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Liv Winterberg – Der Klang der Lüge

AutorLiv Winterberg
TitelDer Klang der Lüge
Seitenzahl400
Verlagdtv premium
ISBN978-3-423-26018-3
Bewertung

Inhalt
Pyrenäen, 1308: Nachdem sie mit ihrer jüdischen Herrschaft aus Paris vertrieben wurde, gelangt die Katholikin Alissende nach einigen entbehrungsreichen Wochen nach Sériol, einem kleinen Dorf in den Bergen. Hier findet sie nicht nur eine Unterkunft und Arbeit, sonder auch ein Heim, wie sie es lange nicht gekannt hat.
Doch schon bald muss sie feststellen, dass auch ihre neue Heimat bedroht wird, denn fast alle Dorfbewohner gehören den „guten Menschen“, den Katharern an, die der Kirche ein Dorn im Auge sind. Insbesondere, nachdem ein Mann verdächtigt wird, die Ketzer an den Bischof verraten zu haben, wächst das Misstrauen im Dorf.

Meine Meinung
Katharer, Inquisition, eine Geschichte, die auf Tatsachen beruht, wie man aus dem Nachwort erfahren kann, noch dazu mit einer Liebesgeschichte, was könnte man daraus für einen spannenden und berührenden Roman machen. Stattdessen ist dieser Roman vor allen Dingen eines, nämlich oberflächlich.
Da wären zunächst die Katharer selbst. Die Grundzüge der Lehren werden an verschiedenen Stellen erklärt, jedoch gerade nur so weit, wie für die Geschichte wichtig sind. Gelegentlich erschienen mir die Erklärungen auch widersprüchlich. Zwar werden einige Begriffe im Glossar im Anhang erläutert, doch hätte ich erwartet, auch mehr über diese Glaubensrichtung im Roman selbst zu erfahren.
Nun könnte man erwarten, dass dann der Schwerpunkt eben auf den zwischenmenschlichen Beziehungen liegt, dass eine Liebesgeschichte im Zentrum steht, doch auch das ist nicht der Fall. Die jungen Leute lernen sich kennen, mögen sich, plötzlich sind sie ein Paar. Es kommt zwar zu ein paar Widrigkeiten, doch hatte ich nie das Gefühl, als ob das junge Glück ernsthaft in Gefahr wäre.
Dies könnte daran liegen, dass auch die Personen nicht gerade lebendig beschrieben werden. Wir erfahren ein wenig über Alissendes Herkunft, dass sie ausgesetzt wurde, was allerdings über weite Strecken wissen wir über sie nur, dass sie nicht gelernt hat, Essen zu genießen, und dass sie einen Ort sucht, an dem sie willkommen ist. Und über Simon wird fast noch weniger gesagt, was es für mich schwierig gemacht hat, seine wichtige Entscheidung nachvollziehen zu können.
Leider vergehen zwischen den Kapiteln immer wieder viele Tage oder Wochen, so dass man kaum eine Chance hat, die Entwicklung der Personen mit zu verfolgen und sie kennen zu lernen. Und um sie in der Kürze der Zeit kennen zu lernen sind es einfach zu viele. Dramatische Ereignisse werden erwähnt, aber nicht beschrieben, es brennen Scheiterhaufen, doch das hat mich nicht berührt. Selbst das Ereignis, das dem Klappentext nach der zentrale Punkt des Romans ist, ist innerhalb kurzer Zeit abgehandelt.
Das ist sehr schade, denn der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen, so dass ich den Roman in sehr kurzer Zeit abgeschlossen hatte.
Auch das recht ausführliche historische Nachwort kann nicht über die erzählerischen Schwächen hinweghelfen. Ein paar mehr Seiten hätten dem Roman sicher gut getan.

Fazit
Schade, das hätte wirklich gut werden können! Als reine Unterhaltung oder um einen kleinen Einblick in den Glauben der Katharer zu bekommen ist dieser Roman ganz nett zu lesen. Für mich bietet er jedoch an allen Ecken und Enden einfach zu wenig, um mehr als nur nett zu sein.

Vielen Dank an DTV und Vorablesen für das Rezensionsexemplar!

Brenda Vantrease – Der Illuminator

AutorBrenda Vantrease
TitelDer Illuminator
OriginaltitelThe Illuminator
ÜbersetzerGloria Ernst
SerieDer Illuminator Band 1
Seitenzahl574
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36622-4
Bewertung

Inhalt
Norfolk, England, im Jahr 1379: Lady Kathryn ist Witwe und Mutter von Zwillingssöhnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Doch sie hat finanzielle Sorgen, denn ihr kleines Landgut wirft kaum Gewinn ab.
Als sich ihr die Möglichkeit bietet, einen Illuminator und dessen Tochter auf Kosten des Kirche bei sich aufzunehmen, nimmt sie das Angebot des Abtes gerne an.
Finn, der Illuminator, ist aber kein gehorsamer Diener der katholischen Kirche, er sympathisiert mit den Lollarden und arbeitet nebenbei an der Illumination von Wycliffes Bibelübersetzung.
Kurz nach Finns Ankunft wird ein Priester erschlagen in der Nähe von Blackingham Manor aufgefunden. Wer kann für diesen Mord verantwortlich sein?

Meine Meinung
Wer hier von einem Krimi ausgeht, liegt falsch, denn um die Ermittlung des Täters geht es hier weniger. Vielmehr dient der Mord dazu, die Geschichte ins Rollen zu bringen und die Personen vor schwierige Entscheidungen zu stellen.
Geschichtlicher Hintergrund für diesen Roman bilden die Bibelübersetzung Wycliffes und die beginnende Reformation durch die Lollarden sowie die Politik von John of Gaunt, dem Onkel des jungen Königs.
Hauptperson ist weniger der Illuminator Finn, was man bei dem Titel des Buches wahrscheinlich erwarten würde, sondern vielmehr Lady Kathryn. Eigentlich eine sympathische Frau, ist sie entsprechend ihrer Zeit in ihrer Denkweise festgefahren, Vorurteile bestimmen ihr Verhältnis zu anderen Menschen. Auch der Bezug zum Geld scheint ihr nur im Ansatz bewusst zu sein, sieht sie doch nicht, wie schwierig es für ihre Leibeigenen ist, die Kopfsteuer zu zahlen. Diese Einstellung wirkt zwar authentisch, ich kann mir gut vorstellen, dass der Adel sich wenig um die Belange der Untergebenen gekümmert hat, doch hatte ich dadurch so meine Probleme mit Kathryn.
Finn dagegen ist das absolute Gegenteil. Er stellt sich gegen Konventionen, greift ein, wenn er es für nötig erachtet, er sieht Unrecht, wenn er ihm begegnet und tut sein Möglichstes, neue Ideen zu verbreiten. Er ist hilfsbereit, und der Stand oder die Herkunft einer Person bedeuten ihm wenig. Er sieht den Menschen, wie er ist.
Wieso sich ausgerechnet zwischen den beiden Personen eine Beziehung entwickelt, hat sich mir nicht direkt erschlossen. Da sie auch eher oberflächlich beschrieben ist und eher Taten als Gefühle beschrieben werden, wusste ich bis zum Schluss nicht, was ich davon halten sollte. Auch an anderen Stellen sind Schilderungen eher sachlich und kühl, so dass ich mich wenig angesprochen gefühlt und sogar gelegentlich gelangweilt habe.
Erwartet hatte ich einen Roman, in dem Liebesgeschichte und die Geschichte um die Bibelübersetzung etwa gleich gewichtet sind, doch stattdessen entwickelt sich die Geschichte ganz anders als gedacht. Stellenweise sind die Schilderungen ziemlich brutal, doch durch die sachlichen Beschreibungen der Tatsachen haben mich diese Szenen wenig berührt. Auch das Ende war dann ganz anders, als ich noch zur Mitte hin erwartet hätte, was einerseits positiv ist, weil ich dadurch überrascht wurde, andererseits aber ein leicht unbefriedigendes Gefühl zurückgelassen hat.
Andere Personen entspringen zum Teil den typischen Klischees, schon beim ersten Auftreten bekommt man eine Ahnung, welche Rolle sie wohl spielen werden.
Auch einen kleinen Einschlag in die Fantasy gibt es hier: Eine junge Küchenmagd kann Seelen in Form eines farbigen Schimmers sehen. Dies ist aber für die Handlung nebensächlich, der Roman hätte auch sehr gut ohne dies funktioniert und mir dann möglicherweise auch besser gefallen.

Fazit
Zwar konnte mich der Roman erzählerisch nicht berühren, doch war der Inhalt interessant und das Ende völlig unerwartet, so dass ich auf die Fortsetzung neugierig geworden bin. Wer über die Schwächen hinwegsehen kann, könnte seine Freude mit diesem Roman haben.

Dagmar Trodler – Freyas Töchter

AutorDagmar Trodler
TitelFreyas Töchter
SerieWaldgräfin Band 2
Seitenzahl512
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36182-3
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Die Waldgräfin!

Inhalt
Schleswig, 1066: Nur knapp konnten Alienor von Sassenberg und ihr Geliebter Erik, Königssohn aus dem Svearreich, dem Grafen von Sassenberg entkommen. Nun planen sie einen Neuanfang in Eriks Heimat.
Doch schon die Reise dorthin erweist sich als schwieriger als geplant, ist Alienor doch schwanger und Erik von Zweifeln darüber geplagt, wie er wohl empfangen werden wird. Seine Sorgen sind nicht unbegründet, denn in seiner Heimat wartet eine Verlobte auf ihn, außerdem ist Alienor als Tochter eines Grafen eine Frau weit unter seinem Stand.
Schon bald zeigt sich, dass seine Sorgen nicht unbegründet sind. Doch Eriks Freund Gisli Svensson und seine Schwester Sigrun stehen Alienor in schweren Zeiten zur Seite…

Meine Meinung
Wie schon im ersten Band wird die Ich-Erzählerin Alienor als Kind ihrer Zeit dargestellt. Sie ist sehr christlich-religiös geprägt, doch ihre Erlebnisse und das Leben in dem heidnischen Schweden lassen sie an der Existenz Gottes zweifeln. Immer wieder gerät sie in Konflikte, die mit dem Glauben zu tun haben und die noch weitreichende Folgen nach sich ziehen. Dennoch gefällt sie mir hier besser als noch in Die Waldgräfin, ist sie doch längst nicht mehr so weinerlich, und auch einen Teil ihrer Ängste hat sie hinter sich gelassen. Zwar tut sie auch hier einige Dinge, die nicht gründlich durchdacht erscheinen, doch konnte ich ihre Beweggründe meist verstehen.
Religion spielt auch in diesem Roman eine sehr große Rolle, schließlich ist dies die Zeit eines großen Umbruchs. Viele Svear halten noch am alten Glauben fest, doch viele fühlen sich auch zum Christentum hingezogen. Und so ist der Konflikt zwischen beiden Gruppierungen im späteren Verlauf des Romans ein wichtiges Thema. Wie es häufiger der Fall ist, kommt ein Roman in einem solchen Fall nicht ohne die Darstellung von Gewalt aus. Dies ist hier nicht übermäßig übertrieben dargestellt, doch so, dass das Grauen spürbar ist.
Habe ich mich beim ersten Band noch über diverse Logiklöcher geärgert, konnte ich hier zu meiner Freude keine feststellen.
Die Darstellung der Liebesbeziehung in diesem Band hat mir sehr gefallen: Die erste Verliebtheit ist vorbei, es stellt sich ein Alltag ein, der mehr oder weniger Schwierigkeiten aufweist, auch kommen erste Zweifel auf. Kann die Liebe den Alltag überleben? Dennoch ist die Geschichte nicht langweilig, immer passiert etwas, auch wenn es dadurch gelegentlich zu größeren zeitlichen Sprüngen kommt. Allerdings gerät Erik durch den Alltag, der ihn häufiger von Alienor trennt, meiner Meinung nach ein wenig zu sehr in den Hintergrund, so dass dann auch der Bruch, der unweigerlich erfolgen muss, gar nicht so viel Gewicht zu haben scheint.
Wie schon im ersten Band gibt es auch hier viele Sätze und einzelne Begriffe aus anderen Sprachen, in diesem Fall Altnordisch und Latein, die im Anhang übersetzt werden. Da keine Seitenzahlen angegeben sind, kann dies zu einer längeren Suche führen, weshalb ich es gelegentlich vorgezogen habe, einfach einen Satz nicht nachzuschlagen. Dies ist schade, denn es wäre sicher kein allzu großes Problem, gelegentlich Seitenzahlen einzufügen, damit man zumindest einen Anhaltspunkt hat.

Fazit
Ein guter zweiter Band der Trilogie, bei dem die Liebesgeschichte ein wenig in den Hintergrund rückt. Für Leser des ersten Bandes unbedingt zu empfehlen!