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Robyn Young – Die Blutsfeinde

AutorRobyn Young
TitelDie Blutsfeinde
OriginaltitelRequiem
ÜbersetzerNina Bader
SerieBrethren-Trilogy Band 3
Seitenzahl703
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36659-0
Bewertung

Achtung: Enthält Spoiler zu Die Blutschrift und Die Blutritter!

Inhalt
Frankreich, 1295: Nach dem Fall von Akkon treibt den Tempelritter William Campbell nur noch eines: Die Rache an König Edward, dem Will die Schuld am Tod einiger geliebter Menschen gibt und der in das Geheimnis der Anima Templi, der geheimen Bruderschaft innerhalb des Tempels, eingeweiht ist. Doch außer Will weiß niemand, wie sehr Edward tatsächlich in finstere Machenschaften verwickelt ist, schließlich hat er über Jahre hinweg seine eigenen Geheimnisse verborgen gehalten.
Doch dann bittet Edward die Templer, ihn in seinem Kampf gegen die Schotten zu unterstützen, einen Kampf Christen gegen Christen in Wills Heimat. Als der Orden zustimmt, muss Will eine wichtige Entscheidung treffen…

Meine Meinung
Die ersten beiden Bände um den fiktiven Tempelritter William Campbell, der zudem auch noch Mitglied einer geheimen Bruderschaft ist, konnten mich beim Lesen mitreißen, beide habe ich nicht nur ein Mal mit Begeisterung gelesen. Dieser dritte Band dagegen hat mir zwar immer noch gefallen, kann aber nicht vollständig mithalten.
Geschichtlich gesehen beschreibt der Roman eine interessante Zeit, zum einen die letzten Jahre der Tempelritter, zum anderen die schottischen Unabhängigkeitskämpfe unter William Wallace und Robert Bruce, und Will, als Templer schottischer Herkunft, steckt hier mitten drin. Und genau darin liegt auch eine der Schwächen des Romans: Der Versuch, die Brücke zwischen beiden Ereignissen zu schlagen, gelingt der Autorin nicht vollständig, weil unweigerlich zu Vieles auf der Strecke bleiben muss. So bekommt man viele Dinge nur nebenbei mit, wer sich mit der Zeit beschäftigt hat kann die Lücken mit Ereignissen füllen, wer sich jedoch nicht auskennt, wird sich möglicherweise häufiger fragen, wie es jetzt dazu gekommen ist.
Will Campbell ist inzwischen nahezu fünfzig Jahre alt, ein gestandener Mann und erfahrener Kämpfer, und trotzdem ist er noch immer ein Hitzkopf wie zu seiner Jugend. Und so lässt er sich zu einer unüberlegten Tat hinreißen, die sein weiteres Leben in eine ganz andere, unerwartete Richtung lenkt. Trotzdem ist er noch derselbe wie in den Vorgängern, er versucht auf seine eigene Weise, Unheil abzuwenden und kann sich nicht von der politischen Spielwiese zurückziehen. Nicht wenige seiner Entscheidungen waren mir hier zu übertrieben, scheint er doch alleine gegen zu viele Mächtige kämpfen zu wollen.
Intrigen, Spionage und politische Verwirrungen kommen in diesem Roman nicht zu kurz, Will ist mal hier, mal da beschäftigt, und immer wieder steht er auch in Kontakt zu alten Freunden. Die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Szenen sind dabei nicht immer klar, besonders wenn man ohne Vorkenntnisse dieser Zeit an diesen Roman herangeht, könnte es sehr verwirrend werden.
Mehr als ein Mal gerät Will in Gefangenschaft, für meinen Geschmack zu oft, zudem er meist nur durch viel Glück entkommen kann.
Die geheime Bruderschaft Anima Templi, deren Kopf Will zwischenzeitlich war und die er bald verlässt, spielt in diesem Roman eine wichtige Rolle. Wer die vorherigen Bände nicht kennt, könnte möglicherweise seine Schwierigkeiten mit dieser Geheimgesellschaft haben, wird doch kaum auf die ersten beiden Bände Bezug genommen. Aus diesem Grund würde ich nicht empfehlen, diesen dritten Band für sich zu lesen.
Der Schreibstil ist angenehm, die Übersetzung von Nina Bader wie gewohnt gut zu lesen. Allzu blutige Beschreibungen findet man hier nicht vor, doch sollte man sich bewusst sein, dass auch hier Krieg ein wichtiges Thema ist, selbst wenn ein Großteil der Handlung sich eher auf der politischen Ebene abspielt. Romantik wird man dagegen kaum vorfinden, auch wenn hier und da kleinere Andeutungen erkennbar sind.
Der Roman wird durch etliche Zusatzmaterialien abgerundet. So findet man vorne eine Europakarte, die grob die wichtigsten Orte darstellt, hinten im Buch sind zudem ein Personenregister, ein Glossar und ein Literaturverzeichnis zu finden. Ein Nachwort zum historischen Kontext liefert einige Hintergründe nach und erläutert, wo die Autorin von Tatsachen abgewichen ist.

Fazit
Auch wenn mich dieses Buch nicht vollständig überzeugen konnte, habe ich es gerne gelesen. Im Gegensatz zu den Vorgängern wird es hier um einiges politischer, die Zusammenhänge sind nicht immer klar erkennbar, zudem sind mir manche von Wills Handlungen nicht ganz überzeugend dargestellt. Für diejenigen, die sich für die letzten Jahre der Templer interessieren möglicherweise ein ansprechender Roman, jedoch sollten die Vorgängerbände bekannt sein, um Zusammenhänge verstehen zu können.

Conn Iggulden – Sturmvogel

AutorConn Iggulden
TitelSturmvogel
OriginaltitelStormbird
ÜbersetzerChristine Naegele
SerieDie Rosenkriege Band 1
Seitenzahl608
VerlagHeyne
ISBN978-3-453-41796-0
Bewertung

Inhalt
England, 1443: Im Gegensatz zu seinem verstorbenen Vater ist Henry VI kein großer Krieger und Stratege, vielmehr ist er sehr gläubig und leicht zu manipulieren. Nicht wenige sehen ihn als schwachen König. Sein wichtigstes Anliegen ist ein Waffenstillstand mit Frankreich, und so beginnt Derihew Brewer, Meisterspion des Königs, mit den Vorbereitungen eines Vertrags: Henry soll Margaret von Anjou heiraten, eine französische Prinzessin, und englische Gebiete auf dem Festland an Frankreich abtreten, im Gegenzug verpflichtet sich Frankreich zu einer begrenzten Waffenruhe.
Doch wird dieser Vertrag ohne das Wissen der Bevölkerung geschlossen, so dass schon bald Aufstände drohen. Richard of York nutzt diese Wirren, um Unterstützer hinter sich zu sammeln…

Meine Meinung
Romane über die Rosenkriege gibt es viele. Dieser Auftakt einer Reihe sticht dadurch aus der Masse hervor, dass er wesentlich früher ansetzt als die meisten anderen. Hier werden die Ursachen beleuchtet, wie es zu dem Bürgerkrieg kommen konnte, der hier selbst noch kein Thema ist. Dennoch spielen große Teile des Romans auf dem Schlachtfeld, Aufstände in England und auch in den abgetretenen Gebieten auf dem Festland machen einen nicht geringen Teil des Inhalts aus. Romantik sollte man hier nicht erwarten, vielmehr wird an ausführlichen Darstellungen blutiger Ereignisse nicht gespart.
Eingeleitet wird der Roman mit einem Prolog, der lange vor der Romanhandlung spielt und eigentlich wenig zu dieser beiträgt, dabei aber für Unkundige eine Erklärung liefert, wie der Anspruch des Hauses York auf die Krone zustande kommt. Zusätzlich gibt es aber noch die eine oder andere Szene, die nichts zum Geschehen beiträgt, beispielsweise ziemlich zu Beginn die Enteignung und Hinrichtung eines Juden, die aber im späteren Verlauf des Romans nicht mehr aufgegriffen wird. Zwar mögen solche Szenen für sich genommen interessant sein, wenn sie aber für die Handlung irrelevant sind kann ich auch gerne darauf verzichten.
Hauptperson dieses Romans ist Derihew Brewer, meist Derry genannt, der Meisterspion des Königs, der viele Fäden in der Hand hält und die Geschicke des Königreichs aus dem Hintergrund lenkt. Er ist Vermittler und Berater, hat seine Augen und Ohren überall, nicht selten ist er auch mitten im Geschehen. In dieser Position muss er immer das Große und Ganze im Auge haben und kann sich nicht auf die Belange Einzelner kümmern, was ihn nicht immer sympathisch erscheinen lässt, wenn er sich für seine ehemaligen Freunde nicht einsetzen kann, und so ist er nicht der große Held, der immer alles richtig macht, sondern ein Mensch mit seinen Fehlern. Auch wenn es sich hier um einen fiktiven Charakter handelt, kann ich mir schon vorstellen, dass es jemanden wie ihn hätte geben können, wenn mich auch die Darstellung dieser Position nicht vollständig überzeugt.
Einige wenige Charaktere sind mir zu einseitig dargestellt. So werden beispielsweise Richard of York und seine Frau Cecily von Beginn an negativ beschrieben, als Menschen, die sich am Leid Anderer erfreuen und nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind.
Der Roman umfasst eine Zeitspanne von etwa neun Jahren. Leider sind so gut wie keine Zeitangaben im Roman enthalten, so dass die zeitliche Orientierung mir sehr schwer gefallen ist oder ich sie auch völlig verloren habe. Dass Conn Iggulden nun, wie im Nachwort angegeben, Ereignisse aus dramaturgischen Gründen zeitlich gestrafft hat, wäre mir aus diesem Grund niemals aufgefallen, umso lobenswerter ist es, dass dies angegeben ist.
Eine weitere Änderung, die mir nicht zusagt, ist dem sehr ausführlichen Nachwort zu entnehmen, nämlich dass Kardinal Henry Beaufort, der zum Zeitpunkt der Romanhandlung eigentlich bereits verstorben war, dennoch seinen Auftritt hat. Darauf hätte der Autor zugunsten der Glaubwürdigkeit gerne verzichten können, hätte es doch genügend Möglichkeiten gegeben, diese Rolle auszuführen.
Abgerundet wird der Roman durch ein ausführliches Personenregister, mehreren Karten und Stammbäumen, so dass kaum noch Fragen zu Abstammung und Verwandtschaftsgraden offen bleiben sollten.

Fazit
Ein etwas anderer Roman über die Ereignisse, die den Rosenkriegen vorausgehen, der mich nicht vollständig überzeugen konnte, mich aber neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat. Für Leser, die nicht allzu feinfühlig sind und sich für das Thema Rosenkriege interessieren, durchaus lesenswert.

Elizabeth Chadwick – Das Lied der Königin

AutorElizabeth Chadwick
TitelDas Lied der Königin
OriginaltitelThe Summer Queen
ÜbersetzerNina Bader
SerieAlienor von Aquitanien Band 1
Seitenzahl640
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-38353-5
Bewertung

Inhalt
Aquitanien, 1137: Als Alienor, die Tochter des Herzogs von Aquitanien, im Alter von dreizehn Jahren zur Waisen wird, trägt sie eine große Last auf ihren Schultern, denn sie ist die Erbin ihres Vaters. Doch ihr Erbe ist bedroht, schließlich ist es ein Leichtes, einem Mädchen durch Zwangsheirat die Macht zu entreißen. Und so begibt sie sich unter die Vormundschaft des französischen Königs, anstatt ihren kindlichen Schwärmereien nachzugeben, und wird bald mit dem Prinzen Louis verheiratet, der eigentlich für ein Leben im Kloster vorgesehen war.
Doch dann stirbt der König, und das junge Paar muss die Last der Verantwortung für zwei große Reiche tragen…

Meine Meinung
Dieser Roman bildet den Auftakt einer Trilogie um Alienor von Aquitanien.
Diese wird hier als bodenständige, früh erwachsen gewordene Person dargestellt, die weiß, was sie will und was ihre Pflicht ist, auch wenn sie ein ganz anderes Leben vorgezogen hätte. Sie ist dazu erzogen worden, ihr Land zu regieren, wobei ihre Klugheit ihr eine große Hilfe ist. Sie wird sehr sympathisch dargestellt, gelegentlich nimmt sie sich aber Dinge heraus, die ich so nicht von ihr erwartet hätte. Louis dagegen, obwohl zunächst als netter, frommer junger Mann vorgestellt, hat mir von Kapitel zu Kapitel weniger gefallen, was wohl so beabsichtigt war. Seine Entwicklung ist verständlich, wenn man seine Erziehung im Kloster sowie seine Erlebnisse berücksichtigt, jedoch kam sie stellenweise recht unerwartet.
Da es sich hier um einen biografischen Roman handelt, ist hier nicht der eine große Spannungsbogen zu erwarten. Der Schwerpunkt liegt tatsächlich auf dem Leben Alienors von Aquitanien, die ein hohes Alter erreicht und ihren Kopf oftmals durchgesetzt hat. Obwohl sie eine der schillerndsten gestalten des Hochmittelalters ist, ist über sie nicht allzu viel bekannt, und was überliefert ist, ist nicht selten widersprüchlich und häufig abwertend. Elizabeth Chadwick interpretiert diese Informationen auf ihre Weise und gibt hier ein glaubwürdiges und stimmiges Bild über die junge Alienor ab.
Dabei wird der Roman nie langweilig, denn Alienors Leben war selbst in jungen Jahren schon nicht ganz alltäglich. Lücken werden glaubhaft gefüllt, Zeiten, in denen wenig passiert, übersprungen, ohne dass man dabei aus dem Fluss der Geschichte gerissen wird.
Im Gegensatz zu anderen Romanen der Autorin, die übersetzt wurden, werden hier die Namen der Herrschenden nicht ins Deutsche übertragen, sondern anscheinend so beibehalten, wie die Autorin sie selbst verwendet hat. Leider gibt es kein Personenregister, doch ist die Anzahl der Personen überschaubar, Namen sind so gewählt, dass es kaum zu Verwechslungen kommen kann, und bei überlieferten Mehrfachbelegungen werden verschiedene Schreibweisen angewandt, so dass man auch gut ohne eine solche Hilfe zurecht kommt. Dafür sind mehrere Stammbäume, zwei Karten sowie ein ausführliches Nachwort der Autorin enthalten.
Der Schreibstil ist angenehm, schnörkellos, dabei aber auch nicht zu schlicht. Allzu moderne oder auch extrem altertümliche Begriffe sind mir nicht aufgefallen.

Fazit
Ein sehr schöner Roman, den ich gerne gelesen habe und der mich in einigen Punkten überraschen konnte, obwohl ich schon mehrere Bücher kenne, in denen Alienor von Aquitanien zumindest am Rande vorkommt. Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung und empfehle diesen Roman all denjenigen, die sich für diese interessante Persönlichkeit interessieren und mehr über sie erfahren wollen.

Vielen Dank an den Blanvalet-Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

Ulf Schiewe – Die Comtessa

AutorUlf Schiewe
TitelDie Comtessa
SerieMonatalban Band 2
Seitenzahl555
VerlagKnaur
ISBN978-3-426-50731-5
Bewertung

Inhalt
Narbona, 1142: Der junge Ritter Arnaut de Montalban und sein Schildträger Severin wollen Graf Alfons von Tolosa, ihrem Lehnsherren, ihre Dienste anbieten. Allerdings verhindert Arnauts aufbrausendes Temperament, dass es dazu kommt.
Bevor sie jedoch wieder abreisen, erhalten sie ein interessantes Angebot: Sie sollen in die Dienste der Vescomtessa Ermengarda treten, die vor einer erzwungenen Ehe fliehen will. Von dem Auftreten der jungen Frau schwer beeindruckt stimmen die beiden jungen Ritter zu. Doch die Flucht gestaltet sich nicht so leicht wie erhofft, denn die Häscher sind ihnen dicht auf den Fersen, und nicht alle wollen Ermengarda lebendig fangen…

Meine Meinung
Bei diesem Roman handelt es sich um eine Fortsetzung zu Ulf Schiewes Erstlingswerk Der Bastard von Tolosa. Dabei ist es aber nicht zwingend notwendig, den Debütroman auch gelesen zu haben, es erleichtert aber das Verständnis einiger Zusammenhänge.
Wieder führt uns der Autor nach Südfrankreich, nach Okzitanien. Dabei sind die Orte und Landschaften überzeugend und lebendig beschrieben, so dass ich sie mir halbwegs gut vorstellen könnte. Die Sprache ist dabei nicht allzu blumig, stellenweise sogar ein wenig derb. Dem gegenüber stehen Gedichte der Troubadoure, die in zwei Sprachen abgedruckt sind, in der langue d’oc sowie in der deutschen Übersetzung. Leider gibt es auch während des Romans immer wieder einzelne okzitanische Worte, die meinen Lesefluss unterbrochen haben. Gerne hätten diese sich auf Titel beschränken oder insgesamt spärlicher verwendet werden dürfen.
Die Geschichte selbst ist eine Erfindung des Autors, auch wenn sie lose auf Urkunden basiert. Ich kann mir jedoch ganz gut vorstellen, dass es so ähnlich hätte passieren können. Allerdings dauert es eine ganze Weile, bis die Geschichte überhaupt in Schwung kommt, das Vorgeplänkel hat sich für mich ein wenig lang hingezogen.
Nun ist eine Flucht vor der erzwungenen Ehe ein Thema, das gerne für romantische Geschichten verwendet wird. Auch wenn es hier ebenfalls eine Liebesgeschichte gibt, ist dieser Roman nicht allzu romantisch beschrieben, sondern eher eine Beschreibung der Abenteuer, die die Gruppe auf der Reise erlebt
Ermengarda wird dabei als recht starke junge Frau dargestellt, die zwar schon mal in Rüstung unterwegs ist, dabei aber keinesfalls ein Übermensch ist, sondern auch mal ganz normale Schwächen zeigt. Ich halte es aber nicht für unwahrscheinlich, dass die historische Ermengarda ebenfalls sehr stark war, wenn man betrachtet, was sie in ihrem Leben erreicht hat, und so fällt die Romanfigur hier in meinen Augen nicht aus der Rolle.
Arnaut, der ein fiktiver Charakter ist, hat mir ebenfalls ganz gut gefallen. Er ist nicht der typische Held. Zwar ist er stark und groß, größer als die meisten seiner Mitmenschen, doch ist er auch aufbrausend und bringt sich dadurch gelegentlich in Schwierigkeiten. Dazu kommt sein Verständnis von Recht und Unrecht, welches sich schon recht früh im Roman zeigt, das mir allerdings recht modern vorkommt. Zwar ist sein Verhalten durchaus logisch, doch entspricht es nicht unbedingt dem, wie ich mir einen Ritter aus dem 12. Jahrhundert vorstelle.
Auch viele der anderen Charaktere können überzeugen. Selbst Ermengardas Gegenspieler sind nicht durchweg negativ zu sehen, sondern haben auch ihre sympathischen Seiten. Ihre Taten sind zudem begründet und basieren nicht nur auf Willkür. Einige Charaktere jedoch waren ein wenig blass, so dass ich sie gelegentlich verwechselt habe.
Gegen Ende verliert der Roman ein wenig an Schwung, dafür stehen politische Entscheidungen im Vordergrund. Der Schluss selbst ist in meinen Augen ein wenig knapp und lässt Raum zur Spekulation, zudem ist er für einen Roman doch nicht gerade befriedigend. Allerdings kann der Roman gar nicht anders abschließen, wenn der Autor die Geschichte nicht umschreiben will, und so erscheint es mir hier doch stimmig. Einige Fragen, die noch offen geblieben sind, werden möglicherweise im direkt anschließenden Roman Die Hure Babylon beantwortet werden.

Fazit
Nicht ganz so gut wie Der Bastard von Tolosa kann dieser zweite Roman um die Familie Montalban dennoch ganz gut unterhalten und dabei ein wenig über das Okzitanien im 12. Jahrhundert informieren.

Liv Winterberg – Der Klang der Lüge

AutorLiv Winterberg
TitelDer Klang der Lüge
Seitenzahl400
Verlagdtv premium
ISBN978-3-423-26018-3
Bewertung

Inhalt
Pyrenäen, 1308: Nachdem sie mit ihrer jüdischen Herrschaft aus Paris vertrieben wurde, gelangt die Katholikin Alissende nach einigen entbehrungsreichen Wochen nach Sériol, einem kleinen Dorf in den Bergen. Hier findet sie nicht nur eine Unterkunft und Arbeit, sonder auch ein Heim, wie sie es lange nicht gekannt hat.
Doch schon bald muss sie feststellen, dass auch ihre neue Heimat bedroht wird, denn fast alle Dorfbewohner gehören den „guten Menschen“, den Katharern an, die der Kirche ein Dorn im Auge sind. Insbesondere, nachdem ein Mann verdächtigt wird, die Ketzer an den Bischof verraten zu haben, wächst das Misstrauen im Dorf.

Meine Meinung
Katharer, Inquisition, eine Geschichte, die auf Tatsachen beruht, wie man aus dem Nachwort erfahren kann, noch dazu mit einer Liebesgeschichte, was könnte man daraus für einen spannenden und berührenden Roman machen. Stattdessen ist dieser Roman vor allen Dingen eines, nämlich oberflächlich.
Da wären zunächst die Katharer selbst. Die Grundzüge der Lehren werden an verschiedenen Stellen erklärt, jedoch gerade nur so weit, wie für die Geschichte wichtig sind. Gelegentlich erschienen mir die Erklärungen auch widersprüchlich. Zwar werden einige Begriffe im Glossar im Anhang erläutert, doch hätte ich erwartet, auch mehr über diese Glaubensrichtung im Roman selbst zu erfahren.
Nun könnte man erwarten, dass dann der Schwerpunkt eben auf den zwischenmenschlichen Beziehungen liegt, dass eine Liebesgeschichte im Zentrum steht, doch auch das ist nicht der Fall. Die jungen Leute lernen sich kennen, mögen sich, plötzlich sind sie ein Paar. Es kommt zwar zu ein paar Widrigkeiten, doch hatte ich nie das Gefühl, als ob das junge Glück ernsthaft in Gefahr wäre.
Dies könnte daran liegen, dass auch die Personen nicht gerade lebendig beschrieben werden. Wir erfahren ein wenig über Alissendes Herkunft, dass sie ausgesetzt wurde, was allerdings über weite Strecken wissen wir über sie nur, dass sie nicht gelernt hat, Essen zu genießen, und dass sie einen Ort sucht, an dem sie willkommen ist. Und über Simon wird fast noch weniger gesagt, was es für mich schwierig gemacht hat, seine wichtige Entscheidung nachvollziehen zu können.
Leider vergehen zwischen den Kapiteln immer wieder viele Tage oder Wochen, so dass man kaum eine Chance hat, die Entwicklung der Personen mit zu verfolgen und sie kennen zu lernen. Und um sie in der Kürze der Zeit kennen zu lernen sind es einfach zu viele. Dramatische Ereignisse werden erwähnt, aber nicht beschrieben, es brennen Scheiterhaufen, doch das hat mich nicht berührt. Selbst das Ereignis, das dem Klappentext nach der zentrale Punkt des Romans ist, ist innerhalb kurzer Zeit abgehandelt.
Das ist sehr schade, denn der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen, so dass ich den Roman in sehr kurzer Zeit abgeschlossen hatte.
Auch das recht ausführliche historische Nachwort kann nicht über die erzählerischen Schwächen hinweghelfen. Ein paar mehr Seiten hätten dem Roman sicher gut getan.

Fazit
Schade, das hätte wirklich gut werden können! Als reine Unterhaltung oder um einen kleinen Einblick in den Glauben der Katharer zu bekommen ist dieser Roman ganz nett zu lesen. Für mich bietet er jedoch an allen Ecken und Enden einfach zu wenig, um mehr als nur nett zu sein.

Vielen Dank an DTV und Vorablesen für das Rezensionsexemplar!