vergebe ich Cornwell gerne, enthält der Roman doch daneben viele weitere historische Persönlichkeiten und reale Ereignisse, zudem ist der Roman so spannend erzählt, dass ich ihn auch beim dritten Mal Lesen kaum raus der Hand legen konnte.
Im Zentrum des Geschehens steht der Kriegszug der Dänen, der beinahe dazu geführt hätte, ganz England unter dänische Kontrolle zu bringen, und wie Alfred von Wessex es geschafft hat, die Nordmänner doch zurückzudrängen.
Wie man es von Cornwell kennt wird auch hier wieder viel gekämpft, und wenn es gerade keine große Schlacht ist, dann eben ein Kriegszug oder ein Zweikampf – irgendetwas passiert immer. Dabei werden diese Kämpfe schon sehr detailverliebt beschrieben, je nach Situation auch jeder Schwertstreich für sich, dennoch schafft es Cornwell, diese Beschreibungen, die auch mal unappetitlich sein können, nie langweilig werden zu lassen.
Auch ein wenig Mystik kommt in diesem Roman in Form einer jungen Seherin vor, ob es sich jedoch tatsächlich um mystische Elemente handelt oder um Zufälle, von denen der Erzähler nur glaubt, dass sie zusammenhängen, muss der Leser für sich entscheiden.
Der Ich-Erzähler Uhtred ist ein arroganter junger Mann, der nie behauptet, etwas anderes zu sein. Er glaubt, über den Dingen zu stehen und lügt, dass sich die Balken biegen, wenn es ihm dienlich erscheint, so dass ich mir auch nie sicher bin, ob ich ihm als Leser alles abkaufen kann, was er über seine Erlebnisse erzählt. Sein Glaube an die alten Götter, der Wunsch nach Ruhm und Geld und besonders sein Ziel, sein Erbe zurück zu erhalten, treiben ihn an. Dabei ist er sehr zynisch und macht sich schnell Feinde, insbesondere unter Priestern und sehr gläubigen Anhängern des Christentums.
Eine weitere sehr wichtige Person ist König Alfred, der tiefgläubig ist und in allen Lebenslagen auf Gott und dessen Einmischung vertraut, der eher auf Priester als auf seine militärischen Berater hört und unter einer wiederkehrenden Krankheit leidet. Er ist das genaue Gegenteil von Uhtred, und obwohl man ihn nicht als Gegenspieler der Hauptperson bezeichnen kann, kommt es dennoch oft zu Situationen, in denen der junge Northumbrier den König von Wessex abgrundtief hasst, den er nicht als seinen König sieht und dem er sich immer nur für eine begrenzte Zeit unterstellt.
Obwohl sämtliche andere Charaktere nur durch Uhtreds Sicht beschrieben werden und er oft eine negative Sichtweise an den Tag legt, sind die meisten doch sehr lebendig beschrieben.
Die Zusatzausstattung ist mit dem zum ersten Band identisch: Eine Karte, die die wichtigsten Handlungsorte umfasst, ist genauso enthalten wie eine Erläuterung zu den Ortsnamen sowie ein Nachwort zu den tatsächlichen historischen Ereignissen.

Fazit
Auch der zweite Band der Reihe ist sehr lesenswert, wenn man einen spannenden Roman über die Zeit Alfreds des Großen und den Beinahe-Untergang des angelsächsischen Englands lesen mag und man auch gerne über Kriegshandlungen liest. Man sollte jedoch zwingend mit dem ersten Band beginnen, da die Romane aufeinander aufbauen und die Handlung nahtlos fortgeführt wird.

Martha Sophie Marcus – Herrin des Nordens

AutorMartha Sophie Marcus
TitelHerrin des Nordens
Seitenzahl764
VerlagGolmann
ISBN978-3-442-48106-4
Bewertung

Inhalt
Haithabu, 1044: Die vierzehnjährige Ingunn ist die Tochter des angesehenen Händlers Sigmund. Wie ihr Vater glaubt auch sie an die alten Götter, während ihre Mutter Godelind sich den Christen angeschlossen hat, was gelegentlich zu Unfrieden im Haus führt.
Als eines Tages die Brüder Torge und Jostein aus England eintreffen, verliebt sich Ingunn in den nur wenig älteren Torge. Das Mädchen überglücklich, als dieser um ihre Hand anhält, doch Torge und Jon stehen im Dienst des Jarls von Northumbria, viele Meilen entfernt.
Um Ingunn, sein einziges überlebendes Kind, abzusichern, beschließt Sigmund, sie als Nachfolgerin auszubilden.
Doch der kleinen Stadt Haithabu stehen unruhige Zeiten bevor…

Meine Meinung
Mit diesem Roman beschäftigt sich Martha Sophie Marcus mit dem Schicksal der Stadt Haithabu, die immer wieder Opfer von Überfällen wurde. Anhand fiktiver Personen schildert sie, wie die Menschen in dieser Zeit des Umbruchs gelebt haben.
Der Schwerpunkt liegt hier zu Beginn klar auf dem Alltag, der Verbreitung des Christentums und den damit einhergehenden kleinen und großen Konflikten, aber mit Fortschreiten der Handlung verlagert sich dies hin zu politischen Entscheidungen und der einen oder anderen Kampfhandlung. Auch eine Liebesgeschichte kann man erwarten, und auch wenn diese für die Handlung doch sehr wichtig ist, so ist sie nicht der Dreh- und Angelpunkt des Romans.
Dabei hangelt sich die Autorin an den historischen Ereignissen entlang, an denen die Hauptpersonen nicht selten direkt beteiligt sind, auch zögert sie nicht, die eine oder andere überlieferte Anekdote über reale Charaktere einzubringen. Es empfiehlt sich, ein wenig Vorwissen über diese Zeit mitzubringen, da doch recht viele historische Persönlichkeiten am Rande erwähnt werden, ohne dass genauer auf sie eingegangen wird.
Die meiste Zeit beschreibt die Autorin Ingunns Erlebnisse, gelegentlich zeigt sie aber auch, wie es Jostein gerade ergeht. Dabei werden nur die Dinge beschrieben, die die beiden Personen auch tatsächlich mitbekommen, was andernorts geschieht wird ausgelassen. Es kommt auch zu der einen oder anderen grausamen Szene, doch anstatt diese in allen Details zu beschreiben, geht Martha Sophie Marcus sehr sparsam mit diesen Beschreibungen um und deutet die schlimmen Dinge nur an. Dies hat mir gut gefallen, insbesondere, da diese Szenen alle für den weiteren Verlauf der Handlung wichtig sind und nicht bloß aufgepfropft wirken.
Während die Handlung zu Beginn recht dicht beschrieben ist und wenige Wochen oder Monate zwischen den einzelnen Kapiteln liegen, werden gen Ende hin die zeitlichen Abstände zwischen den Kapiteln immer länger, ganze Jahre werden übersprungen. Insbesondere die letzten zweihundert Seiten haben sich so etwas gezogen, hatte ich doch den Eindruck, dass der Roman eigentlich schon vorbei sein könnte, wenn nicht ein bestimmtes Ereignis am Ende des Romans hätte stehen sollen.
Hauptperson ist Ingunn, zu Beginn vierzehn Jahre alt, die als Tochter eines reichen Händlers sehr viele Freiheiten genießt. Im Haushalt hilft sie ungern mit, was auch daran liegt, dass ihre Mutter Godelind, inzwischen Christin, sich anscheinend jede Freude versagt und versucht, Ingunn ihren Glauben aufzudrängen. Sie ist sehr offen und spricht aus, was ihr gerade in den Sinn kommt, und auch in anderen Menschen zieht sie Offenheit vor.
Jostein, genannt, Jon, ist genau das Gegenteil von Ingunn. Er ist in sich gekehrt und denkt viel über seine Handlungen und die anderer Leute nach. Als Kämpfer ist er nicht zu verachten, doch seine Fähigkeit, sich nach außen hin bedeckt zu geben, qualifiziert ihn für ganz andere Tätigkeiten.
Neben diesen gibt es noch viele anderen Haupt- und Nebenfiguren – das Personenregister mit Erläuterungen umfasst etwa fünfeinhalb Seiten. Stereotype Darstellungen sucht man hier jedoch weitestgehend vergebens, nur wenige Charaktere sind einseitig gezeichnet, und der eine oder andere zeigt dann doch noch ein anderes Bild von sich.
Neben dem Personenregister weist das Buch noch weitere Zusatzausstattung auf. So ist vorne eine Karte enthalten, hinten findet sich zudem ein Glossar sowie ein Nachwort zu den historischen Ereignissen nach Ende des Buches sowie Erläuterungen zur Entstehung des Romans.

Fazit
Ein wunderschöner Roman, der mich, mit kleinen Abstrichen, wunderbar unterhalten und dabei nebenbei auch ein wenig über die Geschichte der Stadt Haithabu informiert hat.

Robert Lyndon – Schwert und Feuer

AutorRobert Lyndon
TitelSchwert und Feuer
OriginaltitelImperial Fire
ÜbersetzerLeonard Thamm
SerieHawk Quest Band 2
Seitenzahl704
VerlagWunderlich
ISBN978-3-8052-5076-4
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Der Thron der Welt!

Inhalt
Byzanz, 1081: Der Franke Vallon, Anführer einer Kampftruppe des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos, erlangt dessen Aufmerksamkeit, nachdem er sein Leben gerettet hat.
Zum General befördert, wird er nun auf eine diplomatische Mission geschickt, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt zu sein scheint: Er soll nach China reisen und dort das Rezept für das sogenannte Donnerkraut, eine gefährliche Waffe, beschaffen.
Doch Vallon ist nicht alleine, seine Gefährten Wayland und Hero, die mit ihm schon um die halbe Welt gereist sind, schließen sich auch dieser Mission an. Und dann ist da noch Lucas, Vallons totgeglaubter Sohn aus erster Ehe, der sich nicht zu erkennen gibt und noch eine Rechnung mit seinem Vater offen hat…

Meine Meinung
Mit Schwert und Feuer hat Robert Lyndon eine Fortsetzung zu Der Thron der Welt geschrieben. Auch wenn dieser zweite Band etliche Jahre nach dem ersten spielt und nicht direkt an ihn anschließt, würde ich nicht dazu raten, ihn ohne den ersten Band zu lesen, denn es wird nahezu vollständig auf eine Einführung der Hauptcharaktere verzichtet. Es wird einfach vorausgesetzt, dass man weiß, wer sie sind und welche Rolle sie im ersten Band gespielt haben, ihre Vergangenheit und die gemeinsamen Erlebnisse werden immer mal wieder kurz angesprochen, ohne, dass es konkret wird und man sich dadurch ein Bild machen könnte.
Trotz der etwa acht Jahre, die zwischen den beiden Romanhandlungen liegen, macht der Autor da weiter, wo er aufgehört hat. Wieder gibt es eine nahezu aussichtslose Reise ins Ungewisse, während der die Gruppe immer wieder in Schwierigkeiten gerät.
Wie schon im ersten Band fällt es mir hier schwer, die Hauptpersonen richtig zu charakterisieren, denn so wirklich viel Persönlichkeit zeigt kaum einer von ihnen. Vallon ist noch immer der Sturkopf, der einfach seinen Weg geht und dabei auch mal die falsche Entscheidung trifft, Hero ist der Gelehrte, der in den acht Jahren sein Wissen erweitert hat und nun zur Anwendung bringt, und Wayland ist der einfühlsame Gefährte, der trotzdem oder auch gerade deswegen Probleme ganz unvorhergesehener Art bekommt. Mit am interessantesten ist wohl Lucas, die heimliche Hauptperson dieses Romans, dessen Mission von Beginn an klar ist, der sich aber nicht unbedingt als Sympathieträger anbietet.
Bis auf ein paar wenige Offiziere bleiben die meisten Söldner aus Vallons Truppe anonym, so dass mich nicht groß berührt hat, wenn hier jemand desertiert oder dort ums Leben gekommen ist, und das war nicht selten der Fall, schließlich geht die Reise durch schwierige Gebiete, und immer wieder muss sich die kleine Kampfeinheit gegen feindliche Soldaten oder gegen die Elemente zur Wehr setzen. Manchmal war mir das dann schon ein wenig eintönig, hat sich das eine oder andere doch wiederholt, dafür gab es dann andere Stellen, die über diese repetitiven Handlungen hinweggetröstet haben. Und auch das geheimnisvolle Reich, das im ersten Band bereits erwähnt wird, spielt wieder eine Rolle, so dass es einen größeren Zusammenhang zwischen den beiden Bänden der Reihe gibt.
Insgesamt hat mir die Handlung des Romans gut gefallen, die Reise selbst war spannend und dabei auch überwiegend glaubwürdig beschrieben, auch wenn ich nicht beurteilen kann, ob der historische Kontext stimmig ist. Manche Nebenstränge der Handlung werden ein wenig schnell abgeschlossen, doch ist dieses Buch auch so umfangreich genug.
Das Ende kam mir dann allerdings wieder ein wenig zu schnell. War der erste Band noch in sich abgeschlossen und ließ die Möglichkeit der Fortsetzung offen, kann man hier von einem regelrechten Cliffhanger reden. Noch konnte ich keine Informationen über einen möglichen Nachfolger finden, doch wäre der hier unbedingt notwendig.
Leider konnte mich der Schreibstil oder vielmehr die Übersetzung nicht völlig überzeugen. Während der erste Band noch von Karolina Fell übersetzt wurde, war hier Leonard Thamm am Werk, der mir bisher völlig unbekannt war. Besonders hat es mich irritiert, dass Vallon hier immer mit „Sir“ angesprochen wurde. Im englischen Original mag diese Anrede die passende sein, aber warum sollte ein Wikinger einen Franken in Byzanz so betiteln? Auch Meter und Grad (Celsius) haben in einem Roman, der im 11. Jahrhundert spielt, nichts verloren, und ich bezweifle, dass sie im Original so zu finden sind, und diverse andere Begriffe kamen mir ebenfalls fehl am Platz vor. Kann man über diese Punkte hinweg sehen, ist der Roman flüssig zu lesen.
Ergänzt wird der Roman noch, wie bereits der Vorgänger, durch eine kurze Chronologie der Ereignisse vor und zum Teil auch während der Romanhandlung sowie eine Karte, auf der die Hauptpunkte der Reise zu finden sind. Auf ein Nachwort zum historischen Kontext wurde leider verzichtet, so dass unklar ist, inwiefern der Romaninhalt nun pure Fiktion und wo vielleicht ein Körnchen Wahrheit enthalten ist.

Fazit
Lässt man die Defizite der Übersetzung außen vor, so ist auch dieser Roman wieder sehr unterhaltsam, die Reise spannend beschrieben, wenn er auch nicht ganz an den Vorgänger heranreicht. Große Gefühle sollte man nicht erwarten, dafür wird man in Gegenden entführt, die man sehr selten in historischen Romanen betritt.

Vielen Dank an den Wunderlich-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Jonas Herlin – Krieger des Nordens

AutorJonas Herlin
TitelKrieger des Nordens
Seitenzahl479
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-7341-0189-2
Bewertung

Inhalt
Niederrhein, 842: Eine Horde Wikinger überfällt die Stadt Xanten und besetzt diese, unter ihnen der Jarl Grimr Schädelspalter mit seinen beiden Söhnen Olav und Thorbrand. Doch Grimr will mehr Beute machen und beschließt, mit seinen Leuten die Gruppe zu verlassen und nach Novaesium zu fahren. Durch die Unruhen im Reich, herbeigeführt durch den Erbstreit der Söhne Ludwigs des Frommen, können die Wikinger ungehindert den Rhein befahren.
Doch auch zwischen den Halbbrüdern Olav und Thorbrand herrscht Unfriede, denn Olav, der lieber plant als sich in einen unnötigen Kampf verwickeln zu lassen, möchte gerne die Nachfolge seines Vaters antreten, doch dieser scheint Thorbrand zu bevorzugen…

Meine Meinung
Krieger des Nordens ist der erste Roman von Jonas Herlin. Leider wird hier im Klappentext wieder extrem weit vorgegriffen, große Teile der erwähnten Handlung finden erst etwa nach der Hälfte des Romans, zum Teil erst wenige Seiten vor Schluss statt, weshalb ich dazu raten würde, den Klappentext nicht zu lesen!
Es handelt sich um einen dieser Romane, in denen die Themen Krieg und Eroberung, Missgunst und Verrat eine große Rolle spielen, während Romantik überhaupt nicht vorkommt. Zwar gibt es im Roman einige wenige Frauen, doch wird keine einzige mit Namen genannt.
Im Zentrum der Geschichte steht der Bruderzwist, wobei dieser hauptsächlich von einer Seite ausgeht.
Die Halbbrüder Olav und Thorbrand sind am selben Tag geboren, und da niemand sagen kann, wer der ältere ist, stehen sie in Konkurrenz um die Nachfolge ihres Vaters zueinander.
Thorbrand, der Sohn einer fränkischen Sklavin, der im Christentum unterwiesen wurde und auch die deutsche Sprache spricht, ist seinem Vater sehr ähnlich. Beide stürzen sie sich in den Kampf, wenn es denn gefordert ist, sie sind immer unter ihren Männern, doch Thorbrand lässt sich auch leicht erregen und ist dann in seinem Zorn nicht aufzuhalten. Olav dagegen ist bedächtiger, nachdenklicher. Er bestreitet seine Kämpfe lieber in den hinteren Reihen, um strategisch dort eingreifen zu können, wo es nötig ist. Obwohl seine Pläne oft aufgehen und er sich auf die Unterstützung der Sippe seiner Mutter verlassen kann, ist es doch die Anerkennung seines Vaters, die ihm fehlt.
Wider Erwarten ist es nicht Olav, der hier der Sympathieträger des Romans ist, sondern Thorbrand, der unter den intriganten Art seines eifersüchtigen Bruders gelegentlich zu leiden hat.
Neben den beiden Hauptpersonen gibt es noch zahlreiche Nebencharaktere, die nicht nur einen Namen, sondern tatsächlich auch Ansätze von Persönlichkeit haben, was man bei anderen Romanen dieser Art nicht immer vorfindet. Allerdings fand ich so manche Charaktereinführung ein wenig holprig und nicht ganz elegant gelöst.
Erfreulicherweise wird auf die Einteilung der Charaktere in gut und böse verzichtet, was auch den verwirrenden politischen Zuständen geschuldet ist.
In dem Roman gibt es, wie bereits erwähnt, zahlreiche Kämpfe. Diese sind oft recht kurz beschrieben und beschränken sich auf die wichtigsten Handlungen, dennoch sollte man blutigen Beschreibungen etwas abgewinnen können. Für meinen Geschmack waren manche der Kämpfe auch ein wenig zu glücklich, wenn dann sechs Männer gegen einen kämpfen und der einzelne Krieger gewinnt.
Den historische Hintergrund liefert der Bruderzwist unter den Erben Ludwigs des Frommen, in deren Länder die Wikinger einfallen. Hintergrundinformationen über die Zusammenhänge erfährt der Leser zusammen mit Thorbrand, allerdings fand ich Thorbrands Abenteuer, während dessen er diese Informationen erhält, ein wenig aufgesetzt, als würde diese Reise nur stattfinden, damit der Leser diese Informationen erhalten kann.
Während die politischen Zusammenhänge anscheinend recht gut recherchiert wurden, haben mich doch ein paar Ungereimtheiten und Fehler in anderen Bereichen enttäuscht, beispielsweise die teuren Glasfenster in den kleinen Klosterkirchen oder scharf gewürztes Essen, um Fäulnis zu überdecken.
Neben einem Nachwort zum historischen Kontext ist das Buch mit einer Karte ausgestattet. Leider ist diese so gestaltet, dass gerade die wichtigsten Handlungsorte genau in der Mitte und somit in der Falz des Buches liegen, so dass sie wenig hilfreich ist.

Fazit
Der Debütroman von Jonas Herlin ist nicht frei von Schwächen, insbesondere bei der Einführung der Charaktere und der Art und Weise, wie der historische Hintergrund dargestellt wird, kann dafür jedoch in anderen Bereichen punkten. Wer Romane von Bernard Cornwell und Robert Low mag, könnte auch hier seine Freude haben, wer jedoch zumindest ein wenig Romantik benötigt, sollte die Finger von diesem Buch lassen.

Nachtrag, ein knappes Jahr später: Ich habe kürzlich erfahren, dass Jonas Herlin ein Pseudonym des Autors Alfred Bekker ist. Bekker hat schon sehr viele Romane veröffentlicht, so dass alle meine Anmerkungen zum Debütroman Herlins hinfällig sind, auch Fehler wie die genannten sollten einem versierten Verfasser historischer Romane nicht unterlaufen. Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich eine andere Wertung gegeben, ich lasse die Rezension jetzt dennoch so stehen, wie sie ist, da sie meinen damaligen Eindruck widerspiegelt.

Vielen Dank an den Blanvalet-Verlag und Literaturschock für das Rezensionsexemplar!