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Sabrina Qunaj – Die Tochter des letzten Königs

AutorSabrina Qunaj
TitelDie Tochter des letzten Königs
SerieGeraldines Band 1
Seitenzahl701
VerlagGoldmann
ISBN978-3-442-47988-7
Bewertung

Inhalt
Wales, 1093: Als Normannen in Wales einfallen, gerät die Fürstentochter Nesta ferch Rhys in Gefangenschaft. Isoliert von der Außenwelt wird sie auf Shrewsbury, einer normannischen Burg unweit der walisischen Grenze, im Haushalt der de Montgomerys wie eine Normannin erzogen.
Als eines Tages König William und sein Bruder Henry der Burg einen Besuch abstatten, ist die inzwischen dreizehnjährige Nesta von dem Bruder des Königs sehr angetan. Schon bald ergibt sich die Möglichkeit, Shrewsbury zu verlassen und stattdessen bei Hofe zu leben. Hier jedoch wird sie, die bisher von der Außenwelt abgeschottet gelebt hat, direkt mit den Ränken und Intrigen des Hofes konfrontiert…

Meine Meinung
Wie die Autorin in ihrem Nachwort erkennen lässt, hat sie versucht, so dicht wie möglich an den Tatsachen zu bleiben, was aufgrund der voneinander abweichenden Quellen nicht immer einfach gewesen sein kann. Doch so ergibt sich hier ein Bild, das zeigt, wie es möglicherweise gewesen sein könnte.
Dabei macht Nesta eine große Entwicklung durch. Ist sie zunächst noch schüchtern und weltfremd, was durch ihre Entführung und die Abschottung nur verständlich ist, wird aus ihr später eine Frau, die sich in ihrer Welt auskennt und zu handeln weiß. Nicht immer war ich mit ihren Entscheidungen glücklich, doch dadurch wurde die Geschichte nur noch interessanter. Doch nicht nur Nesta ist überzeugend dargestellt, auch beispielsweise Henry de Normandie oder Gerald de Windsor konnte ich mir sehr gut vorstellen. Dass einige andere Charaktere ein wenig blass bleiben liegt einfach an der schieren Anzahl an Personen.
Beim ersten Aufschlagen des Romans ist mir direkt ein sehr ausführliches Personenregister aufgefallen, das mehr als siebzig Einträge umfasst. So etwas kenne ich bisher eigentlich nur von Rebecca Gablé, und ich hatte damit gerechnet, gelegentlich auf das Verzeichnis angewiesen zu sein. Allerdings ist dies wirklich nicht so schlimm, denn einige Personen sind so nebensächlich, dass sie auch namenlos hätten bleiben können. Ich würde allerdings empfehlen, das Register nur dann zu Rate zu ziehen, wenn es wirklich nötig ist, da dadurch einiges verraten wird, was erst später im Roman geschieht.
Der Roman behandelt inklusive Prolog einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Nestas Jugend, im späteren Verlauf des Romans werden die Spannen zwischen den einzelnen Kapiteln immer größer. Ich hätte nichts dagegen gehabt, zumindest ein wenig über das Alltagsleben zu erfahren, doch auch so ist das Buch schon umfangreich genug.
Dadurch, dass mich dieser Abschnitt der englischen Geschichte sehr interessiert, konnten mich einzelne Ereignisse und Entwicklungen nicht überraschen. Dies hat aber nicht groß geschadet, die Beschreibungen waren dennoch so fesselnd, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Walisische Geschichte war mir dagegen weitestgehend unbekannt, und so habe ich durch diesen Roman doch einiges dazugelernt.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und leicht verständlich, so dass ich keine Probleme damit hatte, kompliziertere Zusammenhänge nachzuvollziehen.

Fazit
Die Tochter des letzten Königs ist ein großartiger Roman über eine faszinierende Frau. Gerne hätte das Buch ein paar Seiten dicker sein können. Wer sich für englisch-walisische Geschichte des elften und zwölften Jahrhunderts interessiert, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren! Meine Erwartungen wurden auf jeden Fall übertroffen.

Vielen Dank an Leserunden.de und den Goldmann-Verlag für das Leserunden-Exemplar!

Dagmar Trodler – Die Totenfrau des Herzogs

AutorDagmar Trodler
TitelDie Totenfrau des Herzogs
SerieIma von Lindisfarne Band 2
Seitenzahl416
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-37584-4
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Die Rose von Salerno!

Inhalt
Salerno, 1085: Nach ihrer abenteuerlichen Reise nach Rom einige Monate zuvor hat sich Ima dazu entschlossen, in Salerno zu bleiben und ihr Wissen um die Heilkunst zu vermehren. Und so ist sie bei der Ärztin Trota in die Lehre gegangen, die unter anderem auch die Herzogin Sicaildis behandelt. Währenddessen hat Gérald de Hauteville, ein Ritter niederer Herkunft, sich darum bemüht, ein Lehen zu erhalten, um standesgemäß um Ima freien zu können.
Doch während eines Krankenbesuchs bei der Herzogin trifft die Nachricht ein, dass Robert Guiscard, der Herzog von Apulien, im Sterben liegt, und Sicaildis befiehlt Ima, sie als Totenfrau zu begleiten…

Meine Meinung
Für diesen zweiten Band der Dilogie empfiehlt es sich sehr, den ersten Band, Die Rose von Salerno, gelesen zu haben. Zwar gibt es einige wenige Erläuterungen darüber, was zuvor passiert ist, doch sind diese spärlich gesät. Und so kann ich mir gut vorstellen, dass es nicht gerade einfach ist, ohne Vorwissen die Beziehungen zwischen den Personen zu durchschauen.
Gab es am Ende des ersten Bandes Andeutungen, dass es für Ima und Gérald eine gemeinsame Zukunft geben könnte, zeigt sich hier schon auf den ersten Seiten, dass es noch immer massive Probleme gibt, die zwischen den beiden stehen.
Ima hat sich in der Zwischenzeit nicht verändert, sie ist noch immer die hilfsbereite junge Frau, die ihren zusätzlichen Finger gut einzusetzen weiß. Zudem ist sie ein wenig widersprüchlich, was ihren eigenen Status angeht. Sie hat keine Probleme damit, sich von Menschen niedrigen Standes ansprechen zu lassen, auch lässt sie nicht immer erkennen, dass sie selbst hoch geboren ist. Nur selten, und besonders dann, wenn es um Gérald geht, lässt sie dies durchblicken.
Und Gérald selbst hat ebenfalls nichts dazugelernt. Obwohl er verliebt ist und ein Leben mit Ima aufbauen will, kann er nicht vom Alkohol und den käuflichen Frauen lassen. Dennoch ist liebenswürdig und versucht oft, das Richtige zu tun, auch wenn er sich nicht immer allzu geschickt anstellt und die Probleme dadurch nur vertieft.
Die meisten anderen Charaktere sind dagegen eher stereotyp beschrieben, allerdings bleibt ihnen auch in der Regel nicht allzu viel Raum, um sich überhaupt entwickeln zu können.
Auf diesen gut 400 Seiten passiert sehr viel, die Handlung ist dabei überwiegend spannend beschrieben. Dabei könnte ich mir auch vorstellen, dass das meiste so oder ähnlich hätte passieren können. Das Ende kommt ziemlich abrupt, gerne hätte ich noch mehr über bestimmte Dinge erfahren. Dennoch ist die Geschichte so doch passend und glaubhaft abgeschlossen worden.
Die Sprache ist schon wie im Vorgängerband teils sehr poetisch, teils eher nüchtern, aber in der Regel gut zu lesen. Hier kommen wieder vermehrt Sätze und einzelne Wörter aus anderen Sprachen vor, die, wie schon in der Waldgräfin-Trilogie, im Anhang übersetzt werden. Zwar ist dies lobenswert, dennoch hätte ich gerne darauf verzichtet und dafür weniger dieser Sätze im Buch gefunden, die doch den Lesefluss stark ausbremsen. In Die Rose von Salerno ging es doch auch ohne…

Fazit
Der Roman hat mir gut gefallen, ohne Vorkenntnisse würde ich ihn jedoch nicht empfehlen. Vielmehr würde ich beide Bände zusammen als ein Buch betrachten. Wer sich für das Leben Robert Guiscards interessiert und den Schreibstil der Autorin mag, könnte seine Freude mit dieser Dilogie haben.

Dagmar Trodler – Die Rose von Salerno

AutorDagmar Trodler
TitelDie Rose von Salerno
SerieIma von Lindisfarne Band 1
Seitenzahl414
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-37152-5
Bewertung

Inhalt
Burgund, 1083: Die junge Ima befindet sich auf einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela, wo sie für ihren kürzlich verstorbenen Verlobten beten will.
Als Ima eines Tages ein wenig Abgeschiedenheit von der Pilgergruppe sucht, beobachtet sie zufällig einen Zweikampf zwischen zwei Rittern mit tödlichem Ausgang. Als sie von dem überlebenden Ritter aufgefordert wird, sich um seine Verletzungen zu kümmern, ist sie entsetzt, doch schon bald ist sie von Gérald de Hauteville fasziniert.
Diese Faszination schwindet allerdings kurz darauf, als sich der Bruder ihres Verlobten, der mit ihr gepilgert ist, dem Ritter als Knappen anschließt. Da sie sich für den jungen Aidan verantwortlich fühlt, reist die den beiden in Richtung Salerno hinterher.

Meine Meinung
Wer die Waldgräfin-Trilogie von Dagmar Trodler kennt und halbwegs frisch in Erinnerung hat, wird hier schnell einige Gemeinsamkeiten finden. Dies ist kein Wunder, handelt es sich doch um eine indirekte Fortsetzung.
Man wird nicht direkt mit der Nase darauf gestoßen, da beispielsweise so gut wie keine Namen genannt werden, doch wer genau liest wird schnell feststellen können, wer hier wer ist.
So ganz hat mir diese Entscheidung allerdings nicht gefallen, denn dadurch wurden mir doch einige Illusionen genommen, was das Ende von Die Tage des Raben angeht.
Für diejenigen, die die Wandgräfin-Trilogie nicht kennen, sollte es kein großes Problem darstellen, der Geschichte zu folgen. Schließlich wird hier eine neue Geschichte erzählt. Die zahlreichen Anspielungen auf Imas Herkunft und Kindheit, die erst nach und nach ein rundes Bild ergeben, könnten allerdings möglicherweise als störend empfunden werden.
Ima ist eine junge Frau, die weiß, was sie will. Sie ist durch die Erlebnisse ihrer Kindheit geprägt, es gibt nicht viel, das sie noch nicht erlebt hat. Und trotzdem passieren immer wieder Dinge, die selbst sie schockieren und in die sie ungewollt hineingerät. Manches Mal habe ich mir schon gedacht, dass es langsam genug ist, dass die junge Frau genügend schlimme Dinge erlebt hat.
Neben ihrem nordischen Aussehen, das sie im südlichen Europa stark von den Massen abhebt, hat sie noch ein weiteres herausstellendes körperliches Merkmal, nämlich einen sechsten Finger an einer Hand, den sie gut zu nutzen weiß.
Gérald de Hauteville dagegen ist ein Weiberheld, ein armer Trunkenbold mit ungewisser Herkunft. Seine Taten sind nicht gerade als Edel zu bezeichnen, und doch war er mir über große Teile des Romans sehr sympathisch, oft hat er mir auch einfach Leid getan. Das es gerade seine Herkunft ist, über die sich Ima Gedanken macht, hat mich doch sehr gestört, ist mir doch bekannt, wie Ima selbst aufgewachsen ist.
Dass sich gerade zwischen diesen beiden eine Beziehung anbahnt, hat mich doch zunächst gewundert, wollen sie doch überhaupt nicht zusammen passen. Trotzdem ist sie glaubhaft in ihrer Entwicklung beschrieben, dabei aber keinesfalls kitschig. Wer eine traumhaft schöne Liebesgeschichte erwartet, die vor Romantik sprüht, könnte hier enttäuscht werden.
Im Gegensatz zur Waldgräfin-Trilogie werden die Erlebnisse der Hauptperson nicht in der Ich-Perspektive beschrieben. Dennoch bleibt der Blick weitestgehend auf Ima geheftet, nur selten erhält man Einblicke in die Erlebnisse und Gedanken anderer Personen.
Der Schreibstil ist angenehm, der Roman lässt sich sehr gut und flüssig lesen, stellenweise ist er aber auch sehr poetisch. Grausamkeiten werden nicht ausgespart, sondern wohl dosiert eingesetzt, so dass ich doch manches Mal von den Ereignissen, die in einem Nebensatz erwähnt werden, geschockt war.
Auch in diesem Roman gibt es kleinere Ansätze von Magie, wobei nicht deutlich wird, ob tatsächlich Magie im Spiel war oder dies nur angenommen wird. Allerdings hätte ich auf diese Dinge auch gut verzichten können.

Fazit
Der Roman an sich hat mir sehr gefallen, auch wenn es einige Kleinigkeiten gab, die mich ein wenig gestört haben. Dies hängt aber eher damit zusammen, dass es sich um eine indirekte Reihenfortsetzung handelt, als mit dem Roman an sich. Wer die Waldgräfin-Trilogie mochte, kann hier gerne zugreifen.

Dagmar Trodler – Die Tage des Raben

AutorDagmar Trodler
TitelDie Tage des Raben
SerieWaldgräfin Band 3
Seitenzahl544
VerlagBlanvalet
ISBN3-442-36601-1
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Die Waldgräfin und Freyas Töchter!

Inhalt
England, 1070: Nachdem Alienor und Erik erkennen mussten, dass es für sie keinen Platz im Svearreich, Eriks Heimat, gibt, zieht es die junge Familie nach England. Dort regiert seit einigen Jahren Guillaume, zuvor Herzog der Normandie, in dessen Diensten Erik früher stand.
Doch in England angekommen müssen sie erleben, wie grausam die Normannen in einigen Gegenden wüten und die Bevölkerung unterdrücken. Besonders in Yorkshire, wo große Landstriche verwüstet sind, gestaltet sich das reine Überleben schwieriger als erwartet, denn Nahrung ist Mangelware. Und so zieht es Erik bald zurück in Guillaumes Dienste.

Meine Meinung
Dieser letzte Band der Trilogie schließt nahezu nahtlos an den Vorgänger an, fällt jedoch im Vergleich stark ab.
Die Entscheidung, nach England auszuwandern, ist nachvollziehbar, schließlich hat Erik gute Aussichten, in Guillaumes Dienste eintreten zu können. Doch warum zieht es die junge Familie ausgerechnet dorthin, wo das Überleben am schwierigsten ist und wo die Normannen erst zuschlagen und dann nachfragen? Diese Entscheidung ist in meinen Augen eher unlogisch.
Auch andere Dinge haben mir so gar nicht gefallen. So trifft Alienor schon sehr früh im Buch auf einen Mann, von dem sie nur wenig später erfährt, dass ihr bisheriges Leben eine Lüge ist und dass sie gar nicht die ist, die sie zu sein glaubt. Dies spielt im späteren Verlauf des Romans immer wieder eine Rolle, kommt mir aber in der Situation doch an den Haaren herbeigezogen vor. Warum muss hier der Stammbaum geändert werden? Und warum trifft sie ausgerechnet auf den einen Mann in England, der etwas über ihre Vergangenheit wissen kann?
In England erkennt Erik bald, dass er ein Krieger und nicht für die Landwirtschaft geschaffen ist. Und so zieht es ihn zu Guillaume, was ja auch ein Grund für die Auswanderung nach England war. Doch warum muss Alienor ihm immer wieder hinterher reiten, die Kinder im Gepäck? Hat sie aus ihren Erfahrungen nichts gelernt? Mich hat es schon bald sehr gestört, dass sie sich und ihre Liebsten dadurch immer wieder in Gefahr bringt. Langsam ist es doch auch mal genug!
In diesem Band kommt ein mystisches Element hinzu: Ein Rabe sucht Alienor immer dann auf, wenn Gefahr droht. Dadurch erklärt sich zwar der Titel, doch warum er überhaupt vorkommt, ist mir schleierhaft.
Manches Mal kann Alienor, die Ich-Erzählerin dieses Buches, auch richtig nerven, wenn sie mal wieder erzählt, dass sie ohne Erik nicht leben kann oder zum wiederholten Mal ohnmächtig wird. Oder wenn sie Götter oder Heilige anfleht, obwohl sie fest davon überzeugt ist, dass ihr doch niemand hilft. Allerdings ist dies hier wesentlich seltener der Fall als in den ersten beiden Bänden.
So schlecht, wie es diese ganzen Kritikpunkte erscheinen lassen, ist dieser Roman dann aber doch nicht. Die Geschichte ist spannend und konnte mich über weite Strecken fesseln. Immer passiert etwas, Leerlauf und Zeit, zur Ruhe zu kommen, gibt es kaum, und selbst wenn es mal Ruhephasen gibt, sind diese kurzweilig beschrieben. Die Sprache ist stellenweise sehr poetisch, was sogar mir aufgefallen ist, während ich doch normalerweise über solche Dinge hinweg lese.
Wie bei den Vorgängern gibt es auch hier wieder einige Sätze in anderen Sprachen, zu Latein, Nordisch und Altfranzösisch ist jetzt auch Angelsächsisch hinzugekommen. Diese werden in einem Glossar übersetzt. Waren es aber in Freyas Töchter noch ganze zwölf Seiten, kommt Die Tage des Raben mit der Hälfte aus, was wesentlich weniger anstrengend zu lesen ist.

Fazit
Leider konnte mich dieser Roman nicht vollständig überzeugen, zu viele kleinere Zufälle und nicht ganz logische Handlungen haben mir den Spaß an der eigentlich sehr spannenden Geschichte genommen. Trotzdem ist der Abschlussband der Trilogie immer noch sehr gut lesbar. Wer wissen will, wie es mit Alienor und Erik ausgeht, sollte sich diesen Band ruhig anschauen.

Dagmar Trodler – Freyas Töchter

AutorDagmar Trodler
TitelFreyas Töchter
SerieWaldgräfin Band 2
Seitenzahl512
VerlagBlanvalet
ISBN978-3-442-36182-3
Bewertung

Achtung: Diese Rezension enthält kleinere Spoiler zu Die Waldgräfin!

Inhalt
Schleswig, 1066: Nur knapp konnten Alienor von Sassenberg und ihr Geliebter Erik, Königssohn aus dem Svearreich, dem Grafen von Sassenberg entkommen. Nun planen sie einen Neuanfang in Eriks Heimat.
Doch schon die Reise dorthin erweist sich als schwieriger als geplant, ist Alienor doch schwanger und Erik von Zweifeln darüber geplagt, wie er wohl empfangen werden wird. Seine Sorgen sind nicht unbegründet, denn in seiner Heimat wartet eine Verlobte auf ihn, außerdem ist Alienor als Tochter eines Grafen eine Frau weit unter seinem Stand.
Schon bald zeigt sich, dass seine Sorgen nicht unbegründet sind. Doch Eriks Freund Gisli Svensson und seine Schwester Sigrun stehen Alienor in schweren Zeiten zur Seite…

Meine Meinung
Wie schon im ersten Band wird die Ich-Erzählerin Alienor als Kind ihrer Zeit dargestellt. Sie ist sehr christlich-religiös geprägt, doch ihre Erlebnisse und das Leben in dem heidnischen Schweden lassen sie an der Existenz Gottes zweifeln. Immer wieder gerät sie in Konflikte, die mit dem Glauben zu tun haben und die noch weitreichende Folgen nach sich ziehen. Dennoch gefällt sie mir hier besser als noch in Die Waldgräfin, ist sie doch längst nicht mehr so weinerlich, und auch einen Teil ihrer Ängste hat sie hinter sich gelassen. Zwar tut sie auch hier einige Dinge, die nicht gründlich durchdacht erscheinen, doch konnte ich ihre Beweggründe meist verstehen.
Religion spielt auch in diesem Roman eine sehr große Rolle, schließlich ist dies die Zeit eines großen Umbruchs. Viele Svear halten noch am alten Glauben fest, doch viele fühlen sich auch zum Christentum hingezogen. Und so ist der Konflikt zwischen beiden Gruppierungen im späteren Verlauf des Romans ein wichtiges Thema. Wie es häufiger der Fall ist, kommt ein Roman in einem solchen Fall nicht ohne die Darstellung von Gewalt aus. Dies ist hier nicht übermäßig übertrieben dargestellt, doch so, dass das Grauen spürbar ist.
Habe ich mich beim ersten Band noch über diverse Logiklöcher geärgert, konnte ich hier zu meiner Freude keine feststellen.
Die Darstellung der Liebesbeziehung in diesem Band hat mir sehr gefallen: Die erste Verliebtheit ist vorbei, es stellt sich ein Alltag ein, der mehr oder weniger Schwierigkeiten aufweist, auch kommen erste Zweifel auf. Kann die Liebe den Alltag überleben? Dennoch ist die Geschichte nicht langweilig, immer passiert etwas, auch wenn es dadurch gelegentlich zu größeren zeitlichen Sprüngen kommt. Allerdings gerät Erik durch den Alltag, der ihn häufiger von Alienor trennt, meiner Meinung nach ein wenig zu sehr in den Hintergrund, so dass dann auch der Bruch, der unweigerlich erfolgen muss, gar nicht so viel Gewicht zu haben scheint.
Wie schon im ersten Band gibt es auch hier viele Sätze und einzelne Begriffe aus anderen Sprachen, in diesem Fall Altnordisch und Latein, die im Anhang übersetzt werden. Da keine Seitenzahlen angegeben sind, kann dies zu einer längeren Suche führen, weshalb ich es gelegentlich vorgezogen habe, einfach einen Satz nicht nachzuschlagen. Dies ist schade, denn es wäre sicher kein allzu großes Problem, gelegentlich Seitenzahlen einzufügen, damit man zumindest einen Anhaltspunkt hat.

Fazit
Ein guter zweiter Band der Trilogie, bei dem die Liebesgeschichte ein wenig in den Hintergrund rückt. Für Leser des ersten Bandes unbedingt zu empfehlen!