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Simon Beaufort – Das Geheimnis der Heiligen Stadt

AutorSimon Beaufort
TitelDas Geheimnis der Heiligen Stadt
OriginaltitelMurder in the Holy City
ÜbersetzerLinda Budinger, Alexander Lohmann
SerieGeoffrey Mappestone Band 1
Seitenzahl397
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-15344-2
Bewertung

Inhalt
Jerusalem, 1100: Nach der Eroberung der heiligen Stadt durch die Teilnehmer des Kreuzzugs ist der Friede lange nicht gesichert, denn die verschiedenen Gruppierungen stehen einander ablehnend gegenüber. Immer wieder kommt es zu tödlichen Konflikten zwischen den Parteien.
Als relativ kurz hintereinander zwei Mönche und zwei Ritter mit ähnlichen Waffen umgebracht werden, wird Geoffrey Mappestone, ein anglo-normannischer Ritter und Freund eines der Ermordeten, von seinem Herrn Tankred de Hauteville mit der Aufklärung der Verbrechen betraut. Doch auch der Vogt und der Patriarch der Stadt sind daran interessiert, den Schuldigen zu fassen, könnte eine Fortführung der Verbrechen doch weitreichende Folgen haben.
Schon bald stößt Geoffrey auf die ersten Unstimmigkeiten…

Meine Meinung
Das Geheimnis der heiligen Stadt ist der Auftakt einer bisher achtbändigen Reihe, deren erste fünf Bände ins Deutsche übersetzt wurden. Hinter dem Pseudonym Simon Beaufort verbergen sich die Autorin Elizabeth Cruwys, besser bekannt als Susanna Gregory, und ihr Mann Beau Riffenburgh.
Wie so viele historische Krimis ist auch dieser Auftaktband nicht besonders umfangreich. Mit nicht einmal 400 Seiten bleibt nicht besonders viel Raum, neben der Krimihandlung auch noch Hintergrundinformationen über die beschriebene Zeit und die politischen Umstände einzustreuen. So waren mir die historischen Personen Bohemund und Tancred zwar durchaus bekannt, dies dürfte jedoch kaum auf alle Leser zutreffen. Regelrecht verwirrend waren für mich die Personen des Vogts und des Patriarchen, deren Rollen mir alleine durch die Lektüre des Romans nicht klar waren. Hier musste ich extern recherchieren, warum es zwischen den verschiedenen Parteien überhaupt Konflikte gab.
Die handelnden Personen entsprechen recht einfach gehaltenen Stereotypen. Da wäre zunächst der gebildete Geoffrey mit seinen doch recht modernen Einstellungen. Er ist eigentlich nur im Heiligen Land, weil es für ihn in seiner Heimat keine Zukunft gibt und sich hier die Möglichkeit ergibt, neue Sprachen und Kulturen kennenzulernen. Er ist sogar so gescheit, dass er von mehreren Fraktionen, sogar von denen, die ihm ablehnend gegenüberstehen, mit der Aufklärung des Falles betraut wird. Und natürlich ist er nicht nur klug, sondern kann auch noch sehr gut mit dem Schwert umgehen.
Ihm zur Seite stehen der tumbe Roger, der geistig recht schwerfällig, im Kampf aber unschlagbar ist, und der gescheite Hugo, der gegen seinen Willen in den Fall hineingezogen wird. Und dann gibt es da noch die griechische Witwe Melissande, die offensichtlich etwas zu verbergen hat…
Die Handlung des Krimis an sich konnte mich nicht völlig überzeugen. Es gibt diverse falsche Fährten, die für mich jedoch recht offensichtlich waren, so dass ich schon recht früh eine Ahnung hatte, wer in den Mordfall verwickelt sein könnte. Andere Stellen sind doch sehr konstruiert und weit hergeholt, stellenweise ist die Handlung dann auch nicht ganz logisch. Und natürlich nimmt sich an entsprechender Stelle der Mörder die Zeit, seine Motive haarklein darzulegen, damit auch jeder versteht, warum er so und nicht anders handeln musste. Dennoch war der Krimi nicht uninteressant und konnte mich stellenweise regelrecht fesseln, selbst wenn es nur darum ging, zu überprüfen, ob ich mir meiner Vermutung richtig gelegen hatte.
Das Ende kommt dann ziemlich abrupt und konnte mich dann doch noch überraschen. Die eher unglaubwürdige Handlung wird noch gedreht, so dass das Ergebnis der Historie entspricht.
Im Buch enthalten sind grobe geschichtliche Nachbemerkungen, die ein wenig Einblick über die tatsächliche Lage in Jerusalem um das Jahr 1100 geben. Dies ist positiv anzumerken, denn dies war zu dem Zeitpunkt, zu dem der Roman erstmals erschienen ist, keineswegs üblich.

Fazit
Ein historischer Krimi, den man lesen kann, aber nicht muss. Ein wenig Vorwissen über Jerusalem kurz nach der Eroberung durch den Ersten Kreuzzug wäre nicht verkehrt, um den Überblick über die Personen zu behalten.

Jack Whyte – Der Schatz des Blutes

AutorJack Whyte
TitelDer Schatz des Blutes
OriginaltitelKnights of the Black and White
ÜbersetzerBarbara Schnell
SerieDie Templer Band 1
Seitenzahl604
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36347-6
Bewertung

Inhalt
Payens, 1088: Kurz nach seinem achtzehnten Geburtstag wird Hugh de Payens Mitglied einer geheimnisvollen Bruderschaft, die sich Orden der Wiedergeburt in Sion nennt. In den folgenden Jahren widmet er sich den Studien der geheimen Schriften, die von der Bruderschaft aufbewahrt werden und eine unbequeme Wahrheit enthalten.
Als der Papst wenige Jahre später zur Befreiung Jerusalems aufruft, sind Hugh und seine Freunde unter den ersten, die – im Auftrag ihres Ordens – das Kreuz nehmen. Doch der Kreuzzug verläuft anders, als Hugh erwartet hätte, und die Dinge, die er gesehen und erlebt hat, prägen ihn auf lange Zeit…

Meine Meinung
Erwartet hatte ich einen spannenden, dabei aber auch halbwegs glaubwürdigen Roman über Hugues des Payens – hier Hugh genannt -, über den ersten Kreuzzug, die Gründung des Templerordens und die Gründe dafür, gepaart mit Theorien um den geheimnisvollen Schatz der Templer. Davon ist hier aber leider wenig zu finden.
Der Anfang ist dabei noch recht spannend. Anschaulich wird die Initiation in den Geheimbund beschrieben, Hugh und seine Freunde charakterisiert. Doch schon bald darauf lässt die Spannung nach, stattdessen wird eine der größten Schwächen des Romans deutlich: Der Schreibstil, der Aufbau der Handlung, die gesamte Gliederung scheinen undurchdacht.
Es werden immer wieder Szenen beschrieben, die für die Handlung nebensächlich sind und überhaupt keinen Einfluss auf das weitere Geschehen haben. Es gibt große zeitliche Sprünge in der Handlung, über einige ausgewählte Ereignisse, die oft ebenfalls nebensächlich sind, wird man rückblickend informiert. Zusätzlich gibt es immer wieder Informationsblöcke, die die Romanhandlung unterbrechen und so fast jeden Ansatz von Spannung unterbinden. Auch auf unnötige Wiederholungen stößt man regelmäßig.
Nach etwa einem Viertel des Buches beginnt der Roman endlich, doch noch Spannung aufzubauen, endlich geht es um das Thema, über das ich lesen wollte, nämlich Hughs Erlebnisse in Jerusalem, die zur Gründung des Ordens der Tempelritter führen. Doch urplötzlich, mit der Einführung eines jungen Ritters, verschiebt sich der Schwerpunkt weg von den Templern hin zu den sexuellen Fantasien einer mächtigen Frau. Plötzlich stehen nicht mehr Hugh und der Orden im Mittelpunkt, sondern die Erlebnisse von Stephen St. Clair, eben jenem jungen Ritter, die recht wenig mit Hugh und seinen Freunden zu tun haben.
Am Ende hatte ich das Gefühl, dass dieser Handlungsbogen, der über etwa die Hälfte des Romans verläuft, nur zum Füllen der Seiten gedacht war, denn für mich wirkt er aufgesetzt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er zur Geschichte des Templerordens etwas beigetragen hätte.
Die Personen bleiben größtenteils blass. Hughs Freunde, die zu Beginn ausführlich charakterisiert wurden, verkommen schon sehr bald zu unwichtigen Randfiguren, die nur durch die gelegentliche Nennung des Namens präsent bleiben. Für die weiteren Gründungsmitglieder gilt dies umso mehr, da diese nie näher beschrieben werden. Einzig Hugh und ab der Mitte dann Stephen St. Clair werden ein wenig charakterisiert, doch zu wenig, um sie menschlich erscheinen zu lassen.
Die Theorie, die hier aufgestellt wird und in der es um die Vorfahren der Templer geht, finde ich sehr abwegig, insbesondere, da sie im Verlauf des Romans eigentlich selbst widerlegt wird.

Fazit
Aus dem Thema hätte man so viel machen können, bietet es doch genügend Freiraum für Spekulationen und viele Möglichkeiten für eine spannende Geschichte. Stattdessen handelt es sich um eine plumpe Darstellung einer abstrusen Theorie, die mit stilistischen Schwächen aufwartet und kaum Spannung aufkommen lässt. Schade!