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Robyn Young – Die Blutschrift

AutorRobyn Young
TitelDie Blutschrift
OriginaltitelBrethren
ÜbersetzerNina Bader
SerieBrethren-Trilogy Band 1
Seitenzahl703
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36657-6
Bewertung

Inhalt
London, 1260: Das Leben im Hauptquartier der Tempelritter ist nicht immer leicht für den dreizehnjährigen Sergeanten William Campbell. Besonders der Gehorsam fällt ihm schwer, und auch den vielen Gottesdiensten kann er wenig abgewinnen. Dennoch will er sein großes Ziel erreichen und wie sein Vater den Mantel der Tempelritter tragen.
Sein bester Freund Garin de Lyons dagegen wendet sich immer mehr von William ab, seit die beiden bei einer Unterredung zwischen Templern und dem König dabei sein durften. Hat er etwas vor Will zu verbergen?
Im Heiligen Land kämpft währenddessen der Mamelucken-Offizier Baybars gegen die Mongolen und arbeitet darauf hin, seinen Sultan zu stürzen.
Und dann ist da noch ein verschwundenes Buch…

Meine Meinung
Die Blutschrift ist einer der Romane, bei dem mir die Zeit beim Lesen wie im Flug vergangen ist. Ich habe gar nicht mitbekommen, wie weit ich schon gekommen war, als ich die erste Pause eingelegt habe. Zu schnell waren die ersten 200 Seiten vorbei, dabei hätte ich vom Inhalt her erwartet, weit weniger gelesen zu haben. Dies mag dem Anschein erwecken, als ob auf vielen Seiten wenig passiert. Stattdessen werden einfach mehrere Parteien beleuchtet. Für mich war diese Anzahl der Parteien und Personen allerdings genau richtig, genügend, damit die Geschichte nicht langweilig wird, aber auch nicht so viele, als dass man ständig durcheinander kommen könnte.
Hauptperson ist Will Campbell, ein Junge bzw. junger Mann, der eigentlich nur deshalb Tempelritter werden will, damit sein Vater auf in stolz sein kann und ihm verzeiht. Er bemüht sich meistens, den Regeln nach zu handeln, selbst wenn er nicht allzu überzeugt von ihnen ist. Eine Liebesgeschichte gibt es hier natürlich auch, denn ganz ohne geht es doch nicht. Diese nimmt allerdings in diesem ersten Band einer Trilogie nicht allzu viel Raum ein, erklärt aber Wills Verhalten an einigen Stellen. Nicht immer ist Will sympathisch, meist jedoch sind seine Handlungen nachvollziehbar.
Doch es kommen auch noch einige andere Personen vor, einige sind Freunde, andere Feinde von Will, dem Orden, der Christenheit. Jede Partei hat dabei ihre eigene Motivation, niemand handelt ohne Grund, selbst wenn dieser in der fernen Vergangenheit liegen sollte.
Es geht aber auch um das Leben der Tempelritter, die Kämpfe in Outremer, die Städte, die von den Mamelucken angegriffen und erobert werden. Dabei beschränkt sich die Darstellung nicht auf die Position der Templer, stattdessen wird auch die Position der Mamelucken beleuchtet, indem sich ein ganzer Handlungsstrang Baybars und seinen Zielen widmet, und auch sein Privatleben wird in Ansätzen beschrieben.
Die – zumindest im Deutschen – titelgebende Schrift spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, dient aber hauptsächlich dazu, die Handlung voranzutreiben. So wechselt das Buch schon gelegentlich den Besitzer, was dann schon spannend beschrieben ist.
Die geheime Bruderschaft innerhalb der Templer, die Anima Templi, sind dabei erfunden, wie die Autorin in einem Nachwort erklärt, allerdings kann ich mir ganz gut vorstellen, dass es damals auch Menschen gegeben haben könnte, die ähnlich gedacht haben, also warum keine geheime Bruderschaft innerhalb des Templerordens?

Fazit
Ein spannender Roman über die Templer in Outremer, in dem auch die Gegenseite betrachtet wird. Ganz ohne Standardelemente kommt auch dieser Auftakt einer Trilogie nicht aus, dafür haben die Charaktere aber auch Persönlichkeit. Ich habe diesen Roman sehr genossen.

Jack Whyte – Der Schatz des Blutes

AutorJack Whyte
TitelDer Schatz des Blutes
OriginaltitelKnights of the Black and White
ÜbersetzerBarbara Schnell
SerieDie Templer Band 1
Seitenzahl604
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36347-6
Bewertung

Inhalt
Payens, 1088: Kurz nach seinem achtzehnten Geburtstag wird Hugh de Payens Mitglied einer geheimnisvollen Bruderschaft, die sich Orden der Wiedergeburt in Sion nennt. In den folgenden Jahren widmet er sich den Studien der geheimen Schriften, die von der Bruderschaft aufbewahrt werden und eine unbequeme Wahrheit enthalten.
Als der Papst wenige Jahre später zur Befreiung Jerusalems aufruft, sind Hugh und seine Freunde unter den ersten, die – im Auftrag ihres Ordens – das Kreuz nehmen. Doch der Kreuzzug verläuft anders, als Hugh erwartet hätte, und die Dinge, die er gesehen und erlebt hat, prägen ihn auf lange Zeit…

Meine Meinung
Erwartet hatte ich einen spannenden, dabei aber auch halbwegs glaubwürdigen Roman über Hugues des Payens – hier Hugh genannt -, über den ersten Kreuzzug, die Gründung des Templerordens und die Gründe dafür, gepaart mit Theorien um den geheimnisvollen Schatz der Templer. Davon ist hier aber leider wenig zu finden.
Der Anfang ist dabei noch recht spannend. Anschaulich wird die Initiation in den Geheimbund beschrieben, Hugh und seine Freunde charakterisiert. Doch schon bald darauf lässt die Spannung nach, stattdessen wird eine der größten Schwächen des Romans deutlich: Der Schreibstil, der Aufbau der Handlung, die gesamte Gliederung scheinen undurchdacht.
Es werden immer wieder Szenen beschrieben, die für die Handlung nebensächlich sind und überhaupt keinen Einfluss auf das weitere Geschehen haben. Es gibt große zeitliche Sprünge in der Handlung, über einige ausgewählte Ereignisse, die oft ebenfalls nebensächlich sind, wird man rückblickend informiert. Zusätzlich gibt es immer wieder Informationsblöcke, die die Romanhandlung unterbrechen und so fast jeden Ansatz von Spannung unterbinden. Auch auf unnötige Wiederholungen stößt man regelmäßig.
Nach etwa einem Viertel des Buches beginnt der Roman endlich, doch noch Spannung aufzubauen, endlich geht es um das Thema, über das ich lesen wollte, nämlich Hughs Erlebnisse in Jerusalem, die zur Gründung des Ordens der Tempelritter führen. Doch urplötzlich, mit der Einführung eines jungen Ritters, verschiebt sich der Schwerpunkt weg von den Templern hin zu den sexuellen Fantasien einer mächtigen Frau. Plötzlich stehen nicht mehr Hugh und der Orden im Mittelpunkt, sondern die Erlebnisse von Stephen St. Clair, eben jenem jungen Ritter, die recht wenig mit Hugh und seinen Freunden zu tun haben.
Am Ende hatte ich das Gefühl, dass dieser Handlungsbogen, der über etwa die Hälfte des Romans verläuft, nur zum Füllen der Seiten gedacht war, denn für mich wirkt er aufgesetzt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er zur Geschichte des Templerordens etwas beigetragen hätte.
Die Personen bleiben größtenteils blass. Hughs Freunde, die zu Beginn ausführlich charakterisiert wurden, verkommen schon sehr bald zu unwichtigen Randfiguren, die nur durch die gelegentliche Nennung des Namens präsent bleiben. Für die weiteren Gründungsmitglieder gilt dies umso mehr, da diese nie näher beschrieben werden. Einzig Hugh und ab der Mitte dann Stephen St. Clair werden ein wenig charakterisiert, doch zu wenig, um sie menschlich erscheinen zu lassen.
Die Theorie, die hier aufgestellt wird und in der es um die Vorfahren der Templer geht, finde ich sehr abwegig, insbesondere, da sie im Verlauf des Romans eigentlich selbst widerlegt wird.

Fazit
Aus dem Thema hätte man so viel machen können, bietet es doch genügend Freiraum für Spekulationen und viele Möglichkeiten für eine spannende Geschichte. Stattdessen handelt es sich um eine plumpe Darstellung einer abstrusen Theorie, die mit stilistischen Schwächen aufwartet und kaum Spannung aufkommen lässt. Schade!

Marie Cristen – Beginenfeuer

AutorMarie Cristen
TitelBeginenfeuer
SerieFlandern-Saga Band 1
Seitenzahl507
VerlagKnaur
ISBN978-3-426-63165-2
Bewertung

Inhalt
Burgund, 1299: Während einer Fehde zwischen den benachbarten Familien Courtenay und Andrieu verliert die junge Violante ihre gesamte Familie. Mit einer Dienerin kann das Mädchen fliehen.
Zehn Jahre später: Sowohl Papst Clemens V als auch König Philipp IV senden Gesandte nach Brügge, um die Beschwerden gegen die Beginen zu untersuchen. Bei den Gesandten handelt es sich zufällig um die Brüder Andrieu, die seit Jahren nicht mehr in Kontakt zueinander stehen.
Die Dienerin Berthe hat mit Violante, die sie die letzten Jahre als ihre Tochter Ysée ausgegeben hat, Zuflucht bei den Beginen in Brügge gefunden. Jahrelang hat das Mädchen den Beginenhof nicht verlassen, doch schon der erste Ausflug außerhalb der Mauern zieht schwerwiegende Folgen nach sich…

Meine Meinung
Meine Erwartung an diesen Roman war nicht sehr groß. Erwartet hatte ich eine Liebesgeschichte, deren Ausgang man schon nach dem ersten Kapitel erahnen kann und bei der die Vergangenheit zur Kulisse verkommt. Doch da hatte ich mich erfreulicherweise gründlich getäuscht, denn Mathieu und Simon stehen nicht umsonst im Dienst der weltlichen und kirchlichen Herrscher. Durch sie bekommt der Leser direkt die Auswirkungen einzelner Entscheidungen zu spüren. Und so erfährt man nebenbei einiges über die Gründe für das Verbot des Templerordens und den Widerstand gegen die Beginen.
Das erste Kapitel nach dem Prolog war für mich zunächst sehr verwirrend, da mir nicht klar war, dass Violante den Namen ihrer verstorbenen Halbschwester angenommen hatte. Mehrmals habe ich deshalb die entsprechende Stelle im Prolog nachgelesen, bis ich es endlich verstanden hatte. Von da an war Violante für mich eben Ysée.
Mit der Rolle des Zufalls in diesem Roman hatte ich allerdings meine Probleme. Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass zwei Brüder, die unterschiedlichen Herren dienen, seit Jahren nicht in Kontakt stehen, zur selben Zeit nicht nur in derselben Stadt weitab ihres eigentlichen Tätigkeitsbereichs eintreffen, sondern zudem auch noch mit der gleichen Aufgabe betraut sind, sich dann kurz nach dem Eintreffen auch schon über den Weg laufen und sich dann auch gleich erkennen? Zusätzlich hält sich auch noch Ysée in dieser Stadt auf, auf die sie natürlich auch bald treffen. Und als wäre das nicht genug, lebt auch noch Ysées Großvater hier und soll auch noch eine größere Rolle spielen. So ist die Handlung leider nicht sehr glaubwürdig.
Auch mit Ysée selbst habe ich so meine Probleme, zu modern tritt sie mir manches Mal auf. Selbst wenn die Idee, sich als Mann zu verkleiden, nicht von Beginn an ihre eigene war, so nutzt sie sie doch stark aus. Als Tochter eines burgundischen Adelsgeschlechts seien ihr manche Fehltritte allerdings verziehen. Die Brüder Andrieu dagegen haben mir recht gut gefallen, ihre Wünsche und Probleme wurden überzeugend dargestellt.
Der Schreibstil ist einfach gehalten, das Buch gut zu lesen. Zusatzinformationen über die Zeit runden das Buch ab.

Fazit
Dieser Roman hat mehr geleistet, als ich erwartet hatte und weniger, als er hätte leisten können. Er war nicht zu politisch, aber auch nicht zu seicht. Leider wurde zu viel dem Zufall überlassen. Trotz der genannten Kritikpunkte hat er mir gut gefallen.