Ulf Schiewe – Die Comtessa

AutorUlf Schiewe
TitelDie Comtessa
SerieMonatalban Band 2
Seitenzahl555
VerlagKnaur
ISBN978-3-426-50731-5
Bewertung

Inhalt
Narbona, 1142: Der junge Ritter Arnaut de Montalban und sein Schildträger Severin wollen Graf Alfons von Tolosa, ihrem Lehnsherren, ihre Dienste anbieten. Allerdings verhindert Arnauts aufbrausendes Temperament, dass es dazu kommt.
Bevor sie jedoch wieder abreisen, erhalten sie ein interessantes Angebot: Sie sollen in die Dienste der Vescomtessa Ermengarda treten, die vor einer erzwungenen Ehe fliehen will. Von dem Auftreten der jungen Frau schwer beeindruckt stimmen die beiden jungen Ritter zu. Doch die Flucht gestaltet sich nicht so leicht wie erhofft, denn die Häscher sind ihnen dicht auf den Fersen, und nicht alle wollen Ermengarda lebendig fangen…

Meine Meinung
Bei diesem Roman handelt es sich um eine Fortsetzung zu Ulf Schiewes Erstlingswerk Der Bastard von Tolosa. Dabei ist es aber nicht zwingend notwendig, den Debütroman auch gelesen zu haben, es erleichtert aber das Verständnis einiger Zusammenhänge.
Wieder führt uns der Autor nach Südfrankreich, nach Okzitanien. Dabei sind die Orte und Landschaften überzeugend und lebendig beschrieben, so dass ich sie mir halbwegs gut vorstellen könnte. Die Sprache ist dabei nicht allzu blumig, stellenweise sogar ein wenig derb. Dem gegenüber stehen Gedichte der Troubadoure, die in zwei Sprachen abgedruckt sind, in der langue d’oc sowie in der deutschen Übersetzung. Leider gibt es auch während des Romans immer wieder einzelne okzitanische Worte, die meinen Lesefluss unterbrochen haben. Gerne hätten diese sich auf Titel beschränken oder insgesamt spärlicher verwendet werden dürfen.
Die Geschichte selbst ist eine Erfindung des Autors, auch wenn sie lose auf Urkunden basiert. Ich kann mir jedoch ganz gut vorstellen, dass es so ähnlich hätte passieren können. Allerdings dauert es eine ganze Weile, bis die Geschichte überhaupt in Schwung kommt, das Vorgeplänkel hat sich für mich ein wenig lang hingezogen.
Nun ist eine Flucht vor der erzwungenen Ehe ein Thema, das gerne für romantische Geschichten verwendet wird. Auch wenn es hier ebenfalls eine Liebesgeschichte gibt, ist dieser Roman nicht allzu romantisch beschrieben, sondern eher eine Beschreibung der Abenteuer, die die Gruppe auf der Reise erlebt
Ermengarda wird dabei als recht starke junge Frau dargestellt, die zwar schon mal in Rüstung unterwegs ist, dabei aber keinesfalls ein Übermensch ist, sondern auch mal ganz normale Schwächen zeigt. Ich halte es aber nicht für unwahrscheinlich, dass die historische Ermengarda ebenfalls sehr stark war, wenn man betrachtet, was sie in ihrem Leben erreicht hat, und so fällt die Romanfigur hier in meinen Augen nicht aus der Rolle.
Arnaut, der ein fiktiver Charakter ist, hat mir ebenfalls ganz gut gefallen. Er ist nicht der typische Held. Zwar ist er stark und groß, größer als die meisten seiner Mitmenschen, doch ist er auch aufbrausend und bringt sich dadurch gelegentlich in Schwierigkeiten. Dazu kommt sein Verständnis von Recht und Unrecht, welches sich schon recht früh im Roman zeigt, das mir allerdings recht modern vorkommt. Zwar ist sein Verhalten durchaus logisch, doch entspricht es nicht unbedingt dem, wie ich mir einen Ritter aus dem 12. Jahrhundert vorstelle.
Auch viele der anderen Charaktere können überzeugen. Selbst Ermengardas Gegenspieler sind nicht durchweg negativ zu sehen, sondern haben auch ihre sympathischen Seiten. Ihre Taten sind zudem begründet und basieren nicht nur auf Willkür. Einige Charaktere jedoch waren ein wenig blass, so dass ich sie gelegentlich verwechselt habe.
Gegen Ende verliert der Roman ein wenig an Schwung, dafür stehen politische Entscheidungen im Vordergrund. Der Schluss selbst ist in meinen Augen ein wenig knapp und lässt Raum zur Spekulation, zudem ist er für einen Roman doch nicht gerade befriedigend. Allerdings kann der Roman gar nicht anders abschließen, wenn der Autor die Geschichte nicht umschreiben will, und so erscheint es mir hier doch stimmig. Einige Fragen, die noch offen geblieben sind, werden möglicherweise im direkt anschließenden Roman Die Hure Babylon beantwortet werden.

Fazit
Nicht ganz so gut wie Der Bastard von Tolosa kann dieser zweite Roman um die Familie Montalban dennoch ganz gut unterhalten und dabei ein wenig über das Okzitanien im 12. Jahrhundert informieren.

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