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Cecelia Holland – Im Tal der Könige

AutorCecelia Holland
TitelIm Tal der Könige
OriginaltitelValley of the Kings
ÜbersetzerMarie Henriksen
Seitenzahl255
VerlagWeltbild
ISBN978-3-89897-151-5
Bewertung

Inhalt
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist der englische Archäologe Howard Carter von dem Gedanken besessen, als erster das Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun zu finden. Doch immer wieder stehen ihm Hindernisse im Weg: Erst fehlt ihm Geld, dann haben andere Archäologen das Grabungsrecht im Tal der Könige, und dann bricht auch noch der Krieg aus.
Ca. 3300 Jahre zuvor wird der ägyptischer Steinmetz Hapure damit beauftragt, in aller Heimlichkeit im Tal der Könige ein Grab zu verschließen. In den darauffolgenden Monaten hat das ägyptische Volk unter dem ausbleibenden Nilhochwasser zu leiden, was zu einer großen Hungersnot führt. Der jugendliche Pharao Tutanchamun und seine Frau und Nichte Anchesenamun versuchen auf unterschiedliche Weise, mit der Situation umzugehen.

Meine Meinung
Mit gerade einmal 250 Seiten handelt es sich um ein sehr dünnes Buch, insbesondere für einen historischen Roman, bei dem ich schon vor Beginn die Befürchtung hatte, dass die Beschreibung der Charaktere und die Geschichte selbst auch zu kurz kommen könnte. Da es sich hier im Endeffekt um zwei voneinander unabhängige Geschichten handelt, hat sich diese Befürchtung bestätigt.
So bleibt Howard Carter sehr blass, man erfährt wenig über ihn und die Gründe, die in antreiben. Das Bedürfnis nach Ruhm scheint der einzige Grund zu sein, weshalb er sich überhaupt für dieses bestimmte Grab interessiert. Dabei wurde er mir im Laufe der Geschichte aufgrund seiner Vorgehensweise immer unsympathischer. Gerade, als diese Geschichte spannend zu werden scheint, endet sie sehr abrupt. Ohne Hinweis wird ab dem nächsten Kapitel in die Vergangenheit gewechselt, obwohl die erste Geschichte meiner Meinung nach noch gar nicht abgeschlossen ist. Und so habe ich im weiteren Verlauf des Romans immer wieder darauf gewartet, wieder ins 20. Jahrhundert zurückzukehren, was aber nicht der Fall ist.
Stattdessen wird eine Geschichte um die Grablegung Echnatons und den Tod Tutanchamuns konstruiert, die von Verschwörung, Hass und Gier getragen wird. Hier gibt es nicht die eine Hauptperson, stattdessen wird zwischen mehreren Personen, historisch belegten und erfundenen, hin- und hergesprungen.
Da Zeitangaben völlig fehlen, ist nicht ersichtlich, wie viel Zeit genau vergeht. Mir kam es so vor, als wären von Beginn zum Ende dieser Geschichte nur wenige Monate vergangen, wahrscheinlich werden es aber eher Jahre sein.
Die Geschichte um den Steinmetz Hapure und seinen Freund, den Tagelöhner Sennahet, wirkt stark konstruiert und endet wie auch schon die erste Geschichte sehr abrupt und ohne richtiges Ende.
Dass der Roman aus einer Begegnung der Autorin mit dem Sohn Carters entstanden ist, der ihr ein wenig über seinen Vater erzählt hat, hätte ich nicht erwartet, dafür ist er mir ein wenig zu oberflächlich und unpersönlich geschrieben.
Der Roman ist bereits in den 1970ern erstmalig erschienen. Seitdem hat sich in der Forschung einiges getan, inzwischen ist bekannt, dass die Verwandtschaftsverhältnisse der Pharaonen untereinander, wie in dem Roman beschrieben, wohl nicht den Tatsachen entsprechen.

Fazit
Nicht besonders empfehlenswert, weil beide Geschichten im Nichts enden und der Roman inhaltlich überholt ist. Wenn man das Buch zur Unterhaltung liest, wird dies nicht weiter stören, nur sollte man sich dessen einfach bewusst sein. Als Einstieg über die Forschung Carters ist der Roman aber durchaus lesbar.

Philipp Vandenberg – Der Gladiator

AutorPhilipp Vandenberg
TitelDer Gladiator
Seitenzahl367
VerlagBastei Lübbe
ISBN3-404-15209-3
Bewertung

Inhalt
Römisches Reich, etwa 31 nach Christus: Den siebzehnjährige Kesselflicker Gaius Vitellius zieht es auf der Suche nach Arbeit nach Rom. Doch noch bevor er die Stadt ganz erreicht hat, begegnet er der Prostituierten Lycisca, die ihn zu einer Festlichkeit zu Ehren der Gladiatoren einlädt, die am nächsten Tag kämpfen werden. Dort trifft er auf Verritus, der ihn bittet, seiner Tochter im Falle seines Todes eine Nachricht zu übermitteln.
Als Vitellius erfährt, dass Lycisca nicht die ist, die sie zu sein vorgibt, ergreift er die Flucht. Doch schon am nächsten Tag wird er gefasst und dazu gedrängt, sich selbst den Gladiatoren anzuschließen. Da er darin eine Möglichkeit sieht, zu Geld zu kommen, nimmt er das „Angebot“ an.
Dass er protegiert wird, verschafft ihm allerdings Feinde, und schon bald sieht er sich in die Intrigen der Großen und Mächtigen verwickelt.

Meine Meinung
Lange habe ich schon keinen so schlechten Roman mehr gelesen, und durchgelesen habe ich ihn auch nur, weil er mit 367 Seiten recht dünn ist, sonst hätte ich nach spätestens der Hälfte abgebrochen.
Die Charaktere bleiben durchgängig blass, selbst Vitellius als Hauptperson zeigt kaum Tiefe. Viele Personen werden nur eingeführt, um wenige Seiten später an einem kurzen Ereignis teilzunehmen und gleich darauf wieder zu verschwinden. Hier hätte es in meinen Augen keine so ausführliche Einführung gebraucht.
Viele Frauen, mit denen der Gladiator zusammentrifft, sind Charaktere, die ich absolut unglaubwürdig finde. Sie sind lüstern und werfen sich an Vitellius‘ Hals oder reden nach zwei Gesprächen von der Großen Liebe. Selbst eine Vestalin ist dagegen nicht gefeit, obwohl sie weiß, dass ihr im Falle der Unkeuschheit die Todesstrafe droht.
Jahresangaben gibt es keine, dass der Roman gut 30 Jahre umfasst merkt man nur an den politischen Ereignissen im Hintergrund. Wer sich damit auskennt könnte wissen, in welchem Jahr man sich in etwa befindet. Für alle anderen wird gelegentlich Vitellius‘ aktuelles Alter genannt. Wann bzw. zwischen welchen Kapiteln nun genau Zeitsprünge stattfinden und wie groß diese jeweils sind wird nicht klar, was in den Jahren dazwischen passiert bleibt unerwähnt.
Die politischen Hintergründe werden zwar angerissen, doch konnte ich mir das Ausmaß der Entscheidungen, beispielsweise die Christenverfolgung unter Nero, nicht vorstellen, zu oberflächlich ist die Beschreibung geblieben.
Spannung ist in meinen Augen kaum vorhanden. Wenn es denn mal gefährlich wurde, war die Gefahr nur wenige Seiten später auch schon wieder gebannt, und so reiht sich ein Ereignis an das vorherige, eine Szene an die andere. Einzig die Suche nach Rebecca wird hin und wieder aufgegriffen, doch diesen Handlungsstrang fand ich dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass er mir gar nicht zugesagt hat. Die Auflösung war dafür, dass Rebecca ja so wichtig in Vitellius‘ Leben war, viel zu knapp.
Das Ende kam dann auch sehr abrupt und trocken, der letzte Satz hätte auch aus einem Sachbuch stammen können.

Fazit
Dass das Buch nicht mehr im Handel erhältlich ist hat wohl seinen Grund, denn empfehlen kann ich diesen Roman wirklich nicht. Viel Gemetzel, viele lüsterne Frauen, dabei nicht viel Spannung. Finger weg!