Charlotte Thomas – Die Lagune des Löwen

AutorCharlotte Thomas
TitelDie Lagune des Löwen
Seitenzahl957
VerlagBastei Lübbe
ISBN978-3-404-16349-6
Bewertung

Inhalt
Venedig, zu Beginn des 16. Jahrhunderts: Als Lauras Eltern sterben kommen sie und ihr Bruder Matteo ins Kinderheim. Doch als sie adoptiert werden soll merkt sie, dass irgend etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Nur mit Mühe können die Kinder entkommen.
In der Stadt schließt sich Laura einer Gruppe Straßenkinder an, die alle auf sich gestellt mehr oder weniger um ihr Überleben kämpfen. Auch Laura muss sich ihren Unterhalt verdienen, um ihren kleinen Bruder ernähren zu können, und so wird sie von dem Dieb Antonio in der Kunst des Taschendiebstahls ausgebildet.
Doch das Leben in Venedig ist nicht ungefährlich, und obwohl die Stadt nicht gerade klein ist kann man nicht immer allen Menschen, denen man nicht mehr begegnen möchte, aus dem Weg gehen, besonders, wenn man so auffällig rote Haare hat wie Laura…

Meine Meinung
Man nehme einen Satanisten, eine sadistische Nonne, ein paar Waisenkinder, junge Liebe, Krieg und ein großes Geheimnis, und schon hat man ein paar nette Grundzutaten für einen historischen Roman. Zumindest war dies mein Eindruck nach den ersten Kapiteln.
Viele Personen verhalten sich hier stereotyp und zeigen keine anderen Facetten, nur wenige handeln plötzlich völlig unerwartet und brechen aus ihrer Rolle aus. Dennoch sind die Charaktere liebevoll gezeichnet, insbesondere Laura und Antonio konnte ich mir sehr gut vorstellen.
Aus brenzligen Situationen kann nicht selten nur der Zufall helfen, zum Beispiel indem eine Person, die mit einem der Kinder entfernt bekannt ist, gerade zufällig in der Nähe ist und zur Hilfe kommt. An einigen Stellen erwartet man zudem eine Aufklärung darüber, wie jemand aus einer brenzligen Situation entkommen konnte, doch anstatt dass dies direkt beschrieben wird, erfährt man rückblickend davon, da das nächste Kapitel erst ein paar Wochen oder Monate später spielt. Diese Lücken führen dazu, dass das Erzähltempo des Romans gesteigert wird und er von Beginn bis zum Ende spannend bleibt, doch hätte ich nichts dagegen gehabt, bei diesen Situationen selbst dabei zu sein und dadurch auf ein wenig Spannung zu verzichten.
Die Stadt Venedig wird lebendig dargestellt, das Leben insbesondere der armen Leute wird sehr anschaulich beschrieben. Über einige Themen erfährt man etwas mehr, zum Beispiel über das Leben der Juden bzw. Konvertiten in Venedig, über Medizin und die Herstellung der Medikamente. Auch die Politik kommt nicht zu kurz. Dennoch hätte ich gerne noch mehr über die Hintergründe erfahren, die zur derzeitigen politischen Situation geführt haben.

Fazit
Trotz der Kritikpunkte finde ich das Buch keinesfalls schlecht, ich habe es sehr genossen. An einigen Stellen hätte ich mir einfach noch mehr gewünscht, und die Lücken zwischen den Kapiteln waren mir einfach gelegentlich zu groß. Dennoch ein sehr empfehlenswerter Roman.

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